Militärexperten: Angebliche Modernisierung der US-Atomwaffen ist in Wirklichkeit eine Neuentwicklung

Militärexperten: Angebliche Modernisierung der US-Atomwaffen ist in Wirklichkeit eine Neuentwicklung
Die US-Verwaltung für atomare Sicherheit (NNSA) hat die letzte Entwicklungsphase für die Verlängerung der Lebenszeit der Atombombe des Typs B61-12 offiziell autorisiert. Nun wird die Herstellung der modernisierten Atombombe vorbereitet, bevor sie in die Serienproduktion gehen kann. Militärische Fachkreise verweisen darauf, dass es sich de facto um die Entwicklung eines neuen Atombombentyps handelt.

Nach vier Jahren "ingenieurstechnischen Arbeiten" soll nun das erste Muster der B61-12 bis zum Jahr 2019 modernisiert werden. Ab dem Jahr 2020 beginnt die Serienproduktion und Stationierung. Damit bleiben die Bomben bis 2050 einsatzbereit, heißt es in der Presseerklärung der NNSA.

Laut NNSA-Chef Frank Klotz sind in der B61-12-Bombe gegenwärtig noch alte Komponenten installiert. Durch die Modernisierung werde die Bombe mindestens noch 20 Jahre einsatzbereit bleiben. Sie ersetzt die Atombomben der Serie B61-3, -4, -7 und -10.

Die neue Bombe besitzt zwar eine geringere Sprengkraft als die meisten heute verwendeten, dafür soll sie aber auch wesentlich treffgenauer sein. Somit würde man den Unterschied zwischen "taktischen" und "strategischen" Bomben beseitigen. Das heißt, ein Modell könnte man mit Jagdbombern und strategischen Bombern zum Einsatz bringen. Die modernisierte B61 könnte dadurch das strategische Konzept der USA und der NATO verändern. 

Laut derzeitigen Schätzungen soll das Projekt bis zu zehn Milliarden Dollar kosten.

Offiziell handelt es sich bei der Modernisierung um eine Lebensdauerverlängerungsmaßnahme (Life Extension Program – LEP). Fachkreise merken jedoch an, dass es sich um eine weitgehend neue Bombe handelt. Denn bis auf einzelne Teile und den Namen verbindet die neue Bombe nichts mit dem ursprünglichen Modell. Das wäre damit die erste Neuentwicklung einer Atomwaffe seit dem Ende des Kalten Krieges in den USA.

Abgesehen davon, dass es dem Versprechen von Präsident Barack Obamas widerspricht, sich für eine nuklearwaffenfreie Welt einzusetzen. Es läuft dem "2010 Nuclear Posture Review" zuwider, in dem es damals noch hieß:

"Die Vereinigten Staaten werden keine neuen nuklearen Sprengköpfe entwickeln."

Vor allem aber zeigt sich, dass die USA langfristig nicht das Ziel verfolgen, Atomwaffen abzubauen. Denn mit der neuen Atombombe wird es notwendig, den nuklearindustriellen Atomwaffenkomplex weiterhin aufrechtzuerhalten.

Die Atombombe B61 wurde Ursprünglich 1963 entwickelt. Die Arbeiten daran dauerten zwei Jahre. Die Bombe ist 3,58 Meter lang, erreicht ein Durchmesser von etwa 33 Zentimeter und wiegt 320 bis 500 Kilogramm. Die Sprengkraft der Bombe kann von 0,3 bis zu 300 Kilotonnen betragen.

Laut dem Friedensforschungsinstitut Sipri geben alleine die USA Hunderte Milliarden Dollar für die Modernisierung ihrer Atomsprengköpfe aus. Zusammen mit Russland besitzen beide Länder 93 Prozent aller Nuklearwaffen weltweit. Einerseits senken sie das Atomwaffenarsenal langsam, gleichzeitig aber steigen die Ausgaben der Modernisierung ihrer Atomstreitkräfte.