Orlando: Arbeitgeber von Omar Mateen war ein internationales Sicherheitsunternehmen mit CIA-Link

Orlando: Arbeitgeber von Omar Mateen war ein internationales Sicherheitsunternehmen mit CIA-Link
Der Todesschütze von Orlando arbeitete für eine der größten privaten Sicherheitsfirmen weltweit als "Sicherheitsoffizier". G4S bietet unter anderem militärische Dienstleistungen für US-amerikanische und israelische Sicherheitsdienste an und fiel bereits häufiger durch laxe Überprüfungen und moralisch fragwürdige Geschäfte auf. Aufgrund seiner dort erworbenen "Sicherheitslizenz" durfte Mateen zusätzliche Waffen kaufen und verdeckt tragen.

Der Schütze des Orlando-Massaker war als "Sicherheitsoffizier" bei dem internationalen Sicherheitsunternehmen G4S beschäftigt. Bei G4S handelt es sich um ein riesiges globales Sicherheitsunternehmen, das Söldnertruppen bereitstellt, aber auch Gefängniswärter und Sicherheitsdienste anbietet. Mit mehr als 620.000 Mitarbeitern und einer Präsenz in mehr als 100 Ländern ist G4S eines der größten privaten Sicherheitsunternehmen weltweit.

In einer Erklärung bestätigte G4S, dass Omar Mateen seit 2007 für das Unternehmen gearbeitet hatte. Demnach durchlief Mateen einmal im Jahr 2007 ein „detailliertes Screening des Unternehmens“ und wurde „ohne negative Befunde“ erneut im Jahr 2013 überprüft. Bemerkenswert ist, dass nach Informationen der US-Presse zu dieser Zeit bereits zwei Ermittlungen des FBI gegen ihn liefen. Aufgrund der Nachricht, dass Omar Mateen für G4S arbeitete, fielen die Aktien des Unternehmens um 6,6 Prozent, was einem Unternehmenswert von 280 Millionen Dollar entspricht.

Zudem erklärte etwa ein ehemaliger Kollege von Mateen gegenüber der New York Times, er habe „es kommen sehen“. Demnach sprach Mateen „die ganze Zeit darüber, Menschen zu töten“. Er war „immer wütend, nur wütend auf die Welt“, so der ehemalige G4S-Mitarbeiter. Er gab sogar an, dass er bei dem Unternehmen gekündigt habe, weil er sich von Mateen belästigt fühlte. Zuvor habe er sich „mehrmals beschwert“, weil Mateen sich abfällig über „Schwarze, Frauen, Lesben und Juden“ geäußert habe.

Trotzdem beschäftigte das Sicherheitsunternehmen Omar Mateen weiter und erteilte ihm sogar eine Lizenz als „Sicherheitsoffizier“. Mit diesem Status konnte der spätere Amokläufer zusätzlich zu seiner staatlichen Lizenz Feuerwaffen kaufen und diese sogar verdeckt mit sich tragen. Genau zum Zeitpunkt seiner zweiten Sicherheitsprüfung lief nach Angaben des FBI eine Untersuchung gegen ihn. Die Bundespolizei verdächtigte Mateen „der Beteiligung an Terror“. Bei diesen Ermittlungen wurden auch „bezahlte Informanten“ eingesetzt, Gespräche aufgezeichnet und eine „elektronische Überwachung“ durchgeführt, so FBI-Direktor James Comey am Montag.

Die Ermittlung wurde abgebrochen, weil sie keine „harten Beweise“ dafür erbrachte, dass Mateen Kontakte ins terroristische Milieu hatte. Sein Arbeitgeber, G4S, erklärte mittlerweile, dass dem Unternehmen keinerlei Informationen zu „Überprüfungen durch eine US-Strafverfolgungsbehörde“ vorliegen. Im Widerspruch dazu berichtet die New York Times, dass G4S eine auch interne Untersuchung durchgeführt habe, weil „Berichte vorlagen, dass Mateen Kontakte zu einer terroristischen Gruppe“ habe.

Laut Berichten amerikanischer Medien handelt es sich bei Omar Mateen nicht um den ersten Fall, bei dem G4S Probleme mit seinen Sicherheitsprüfungen hat. Erst im Januar 2016 sind fünf G4S-Mitarbeiter verhaftet worden, nachdem die BBC über „systematischen Missbrauch und Vernachlässigung“ in einem von G4S geführten Jugendgefängnis berichtet hatte. Im Jahr 2009 erschoss der G4S-Söldner Danny Fitzsimons Mitarbeiter einer G4S-Tochtergesellschaft. Er tötete zwei Kollegen im Irak und behauptete, er sei „der Antichrist“ und müsse „seinen Blutrausch stillen“. Eine spätere offizielle Untersuchung ergab, dass G4S  keinen richtigen psychologischen Test bei Danny Fitzsimons hatte durchführen lassen.

Zuvor kritisierten Menschenrechtsorganisationen und Medien das Unternehmen, weil es im Jahr 2007 Verträge mit fünf israelischen Gefängnisbetreibern und „Verhörzentren“ unterzeichnet hatte, was zu Vorwürfen führte, dass das Unternehmen an der Folter und rechtswidrigen Inhaftierung von Kindern beteiligt ist. In diesem Zusammenhang geriet das Unternehmen der Kampagne „Boykott, Desinvestition und Sanktionen“ (BDS). G4S hat inzwischen angekündigt, dass es seine Verträge mit israelischen Gefängnissen beendet.