Polnischer Historiker: Nazi Überfall in Polen war "nicht so schlecht" für Juden

Polnischer Historiker: Nazi Überfall in Polen war "nicht so schlecht" für Juden
Polnischer Historiker: Nazi Überfall in Polen war "nicht so schlecht" für Juden
Der polnische Historiker Tomasz Panfil wurde kürzlich für sein Schaffen am Institut für Erziehung mit einem Staatspreis ausgezeichnet. Allerdings hatte er Anfang des Monats mit einem Artikel für heftige Kritik gesorgt. Darin hatte er behauptet, die Lage der Juden sei unter den Nazis nicht so schlimm gewesen. Ob Polens Ministerin für Bildung, Anna Zalewska, die ihm die Regierungsauszeichnung für seine hervorragenden Leistungen vergeben hatte, darüber informiert war, ist nicht bekannt.

Tomasz Panfil schrieb in dem Artikel für die Zeitung Gazeta Polska: "Nach der deutschen Aggression gegen Polen sah die Situation der Juden nicht sehr schlecht aus. Auch wenn die Besatzungsbehörden die Macht übernommen haben, den Juden das Tragen des gelben Sterns befahlen, die Juden mit schweren Steuern belegten und Zonen ausschließlich für die Juden bestimmten, erlaubten sie ihnen gleichzeitig die Schaffung des Judenrats, also Organe einer Selbstverwaltung." Der Artikel grenzt beinahe an die Leugnung des Holocausts: Obwohl die NSDAP eine Politik der legalen Diskrimination betrieben hätte, hätte Hitler in der gleichen Zeit Emigration als eine Art der "Säuberung" Deutschlands bevorzugt.

In polnischen Medien distanzierten sich Personen des Instituts für Nationales Gedenken (Institute of National Remembrance, IPN), an dem auch Panfil mitwirkt, von dem Historiker. Panfils Position ist "in keiner Weise konsistent mit jener des Instituts bezüglich des historischen  Wissensstands über die Situation der jüdischen Bevölkerung in Polen nach dem 1. September 1939." Das IPN erwarte, dass Tomasz Panfil in seinen wissenschaftlichen und journalistischen Aktivitäten Sorgfalt zeigen solle. Ein anderer Historiker bezeichnete die Ausführungen Panfils als eine "komplette Absurdität und eine erschreckende Ignoranz." Mariusz Mazur, Geschichtsprofessor an Maria Curie-Sklodowska Universität in Lublin, sagte gegenüber Tok FM, Panfil sei für Wappen- und Münzkunde berühmt, nicht für die Geschichte des 20. Jahrhunderts. 

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