US-Analyst Stratfor über NATO: Anachronismus ohne jeglichen Zweck

Flaggen vor dem NATO-Hauptquartier - Bereits präventiv auf Halbmast?
Flaggen vor dem NATO-Hauptquartier - Bereits präventiv auf Halbmast?
Die grundlegenden Existenzprinzipien der NATO haben nach dem Ende des Kalten Krieges ausgedient. Dies schreibt der US-Politologe und Chef des privaten US-Geheimdienstes „Stratfor“, George Friedman, in einem Artikel für „Business Insider“. Er zieht angesichts der aktuellen globalen Lage ein sehr pessimistische Resümee für die Perspektiven von USA und NATO.

Der bekannte geopolitische Experte und Mitgründer des privaten Informationsdienstes „Stratfor“, George Friedman, meint, dass die weitere Existenz des Atlantischen Bündnisses unzeitgemäß sei. Dem „Business Insider“-Kolumnisten zufolge sei die Militärallianz ein Anachronismus, weil sie unter anderem nicht die Funktionen übernehme, für die sie einst gegründet worden sei.

Das betreffe zum Beispiel die Integration der osteuropäischen Länder, die sich durch einen NATO-Beitritt die Europäisierung und nicht den Schutz erhofften. Die Mitgliedschaft in der EU und der NATO sollte – so war der Plan – die ehemaligen Sowjetrepubliken und Verbündeten der UdSSR in westliche Länder verwandeln“, bemerkt Friedman:

„Doch die NATO ist ein Militärbündnis, und die Integration neuer Staaten in Westeuropa war nicht das Ziel ihrer Gründung. Die Funktion dieser Organisation war der Schutz der Mitgliedsstaaten und des restlichen Europa. Doch sie ist atrophiert, weil der Krieg immer unwahrscheinlicher wird. Im Grunde genommen haben diese Prinzipien nach dem Zerfall der UdSSR und der Unterzeichnung des Vertrag von Maastricht, der die Gründung der Europäischen Union in die Wege geleitet hat, an Aktualität verloren. Die militärische Mission ist futsch, während die Allianz weiterhin besteht.“ 

Der US-Politologe findet die Befürchtungen der Europäer, dass die Vereinigten Staaten ihre Zuversicht in die NATO verloren hätten, und dass das Bündnis nicht mehr für ihre Sicherheit garantieren könnte, begründet. George Friedman meint, dass die USA ihre Führungsrolle in der heutigen Form der Allianz nicht behalten möchten, während Europa diese Rolle nicht übernehmen könnte, weil es weder Personal noch Gerät oder die entsprechende Motivation habe. Der Grund dafür bestehe darin, dass sich Europa zur „soft power“ der NATO entwickelt habe und sich an US-Militäroperationen nur symbolisch beteilige. Das Atlantische Bündnis habe folglich immer weniger Einfluss auf Washingtons Entscheidungen. Die globale Lage sieht sowohl für die NATO als auch für die USA nach seiner Einschätzung pessimistisch aus.

„Die Stützen der Allianz sind aufgelöst. Die USA haben schon längst die Lust verloren, im strengen Rahmen der NATO zu agieren. Auf dem Sommergipfel in Polen werden zwar alle darüber sprechen, dass man etwas unternehmen sollte. Man wir aber nichts tun“, resümiert der Experte.