Ukrainischer Wissenschaftler stirbt bei Grenzkontrolle – polnische Polizei verweigerte Einreise

Ukrainischer Wissenschaftler stirbt bei Grenzkontrolle – polnische Polizei verweigerte Einreise
Ukrainischer Wissenschaftler stirbt an Grenzkontrolle – polnische Polizei will ihn nicht durchlassen (Illustration)
Im Dorf Schehyni an der polnisch-ukrainischen Grenze hat am vergangenen Freitag einer der führenden ukrainischen Mathematiker einen jähen Tod gefunden. Der 70-jährige Juri Selinski, Chef der Abteilung für Funktionen- und Potentialtheorie des Instituts für Mathematik der ukrainischen Nationalen Wissenschaftsakademie, war nach Warschau unterwegs, wo er an einer internationalen Konferenz teilnehmen musste.

Selinski hatte ein Schreiben mit, in dem die Führung der wissenschaftlichen Organisation um Mitwirkung beim ungehemmten Passieren der Grenze bat. Die Zeit war knapp – die ersten Treffen im Rahmen der Konferenz waren für Samstag angesetzt, die Schlange war lang, die Luft war heiß. In der neutralen Zone der Grenzkontrollstelle wandte er sich an eine polnische Mitarbeiterin auf Polnisch, das er sehr gut kannte, zeigte ihr das Schreiben und bat sie um Beistand. Sie antwortete, dass es sie nichts angeht, erzählte ein Kollege von Selinski der ukrainischen Nachrichtenwebseite Vesti.ua. „Das Alter und das nicht sehr gesunde Herz haben ihre Rolle gespielt“, zitiert ihn die Ausgabe weiter. Auf den beiden Seiten der Grenze wurden Notärzte gerufen. Die polnische Grenzwache schlug vor, Selinski auf ihre Seite zu bringen, weil dort ein Arzt schneller kommen würde. Dies passierte jedoch nicht und der Mathematiker starb nicht auf dem Territorium Polens. Am Sonntag wurde er in der Ukraine beerdigt.

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EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani und der Premierminister Maltas als des Vorsitzstaates des Rats, Joseph Muscat, haben das Dokument über die Aufhebung der Visumspflicht für ukrainische Bürger am 17. Mai unterzeichnet. Diese seht vor, dass alle Ukrainer, die biometrische Reisepässe besitzen, für bis zu 90 Tage ohne Visum in die EU einreisen können. In diesem Zusammenhang ist jedoch zu beachten, dass der visafreie Reiseverkehr keine automatische Erwerbstätigkeitserlaubnis mit sich bringt. Außerdem bezieht er sich nicht auf Großbritannien und Irland.