"Blamage" - DNC zu Daten-Hack: „Die Russen sind schuld“ – Hacker Guccifer2.0: „Nee, ich war's“

Debbie Wasserman Schultz, Chefin des DNC, hatte zunächst auf "die Russen" gezeigt. Nun stellt sich heraus, dass ein einzelner Hacker ihre Computer ausgeraubt hat.
Debbie Wasserman Schultz, Chefin des DNC, hatte zunächst auf "die Russen" gezeigt. Nun stellt sich heraus, dass ein einzelner Hacker ihre Computer ausgeraubt hat.
Angeblich haben "die Russen" den Computer der Demokratischen Partei in den USA gehackt. Diese nachweisfreie Anschuldigung hat sich einmal mehr erledigt. Der Hacker meldet sich persönlich und schickt gleich seine Beute mit.

Am Dienstag erklärten die Organisatoren für den Wahlkampf der Demokratischen Partei, die russische Regierung habe ihre Datenbank gehackt. Wie bei solchen Vorwürfen üblich, verzichtete das Democratic National Committee (DNC) auf irgendwelche Nachweise für seine Anschuldigungen.

Russen-Bashing geht immer, mag man sich in Washington gedacht haben. Ein Sprecher der russischen Regierung hatte die Anschuldigungen umgehend zurückgewiesen.

Am Tag darauf folgt nun die Blamage für das DNC: Hinter dem Einbruch in die Rechner steht offensichtlich ein einzelner Hacker. Mit einem Blog-Post bekannte sich eine Person unter dem Spitznamen Guccifer2.0 zu dem Datendiebstahl. Möglicherweise verweist dieses Pseudonym auf den Hacker Guccifer, der zurzeit in einem Gefängnis in Rumänien sitzt, nachdem er im Jahr 2013 in die Konten zahlreicher US-Politiker eingedrungen war.

Der Hacker freut sich, dass seine Fähigkeiten „derartig hoch“ geschätzt worden seien, dass man seinen Angriff gleich einer Gruppe von Hackern zuschreibt. An die Daten zu gelangen sei aber leicht gewesen, „sehr leicht sogar“. Guccifer2.0 schreibt, er sei vielleicht der Erste gewesen, der die Rechner der Demokraten gehackt habe: „Aber bestimmt war ich nicht der Letzte.“

Der DNC hatte sich bei seinem Fingerzeig auf Russland auf das IT-Sicherheitsunternehmen Crowdstrike berufen. Dessen Analysten wollten den Angriff auf zwei mutmaßlich russische Hackergruppen zurückverfolgt haben.

Prototyp eines Computers für die Abstimmung im Bürgerbüro von Clerk in Norwalk, Kalifornien, Februar 2016.

Guccifer2.0 veröffentlichte nun zahlreiche Dokumente aus dem Wahlkampfstab der Demokratischen Partei. Neben einem internen Bericht der Demokraten über den republikanischen Präsidentschaftsbewerber Donald Trump gehörte auch ein Strategiepapier für den Wahlkampf der Partei zu den Unterlagen.

Das Papier weist darauf hin, dass das DNC bereits fest von Hillary Clinton als Kandidatin für die Präsidentschaft ausging, bevor das Rennen überhaupt begonnen hatte. „Bernie scheint ein großes Ärgernis für ihren Versuch gewesen zu sein, sich selbst als Mainstream darzustellen“, kommentiert ein Nutzer das Papier.

Das Dossier über Donald Trump umfasst über 200 Seiten. Die Metadaten in der Datei weisen Warren Flood, einen Strategen der Demokraten als Autor aus. Die veröffentlichte Version stammt demnach vom Dezember 2015. Ganze Kapitel widmen sich angeblichen Falschaussagen, seiner Waffenpolitik und seiner Leugnung des Klimawandels. Daraus leiten die Demokraten für den anstehenden Wahlkampf eine Argumentationsstrategie mit sieben Hauptargumenten ab.

Guccifer2.0 behauptet, dass der Trump-Report nur eines von „vielen tausend Dokumenten“ sei, die ihm vorliegen. Unter den etwa 100 Gigabyte an Daten befinden sich demnach auch Finanzberichte, Spenderlisten, Wahlprogramme, Aktionspläne und persönliche E-Mails. Die DNC-Geschäftsführerin Debbie Wasserman-Schultz habe gelogen, als sie behauptete, es seien keine Finanzdaten entwendet worden, betont der Hacker. Zudem lägen ihm geheime Dokumente von Außenministerin Hillary Clinton vor.

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