Rotes Kreuz befürchtet rund 600.000 Cholera-Kranke im Jemen

Rotes Kreuz befürchtet rund 600.000 Cholera-Kranke im Jemen
Rotes Kreuz befürchtet rund 600.000 Cholera-Kranke im Jemen
Im Bürgerkriegsland Jemen droht sich die Cholera-Epidemie deutlich ausweiten. Bis Jahresende seien rund 600.000 Cholera-Kranke zu befürchten, gab der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Peter Maurer, am Sonntag bekannt. Er wollte sich bei einem mehrtägigen Aufenthalt im Jemen selbst ein Bild von der Lage machen.

"Die große Tragödie ist, dass es sich um eine vermeidbare, von Menschen gemachte humanitäre Katastrophe handelt", der IKRK-Präsident. Durch den Krieg seien die zivile Infrastruktur und das Gesundheitssystem in weiten Teilen zerstört worden. Auch Krankheiten wie Dengue-Fieber und Malaria könnten deshalb meist nicht mehr behandelt werden. Die Kriegsparteien müssten den Import von Medizin und Nahrungsmitteln erleichtern.

Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge sind in den vergangenen drei Monaten im Jemen rund 362.000 Menschen an Cholera erkrankt. Mehr als 1.800 sind gestorben. Cholera wird von Bakterien verursacht, ruft starken Durchfall und Erbrechen hervor und ist besonders für Kinder, Alte und Kranke lebensbedrohlich. Die Ausbreitung der Seuche ist vor allem auf den bewaffneten Konflikt zwischen der jemenitischen Führung und den Huthi-Rebellen zurückzuführen, der seit August 2014 andauert. Die Aufständischen und Teile des Militärs unterstützen den ehemaligen Staatschef, Ali Abdullah Salih, während die Armee und andere Milizen für den aktuellen Staatschef, Abed Rabbo Mansur Hadi, kämpfen. Seit dem Jahr 2015 fliegt Saudi-Arabien Luftangriffe gegen die Huthi-Rebellen, die den Norden des Jemen und die Hauptstadt Sanaa kontrollieren. Laut UN-Angaben sollen dem bewaffneten Konflikt bereits mehrere Tausend Zivilisten zum Opfer gefallen sein. (dpa/RIA Nowosti)

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