Eine der größten NGOs im Gesundheitssektor schließt ihr Büro in Afghanistan wegen Talibandrohungen

Eine der größten NGOs im Gesundheitssektor schließt ihr Büro in Afghanistan wegen Talibandrohungen
Eine der größten internationalen NGOs schließt ihr Büro in Afghanistan wegen Talibandrohungen
Das Schwedische Komitee für Afghanistan SCA schließt nach Drohungen der radikalislamischen Taliban in der Provinz Laghman ihr Büro für Gesundheitsprogramme. Nur ein Teil seiner Kliniken arbeite weiter, sagte sein Generalsekretär, Andreas Stefansson, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Betroffen seien mehrere Hunderttausend Patienten. Das SCA ist in Laghman für den gesamten Gesundheitssektor zuständig.

Es sei das erste Mal, dass die Organisation, die seit 35 Jahren in Afghanistan arbeite, das Gefühl habe, ihre gesamte Präsenz in einer Provinz sei bedroht, sagte Stefansson. Anfang Juni hätten „bewaffnete Oppositionsgruppen“ - gemeint sind Taliban - 40 der 54 SCA-Kliniken in Laghman geschlossen, um die Organisation dazu zu zwingen, sie in ihren Gebieten wieder aufzumachen. Nach wochenlangen Verhandlungen hätten 20 der Kliniken wieder eröffnen können, aber Drohungen gegen SCA-Personal hätten weiter zugenommen.

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Auslöser sei gewesen, dass die Taliban das Gefühl hatten, die Regierung enthalte ihnen medizinische Versorgung vor. Im Juni hätten sie versucht, eigene Ärzte in die von ihnen kontrollierten Gebiete zu bringen, aber der Geheimdienst habe sie abgefangen. Stefansson betonte, SCA und seine Leistungen seien neutral. Man werde nun zwei Kliniken in Taliban-Gegenden neu aufmachen und zwei aufrüsten.

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Die medizinische Versorgung im Land wird zu 90 Prozent von durch die Regierung beauftragte NGOs umgesetzt. (dpa)

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