Brasiliens Staatschef bleibt G20-Gipfel in Hamburg fern

Brasiliens Staatschef bleibt G20-Gipfel in Hamburg fern
Brasiliens Staatschef bleibt G20-Gipfel in Hamburg fern
Der brasilianische Präsident Michel Temer hat seine Reise zum G20-Gipfel nach Hamburg abgesagt. Der Präsident wolle aus innenpolitischen Gründen lieber in Brasilien bleiben und nicht am Treffen der Staats- und Regierungschefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer teilnehmen, hieß es in der Präsidialverwaltung.

Als erstes Staatsoberhaupt in der Geschichte Brasiliens ist Michel Temer während seiner Amtszeit wegen Korruptionsverdachts angeklagt worden. Generalstaatsanwalt Rodrigo Janot reichte Anfang dieser Woche die Klage beim Obersten Gerichtshof in Brasilia ein. Ob es zum Verfahren kommt, hängt vom Parlament ab. Dazu müssten zwei Drittel der Abgeordneten für die Aufhebung der Immunität stimmen. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt den Präsidenten, Schmiergeldzahlungen akzeptiert und im Gegenzug zugunsten des größten Fleischkonzerns der Welt, JBS, Einfluss auf die Wettbewerbsbehörde genommen zu haben. Als Beweis werden Fotos angeführt, auf denen zu sehen sein soll, wie ein Vertrauter Michel Temers von einem JBS-Direktor einen Geldkoffer entgegennimmt.

Der Politiker hatte im Jahr 2016 nach der Amtsenthebung der linken Präsidentin Dilma Rousseff die Macht übernommen. Damals hatte er auf eine rasche Absetzung gedrungen, um als Präsident am G20-Gipfel in China teilnehmen zu können. Heute beläuft sich die Zustimmung zu seiner Amtsführung lediglich auf sieben Prozent. (dpa)

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