Neue Studie: Generation Knast - Bei über 5 Millionen Kindern in den USA sitzen Eltern im Gefängnis

Eingangsbereich eines US-Gefängnisses
Eingangsbereich eines US-Gefängnisses
Eine neue Untersuchung deckt die erschreckenden Auswirkungen der Inhaftierung vieler Eltern mit kleinen Kindern in den USA auf. Bereits fünf Millionen Heranwachsende müssen damit leben, dass ihre Eltern im Gefängnis sitzen, oft wegen Kleindelikten, für die in anderen westlichen Staaten keine Haftstrafen drohen. Schlechte Bildung, finanzielle Engpässe und psychologische Probleme sind die Folge.

Mit „Geteiltes Urteil ist doppeltes Urteil“ lässt sich die aktuelle Untersuchung der Annie E. Casey Foundation („A shared Sentence“), die am 25. April veröffentlicht wurde, wohl am ehesten übersetzen. Während es nur logisch erscheint, dass verurteilte Straftäter eine Haftstrafe verbüßen, werden die familiären Konsequenzen der Masseninhaftierungen in den USA meist nicht bedacht. Denn viele Inhaftierte sind Eltern, derart oft, dass die Frage, was eigentlich für deren Kinder die Folgen der Haftzeit sind, nun als nationales Problem erkannt wurde.

Die Entwicklung ist durchaus bedenklich. Innerhalb eines Zeitraums von 40 Jahren ist die Zahl der Kinder, die während ihres Aufwachsens auf ihren Vater verzichten mussten, weil dieser in Haft ist, um rund 500 Prozent gestiegen. Die starke Zunahme ist auch eine Folge der verschärften Strafen für Drogenbesitz und Freiheitsentzug bei der Wiederholung auch kleiner Delikte.

Für die Kinder, die meist noch jünger als 10 Jahre sind, bedeutet das vor allem große Instabilität. Oft sind die Familien ohnehin auf Sozialhilfe oder Essensmarken angewiesen. Mit dem Wegfall eines Einkommens nehmen die Probleme in den Familien dann oft Überhand. So warnt der Bericht auch gleich zu Beginn:

„Viele Mütter sind nicht in der Lage die Lebensnotwendigkeiten wie Essen, Miete oder medizinische Versorgung für ihre Kinder zu zahlen.“

Erst kürzlich ermittelte eine Studie, dass 65 Prozent der Familien, von denen ein Elternteil im Gefängnis sitzt, ihre Grundbedürfnisse nicht decken können. Gerichts-, Anwaltskosten und Geldstrafen führen zudem nicht selten in die Verschuldung. Das Risiko der Obdachlosigkeit ist für die betroffenen Kinder weit größer als das der Vergleichsgruppe.

Quelle: National Center for Family Homelessness

Während der Prozentsatz von Kindern mit einem Elternteil im Gefängnis in New Jersey bei drei Prozent liegt, teilen in Kentucky ganze 13 Prozent dieses Schicksal. Die Gesamtzahl der betroffenen Kinder liegt landesweit bei fünf Millionen mit nahezu einer halben Million Kindern in Kalifornien und Texas und 312.000 in Florida.

Die rigide Gesetzgebung in den USA führt dazu, dass insgesamt 2,2 Millionen Bürger im Gefängnis sitzen. 91 Prozent von diesen sind Erwachsene. 60 Prozent davon sind Männer und gehören einer Bevölkerungsminderheit an: 858.000 sind Afroamerikaner, 464.000 haben lateinamerikanische Wurzeln. Meist sind die Inhaftierten jünger als 40 Jahre und schlecht gebildet.

„Es steht außer Frage, dass das System der Masseninhaftierungen in den USA mangelhaft ist, zu hohen Kosten führt und einer Änderung bedarf. Zahlreiche Politiker haben sich bereits für Verbesserungen eingesetzt und einige Staaten haben diese auch implementiert. Doch die Debatte lässt die Last für Kinder und Familien außer Acht.“, kommentiert der „A shared Sentence“-Bericht die aktuelle Entwicklung.

Zu den Empfehlungen der Annie E. Casey Foundation gehört die Verbesserung von psychologischen Fürsorgeangeboten für betroffene Familien. Auch wird dafür plädiert, dass Richter künftig die Auswirkungen auf Kinder bedenken sollen, wenn sie Gefängnisstrafen aussprechen. In die Pflicht genommen werden auch die Schulen, die Programme auflegen sollten, mit dem Ziel die psychologische und mentale Lage, sowie die Versorgung der Kinder zu verbessern.