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Rassismus im Krankenhaus: Indigene Kanadierin stirbt in Klinik nach Erniedrigungen durch Personal

Rassismus im Krankenhaus: Indigene Kanadierin stirbt in Klinik nach Erniedrigungen durch Personal
Ein Protestmarsch in Montreal am 3. Oktober 2020
Eine indigene Kanadierin verbrachte ihre letzten Tage in einem Krankenhaus der Provinz Québec. Ein kurz vor ihrem Tod gestreamtes Video zeigt, wie das Personal sie wüst beschimpft und erniedrigt. Zahlreiche Menschen demonstrierten nach dem Vorfall in Montreal.

Die mutmaßlich beleidigende Behandlung einer Ureinwohnerin in einem Krankenhaus der kanadischen Provinz Québec hat dort die Debatte über systemischen Rassismus befeuert. Joyce Echaquan von der Stammesgruppe der Atikamekw fühlte sich Ende September unwohl und wurde mit Magenschmerzen in eine Klinik in der kanadischen Stadt Joliette eingeliefert. Vergangenen Montag ging die 37-Jährige live auf Facebook und streamte äußerst beunruhigende Bilder, auf denen sie schrie und vor Schmerzen stöhnte. In dem Video war zu hören, wie sie um Hilfe bittet, das Krankenhauspersonal sie aber auf Französisch als "verdammt dumm" bezeichnet und ihr vorwirft, "schlechte Entscheidungen" getroffen zu haben. Es wird berichtet, dass sie auch gefragt wurde, was ihre Kinder denken würden, wenn sie ihre Mutter "in so einem Zustand" sehen würden. Die siebenfache Mutter starb Berichten zufolge kurz nach dem Live-Stream. Die Todesursache steht noch nicht fest. Echaquan soll angeblich Herzprobleme gehabt haben. In ihren vorherigen Videos erzählte sie ihren Followern, dass das Personal ihr zu viel Morphium verabreicht habe.

Der Tod der Frau löste eine Welle der Empörung aus, insbesondere unter lokalen indigenen Gemeinschaften. Tausende von Demonstranten versammelten sich am Samstag in Montreal. Sie marschierten durch die Stadt und sangen "Justice for Joyce" (Gerechtigkeit für Joyce) und "No Justice, No Peace" (Keine Gerechtigkeit, kein Frieden). Die Teilnehmer der Demonstration beklagten das Stigma gegen Kanadas indigene Bevölkerung. Der Ehemann der Verstorbenen, Carol Dube, sagte, ein geliebter Mensch sei gestorben, weil Rassismus und Diskriminierung indigener Völker in Quebec weit verbreitet seien – auch im Gesundheitssystem.

Kanadas Ureinwohner würden "immer anders behandelt – ganz egal, ob es sich im öffentlichen Dienst, im Geschäft oder woanders abspielt", sagte Reginald Echaquan zu RT wenige Tage nach dem Tod seiner Cousine. "Das Problem ist, dass wir in all diesen Bereichen systemischen Rassismus haben." Der Fall von Joyce sei leider kein Einzelfall. Er fügte hinzu: "Wir wollen anders behandelt werden." Es sei hart, für die Rechte der indigenen Gemeinschaft in Kanada zu kämpfen. Er beschuldigte die Regierung von Québec, das Problem des systemischen Rassismus übersehen zu haben. "Es sollte eine politische Bereitschaft bestehen, die Mentalität der Menschen zu ändern", forderte er und erklärte:

Niemand verteidigt uns. Und wenn wir versuchen, uns zu verteidigen, werden wir oft für Terroristen oder Kriminelle gehalten. Wenn eine Gemeinde so klein ist, ist es sehr schwierig, zu protestieren.

Die Behörden von Québec leiteten in dem Fall Ermittlungen ein. Eine Krankenschwester und ein Pfleger wurden inzwischen entlassen. Premierminister Justin Trudeau nannte den Vorfall die schlimmste Form von Rassismus und ein weiteres Beispiel für systemische Rassendiskriminierung. Québecs Premier Legault bezeichnete die Bemerkungen des Personals als inakzeptabel und rassistisch. Er bestritt auf einer Pressekonferenz jedoch, dass dieser Fall ein Hinweis auf systemischen Rassismus in Québec sei. Später räumte er ein, dass Rassismus "überall dort bekämpft werden sollte, wo er auftaucht".

Dem Familienanwalt zufolge werde eine Klage gegen das Krankenhaus vorbereitet und Strafanzeigen gegen jene Personen, die am Tod der Frau beteiligt waren.

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