Merkel nach Trump-Eklat bei G7: Lassen uns nicht über Tisch ziehen

Merkel nach Trump-Eklat bei G7: Lassen uns nicht über Tisch ziehen
Schlechte Stimmung während des G7-Gipfels: Die Bundeskanzlerin redet auf den US-Präsidenten ein.
Nachdem US-Präsident Donald Trump in einem Tweet mitteilte, dass die USA die gemeinsame Abschlusserklärung der G7 nicht mittragen werden, ist die Empörung unter den europäischen Partnern groß. Am Sonntagabend äußerte sich auch die Bundeskanzlerin zu dem Vorfall.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat US-Präsident Donald Trump nach dem G7-Eklat mit einer entschiedenen Reaktion auf dessen Alleingänge gedroht. "Wir lassen uns nicht ein ums andere Mal da irgendwie über den Tisch ziehen. Sondern wir handeln dann auch", sagte Merkel am Sonntagabend in der ARD-Talksendung Anne Will mit Blick auf die von Trump verhängten Strafzölle auf Aluminium- und Stahlimporte. Für den Fall, dass Trump wie geplant weitere Strafzölle auf deutsche Autos verhängen sollte, kündigte die Kanzlerin scharfe und wenn möglich europäische Gegenmaßnahmen an.

US-Präsident Donald Trump (l.) traf den kanadischen Premierminister Justin Trudeau während des G7-Gipfels in Quebec. Trudeaus Äußerungen bei einer späteren Pressekonferenz sorgten für Trumps Verärgerung und zum Rückzug aus der Abschlusserklärung des Gipfels.

Trump sorgte am Sonntag mit seinem Ausstieg aus der zunächst gemeinsam beschlossenen Abschlusserklärung des G7-Gipfels für einen beispiellosen Eklat. "Die Rücknahme per Tweet ist natürlich ernüchternd und auch ein Stück deprimierend", sagte Merkel. Die Bundesregierung halte aber an dem Papier fest, es sei rechtskräftig.

Die Entscheidung Trumps habe sie in der Haltung bestärkt, sich noch mehr für eine einheitliche, starke Europäische Union einzusetzen, sagte Merkel. Auf die USA dürften sich Deutschland und Europa nicht mehr "etwas leichtfertig" verlassen. Ein Ende der Partnerschaft mit den USA sah die Kanzlerin trotz der protektionistischen Politik des US-Präsidenten nicht. Es gebe gute Gründe, weiter für die transatlantische Partnerschaft zu kämpfen.

Der Koordinator der Bundesregierung für die transatlantische Zusammenarbeit, Peter Beyer, bezeichnete den US-Ausstieg aus der G7-Abschlusserklärung als "diplomatisches Desaster". In der Rheinischen Post schloss der CDU-Politiker aber eine neuerliche Kehrtwende des amerikanischen Präsidenten nicht aus. "Es ist inzwischen nicht mehr überraschend, dass Trump sprunghaft und unzuverlässig ist. Es kann sehr gut sein, dass er auch seine nachträgliche Abkehr vom Abschlussdokument wieder revidiert." Die anderen sechs Industriestaaten müssten nun umso mehr zusammenhalten.

Indes zeigt sich der US-Botschafter in Deutschland zuversichtlich, dass der Handelskonflikt zwischen den USA und Europa beigelegt werden kann. "Alle wissen, wie viel auf dem Spiel steht", sagte Richard Grenell den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Beide Seiten seien daran interessiert, weitere Konflikte zu vermeiden, aber es dauere seine Zeit. Grenell sagte weiter: "Ich glaube, wir werden noch weitere Manöver beider Seiten sehen, aber ich bin zuversichtlich, dass wir den Streit beilegen."

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(dpa/rt deutsch)

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