icon bookmark-bicon bookmarkicon cameraicon checkicon chevron downicon chevron lefticon chevron righticon chevron upicon closeicon v-compressicon downloadicon editicon v-expandicon fbicon fileicon filtericon flag ruicon full chevron downicon full chevron lefticon full chevron righticon full chevron upicon gpicon insicon mailicon moveicon-musicicon mutedicon nomutedicon okicon v-pauseicon v-playicon searchicon shareicon sign inicon sign upicon stepbackicon stepforicon swipe downicon tagicon tagsicon tgicon trashicon twicon vkicon yt

Mit Algorithmen gegen Gewerkschaftler: Die schöne neue Amazon-Arbeitswelt

Mit Algorithmen gegen Gewerkschaftler: Die schöne neue Amazon-Arbeitswelt
Eine "Whole Foods"-Filiale in Santa Monica, Kalifornien, USA, am 19. März 2018.
Die US-Biokette Whole Foods ist ein Tochterunternehmen des Internetgiganten Amazon. Hinter der Fassade eines umweltfreundlichen und progressiven Arbeitgebers verfolgt der Einzelhändler jedoch eine gewerkschaftsfeindliche Strategie, die sich modernster Mittel bedient.

Mithilfe eines ausgeklügelten Punktesystems und ausgefeilten Algorithmen bewertet die weltgrößte Biosupermarktkette Whole Foods die Gefahr einer gewerkschaftlichen Organisation in einzelnen seiner Filialen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Recherche des US-Nachrichtenportals Business Insider.

Business Insider soll Einsicht in interne Dokumente des Unternehmens haben, die belegen, dass Whole Foods spezifische Informationen zu einzelnen Filialen sammelt, um daraus eine sogenannte "Heatmap" herzustellen. Mithilfe dieser digitalen "Heatmap", eine Art Landkarte der USA, kalkuliert das Unternehmen offenbar das "Risiko" einer gewerkschaftlichen Organisation in seinen jeweiligen Filialen.

Bei den dafür gesammelten Informationen soll es sich um mehr als zwei Dutzend Metriken handeln, darunter Loyalität der Mitarbeiter, Umsatz, ethnische Vielfalt, Anrufe bei der Personalabteilung, Nähe zu einem Gewerkschaftsbüro und von der lokalen Arbeitsschutzbehörde registrierte Verstöße in den Filialen.

Zudem soll die "Heatmap" auch lokale wirtschaftliche und demographische Faktoren wie die Arbeitslosenquote am Standort eines Geschäfts und den Prozentsatz der Familien in dem Gebiet, die unterhalb der Armutsgrenze leben, berücksichtigen. Whole Foods hat in den USA über 95.000 Mitarbeiter und rund 510 Filialen.

Ein Erklärungstext auf der "Heatmap" soll ihre Verwendung als "Überwachungsinstrument" bestätigen, wie Business Insider schreibt:

Die [Teammitglied] Relations Heatmap ist dazu bestimmt, Geschäfte zu identifizieren, in denen die Gefahr einer gewerkschaftlichen Organisierung besteht", heißt es in der Erklärung. Diese frühe Identifizierung ermöglicht es, Ressourcen an die Standorte mit dem größten Bedarf zu leiten, mit dem Ziel, das Risiko zu mindern, indem Herausforderungen frühzeitig angegangen werden, bevor sie problematisch werden.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil während einer Pressekonferenz in Berlin am 31. März 2020.

Auf eine Anfrage des Nachrichtenportals soll Whole Foods keine Auskünfte darüber gegeben haben, was mit "Ressourcen" in diesem Zusammenhang gemeint ist. Business Insider zitiert jedoch aus einer Erklärung von Whole Foods, in der es heißt, dass die "überwältigende Mehrheit" der Mitarbeiter des Unternehmens eine "direkte Beziehung" zum Unternehmen einer gewerkschaftlichen Vertretung vorziehen würden.

Die Art und Weise, wie Whole Foods versucht, gewerkschaftlicher Organisation zuvorzukommen, ist nichts Ungewöhnliches in den USA. So erwähnt Business Insider in seinem Beitrag das Beispiel Walmart – der US-Einzelhandelsriese beauftragte aus Angst vor Streiks einen privaten Geheimdienst des US-amerikanischen Technologie- und Rüstungsunternehmens Lockheed Martin, um Informationen zu sammeln und die "Gefahr" richtig einschätzen zu können.

Zwar schützten die US-Gesetze das Recht der Beschäftigten auf gewerkschaftliche Organisierung. Gleichzeitig ist es aber auch nicht verboten, dass Unternehmen die gewerkschaftliche Organisierung von Arbeitnehmern überwachen und sogar dagegen vorgehen – solange die Gegenmaßnahmen nicht in Bedrohungen, Zwang, Einschränkungen und Behinderungen ausarten.

Laut Business Insider, das sich auf Zahlen des US-amerikanischen Economic Policy Institute stützt, gaben US-Unternehmen zwischen 2014 und 2017 mindestens 100 Millionen US-Dollar für sogenannte "Beratungsdienste" aus, deren Zweck die Verhinderung von gewerkschaftlicher Organisation war.

Mehr zum ThemaUSA: Amazon-Arbeiter streiken für mehr Schutz gegen Coronavirus (Video)

Folge uns aufRT
RT
Kriegstrauma loslassen lernen

Diese Webseite verwendet Cookies. Klicken Sie hier, um mehr zu erfahren

Cookies zulassen