US-Medien: Whistleblowerin Chelsea Manning versuchte, sich das Leben zu nehmen

US-Medien: Whistleblowerin Chelsea Manning versuchte, sich das Leben zu nehmen
Für die Veröffentlichung von US-Kriegsverbrechen im Irak wurde Chelsea Manning zu 35 Jahren Haft im Militärgefängnis verurteilt. Nun berichten US-amerikanische Medien, die Whistleblowerin habe versucht, sich das Leben zu nehmen. Die US Army verweigert nach dem Vorfall Mannings Anwälten den Zugang zu ihrer Mandantin.

Laut dem CNN-Reporter Shimon Prokupecz wurde die Whistleblowerin Chelsea Manning in ein Krankenhaus eingeliefert, nachdem sie versuchte, sich in ihrer Zelle zu erhängen. Von offizieller Seite bestätigt wurde dies zunächst nicht. Die Gefängnisleitung gab aber bekannt, dass Manning seit der Rückkehr in die Haftanstalt „unter Beobachtung“ steht.

Das öffentliche Statement erfolgte, bevor Mannings Anwälte über den Vorfall informiert wurden. Erst durch die Presse erfuhren diese von den Gerüchten und kommentieren:

Wir sind schockiert und wütend, dass ein Beamter die Presse mit privaten, vertraulichen Informationen über Chelsea Manning versorgt, während die rechtlichen Vertreter nichts erfahren.

Sogar einen Anruf bei Manning, um sich über die Lage in Kenntnis zu setzen, verweigerte das US-Militär den Anwälten. Erst ab Freitag soll es Mannings Rechtsbeistand erlaubt sein, die Mandantin zu kontaktieren. Die Anwälte fordern die Gefängnisleitung auf, ihnen, Familienangehörigen und Freunden sofort Zugang zu gewähren.

Manning sitzt unter äußerst harten Haftbedingungen eine 35-jährige Strafe in Fort Leavenworth ab. Die Verurteilung erfolgte in insgesamt 19 Punkten, darunter „Spionage“ und „Unterstützung des Feindes“.

Neben 250.000 diplomatischen Telegrammen und 500.000 Armee-Reporten, den so genannten "Iraq war logs" sowie den "Afghan war logs", sorgten vor allem von Manning geleakte Videoaufnahmen weltweit für Aufsehen. In den Dokumenten finden sich allein 303 Fälle von Folter durch ausländische Einheiten im Irak im Jahre 2010.

Unter dem Titel Collateral Murder veröffentliche WikiLeaks schließlich die von Manning zugespielten Video-Aufzeichnungen, welche die Erschießung von irakischen Zivilisten und Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters durch die US-Armee zeigen.

In den Aufnahmen ist zu hören wie die Besatzung des angreifenden Kampfhubschraubers feixend die Morde kommentiert, ähnlich wie in einem Computerspiel. Die Aufnahmen sorgten für große Empörung und zerstörten den Nimbus der USA als friedens- und demokratiestiftende Kraft im Irak.

Als Begründung für diesen Schritt gab Manning unter anderem an:

Ich halte diese Dokumente nach wie vor für einige der wichtigsten Dokumente unserer Zeit. Ich glaubte, die Depeschen würden uns nicht schaden, aber sie würden peinlich sein. Ich glaubte, dass die Öffentlichkeit, insbesondere die amerikanische Öffentlichkeit, eine allgemeine Debatte über das Militär und unsere Außenpolitik im Irak und in Afghanistan führen wird, wenn sie denn einmal diese Dokumente lesen könnte.

Es wäre damit eine Chance für unsere Gesellschaft gegeben, sich Rechenschaft über diese Form des Gegen-Terrorismus abzulegen, in dem wir die menschliche Seite der Bewohner in diesen Ländern Tag für Tag missachten.

Ein weltweites Unterstützernetzwerk fordert seitdem die Freilassung der politischen Gefangenen.