John Kerry: „Ohne Russlands konstruktive Rolle, kein Atomdeal und kein Waffenstillstand in Syrien"

John Kerry: „Ohne Russlands konstruktive Rolle, kein Atomdeal und kein Waffenstillstand in Syrien"
Während aus dem US-Verteidigungsministerium und dem Weißen Haus nachwievor eher aggressive Töne gen Moskau zu vernehmen sind, hat ein Interview des US-Außenministers John Kerry für Aufsehen gesorgt, in dem er die geopolitische Rolle Russlands in hohen Tönen lobte. Es ist nicht das erste Mal, dass aus dem State Department Zeichen der Annäherung gesandt werden, während das Pentagon an seinem konfrontativen Kurs festhält.

In der Sendung „Charlie Rose“ des Fernsehkanals „PBS“ erklärte John Kerry, dass man ohne Russlands "konstruktive Rolle" weder den Atomdeal mit Teheran, noch die Waffenruhe in Syrien erreicht hätte. Der US-Chefdiplomat will sich dabei "enorm viel Zeit" für die Verhandlungen mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow und dem Präsidenten der Russischen Föderation Wladimir Putin genommen haben. Auf die Frage nach seiner Einschätzung von Putin, sagte Kerry:

„Ich glaube Putin ist intelligent und ein Stratege und Taktiker. Wobei er manchmal mehr Taktiker denn Stratege ist. Dennoch besitzt er zweifelsohne über eine strategische Denkweise. Ich glaube, er will, dass man seine Sichtweise anerkennt, und dass man seinen Interessen auf Augenhöhe begegnet."

Laut dem US-Außenminister drehten sich die wichtigsten Meinungsverschiedenheiten zwischen den USA und Russland um die Ukraine und einige andere Fragen:

„Zu mir meinte Präsident Putin, dass die USA den Prozess in Libyen missbraucht haben. Er trägt uns alles nach. Sie kennen ja selber diese Geschichte. Es gibt da eine sehr lange Liste. Was wir brauchen ist, ein Mittel zu finden, damit Präsident Putin die Chance hat, die Forderungen des UN-Sicherheitsrates und alle Verpflichtungen im Rahmen der Minsker Abkommen zu erfüllen.“ 

In Bezug auf Syrien erklärte John Kerry, dass alle daran gezweifelt hätten, dass die Russische Föderation bei der Einstellung der kriegerischen Auseinandersetzungen überhaupt eine konstruktive Rolle hätte spielen können. Trotz allem hätten die USA und Russland den Waffenstillstand in Syrien durchgesetzt.

Dem US-Chefdiplomaten zufolge sei dies geschehen, weil Moskau eine positive Rolle gespielt habe. „Hätten sie das nicht getan, hätten sie ihre konstruktive Rolle nicht gespielt, hätten wir kein Abkommen mit dem Iran“, betonte John Kerry und bemerkte, dass es ohne das konstruktive Zutun Russlands auch nicht gelungen wäre, die Chemiewaffen aus Syrien zu entsorgen. "Im schlimmsten Fall wären sie in die Hände des 'Islamischen Staates' geraten, so Kerry und führte weiter aus:

„Wenn sie die konstruktive Rolle nicht gespielt hätten, wären die kriegerischen Auseinandersetzungen nicht eingestellt worden. Und all diese Menschen säßen heute nicht am Verhandlungstisch in Genf.“

Es stehe allerdings ein sehr schwieriger Weg bevor, warnte der US-Außenminister abschließend im Interview:

„Das alles kann leicht scheitern, weil die Opposition urteilen könnte, dass die Übergangsperiode nicht ernst gemeint sei. Und dann wird sie zum bewaffneten Widerstand zurückkehren.“