Böhmermann auf US-amerikanisch: Cartoonist verliert seinen Job nach kritischer Monsanto-Karrikatur

Der Zeichner Rick Friday hat aufgrund eines Cartoons über Monsanto und andere Agrarmultis veröffentlichte. Bildquelle: @wideopencountry
Der Zeichner Rick Friday hat aufgrund eines Cartoons über Monsanto und andere Agrarmultis veröffentlichte. Bildquelle: @wideopencountry
Weil er in einer kleinen landwirtschaftlichen Zeitung, die im US-Bundesstaat Iowa erscheint, einen Comic zeichnete, der Monsanto und andere Agrarmultis kritisiert, wurde der Zeichner Rick Friday gefeuert. Zuvor hatte er 20 Jahre für die „Farm News“ gearbeitet.

Der Cartoon der dem Zeichner Rick Friday aus dem US-Bundesstaat Iowa den Job kostete, erschien am 29. April und zeigt einen Farmer der sagt: „Ich wünschte die Landwirtschaft würde mehr Profit abwerfen.“ Daraufhin erwidert sein Gesprächspartner:

„Das tut sie doch. Im Jahr 2015 haben die Vorstandsvorsitzenden von Monsanto, Dupont, Pioneer und John Deere zusammen mehr verdient als 2129 Landwirte in Iowa.“

Am nächsten Tag erfuhr Friday, dass er gefeuert wurde. Die Bürgerrechtsorganisation US Uncut deckte nun den Email-Verkehr auf, in dem der vormalige Chef des Cartoonisten, offenbar selbst eher am Ende der Entscheidungskette, verlauten ließ:

„Nun, glaub' es oder nicht. Die mehr als 20-jährige Beziehung zwischen Farm News und dir ist vorbei. Heute wurde ich angewiesen, keine Cartoons mehr von dir zu nehmen. Der letzte hat für einen S***storm gesorgt, den ich nicht verstehe. Einige Agrarmultis sind der Meinung, dass man sie nicht kritisieren oder Späße über sie machen darf. Der Cartoon führte auch dazu, dass ein Saatguthändler seine Werbeanzeigen bei Farm News storniert hat.“

Rick Friday machte seinem Unmut über die Entscheidung in den sozialen Medien Luft. Dort postete er den umstrittenen Cartoon und kommentierte:

„Im Interesse der großen Konzerne rollt nun mein Kopf. Ich bin nicht länger Cartoonist für Farm News, aufgrund dieser Karikatur, die gestern veröffentlicht wurde.“

Der Facebook-Post, indem Friday auch aufrechnete, dass er in 21 Jahren über 1.090 Cartoons gezeichnet und 24.000 Haushalte pro Woche erreichte, wurde über 3.000 mal geteilt. Auch verteidigte sich der Zeichner:

„Ich habe recherchiert und lediglich Fakten in meinen Cartoon einfließen lassen. Ich habe das jährliche Gehalt von drei zufällig ausgewählten Vorstandsvorsitzenden gegoogled, um es als Beispiel für meine Zeichnung zu verwenden. Ich habe das durchschnittliche Einkommen eines Landwirtes im Jahr 2015 dem Agribusiness Report entnommen und es durch die aufsummierten Gehälter der drei Manager geteilt. Einfache Fakten, die jeder finden kann“, so Friday in den Kommentaren seines Posts.

Und in der Tat lässt sich die Ungleichverteilung kaum leugnen: Das durchschnittliche Jahres-Einkommen eines Farmers in Iowa liegt, dem US-Landwirtschaftsministerium zufolge bei 94.000 Dollar. Monsantos Chef Hugh Grant hat im vergangenen Jahr 11,9 Millionen Dollar erhalten. 1,6 Millionen als Grundgehalt, der Rest in Form von Aktienoptionen und Aufwandsentschädigungen, so das St. Louis Business Journal.

Samuel Allen, der Vorstandsvorsitzende des Landmaschinenherstellers John Deere erhielt im vergangenen Jahr 15 Millionen Dollar, davon 1,5 Millionen Dollar Basisgehalt. Duponts vormaliger Chef Ellen Kullman, der Ende 2015 seine Rente antrat, verabschiedete sich mit Jahreseinkünften von 12 Millionen Dollar von seinem Posten.

Doch Friday gibt sich nicht geschlagen und kann seinem Rauswurf sogar noch Gutes abgewinnen:

„Es ist OK, hoffentlich werden meine Kinder und Enkelkinder sehen, dass dieser letzte in Farm News veröffentlichte Cartoon von mir ein Licht darauf wirft, wie zerbrechlich das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Pressefreiheit in diesem Land ist.“

Monsanto leugnet unterdessen eine Rolle in dem Fall gespielt und Druck auf den Zeichner ausgeübt zu haben. Auf seiner Internetseite veröffentlichte der Konzern ein Schreiben an Friday in dem es heißt:

„Wie Sie vielleicht wissen, hatten wir bis zum 2. Mai keine Kenntnisse von dem Cartoon und wir haben keine Rolle bei Ihrer Entlassung gespielt. Es ist nicht das erste mal, dass über uns Witze oder politische Karikaturen gemacht werden und vermutlich war es auch nicht das letzte mal. Es ist viel leichter über sich selbst zu lachen, als Humor zu unterdrücken.“

Ganz so freigeistig wie es die PR-Abteilung glauben machen will, ist man bei Monsanto jedoch keinesfalls. Der Konzern ist bekannt dafür, mediale Kritik am eigenen Geschäftsgebaren zu unterdrücken. Der bekannteste Fall betrifft WTVT, ein Partnerunternehmen von Fox News, in dem die Berichterstattung über einen Monsanto-Verantwortlichen zensiert wurde, der über genetisch modifizierte Wachstumshormone, die in der Rinderzucht eingesetzt werden, gelogen hatte.