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Hochrangige US-Militärs hegen Zweifel an russischer Kopfgeld-Geschichte in Afghanistan

Hochrangige US-Militärs hegen Zweifel an russischer Kopfgeld-Geschichte in Afghanistan
CENTCOM-Kommandeur glaubt nicht daran, dass US-Soldaten aufgrund eines angeblichen russischen Kopfgeldprogramms in Afghanistan ums Leben kamen (Bild vom 24. Mai).
Die Hysterie um Berichte über ein angebliches russisches Killerprogramm hat sich etwas gelegt, beschäftigt aber nach wie vor die Politik in Washington. Gleichzeitig mehren sich die Stimmen von Top-Militärs, die sich skeptisch gegenüber den Vorwürfen zeigen.

Russland soll in Afghanistan Kriminellen Kopfgeld geboten und auch angeblich gezahlt haben, um Soldaten der USA und Großbritanniens zu töten, berichtete die New York Times und löste damit eine Welle der Hysterie aus. US-Präsident Donald Trump wurde anschließend vorgeworfen, Geheimdienstberichte nicht zu lesen und sie nicht ernst zu nehmen. So soll er das Leben von US-Soldaten aufs Spiel gesetzt haben.  

Archivbild: Mitglieder einer sowjetischen Sondereinheit in Afghanistan nach der Vernichtung einer Versorgungskarawane der Mudschaheddin mit erbeuteter Stinger-Luftabwehrrakete made in USA, 05.05.1988

Wie hoch und ob überhaupt eine Gefahr für die Soldaten bestand, versucht auch der Kongress herauszufinden. Vor dem Streitkräfteausschuss des Senats stellte sich nun heraus, dass Verteidigungsminister Mark Esper und Generalstabschef Mark Milley bereits Ende Januar über diesen Bericht informiert wurden. Auch General Kenneth McKenzie, der für Afghanistan und den gesamten Mittleren Osten verantwortliche CENTCOM-Oberbefehlshaber, wurde darüber informiert. Und niemand hielt den Bericht für "glaubwürdig", sagte Esper vor dem Ausschuss aus.

Das Pentagon gehe der Sache aber auf den Grund und versucht herauszufinden, ob die Vorwürfe berechtigt sind. In der Zwischenzeit ließ sich feststellen, dass der Bericht nicht von einem der dem Verteidigungsministerium unterstehenden Geheimdienste verfasst wurde, sondern von einem weiteren. General McKenzie blieb bei der Aussage, dass er keine "kausale Verbindung" zwischen diesem Bericht und den verwundeten oder getöteten US-Soldaten in Afghanistan sehe. Auf die Frage, ob er daran glaube, dass angebliches russisches Kopfgeld zum Tod von US-Soldaten geführt habe, antwortete er:

Nein, ich bin nicht davon überzeugt. Ich bin es einfach nicht.

General Milley meinte aber, dass die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen seien und man weiterhin auf das Ergebnis warte. Sollte sich dann jedoch herausstellen, dass die Berichte doch wahr sind, "werden wir handeln", sagte der Generalstabschef.

Einer, der aufgrund falscher und politisch motivierter Interpretation von Geheimdienstberichten einen Krieg mitzuverantworten hatte, ist der ehemalige Außenminister und hochdekorierte General a. D. Colin Powell. In einem Interview mit dem Fernsehsender MSNBC am Donnerstag vergangener Woche beschuldigte er die Medien dafür, dass sie diesen fragwürdigen Geheimdienstbericht so gehypt und für bare Münze genommen haben. Die "fast hysterische" Berichterstattung in den Tagen nach der Erstveröffentlichung sei "außer Kontrolle geraten", sagte er.

Powell zeigte sich wenig beeindruckt über den vermeintlichen Beweis eines angeblichen russischen Programms, da die Armeeführung in Afghanistan selbst diesem Geheimdienstbericht offenbar nicht viel Glauben schenkte:

Ich weiß, dass unsere Militärkommandeure am Boden (in Afghanistan) nicht davon ausgingen, dass es ein schwerwiegendes Problem ist, (so) wie es die Zeitungen und das Fernsehen berichtet haben.

Er glaube auch nicht daran, dass die russische Regierung das Risiko eingehen würde, einen Krieg gegen die USA zu provozieren. Ganz abgesehen davon, dass Powell die US-Streitkräfte nicht in der Verfassung hält, in einen Krieg gegen Russland zu ziehen, sagte er weiter:

Ich kenne Herrn Putin ziemlich gut. Er versucht nur herauszufinden, wie er bis 2036 an der Macht bleiben kann. Das Letzte, wonach er sucht, ist ein Krieg, und das Letzte, wonach er strebt, ist ein Krieg mit den Vereinigten Staaten von Amerika.

Mehr zum Thema - Anonyme Quellen statt Belege: New York Times bastelt weiter an Kopfgeld-Geschichte   

 

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