Kosovo droht Radikalisierung durch vorgezogene Parlamentswahl

Kosovo droht Radikalisierung durch vorgezogene Parlamentswahl
Kosovo droht Radikalisierung durch vorgezogene Parlamentswahl
Ein Jahr vor dem regulären Termin wählt das Kosovo als jüngster Staat Europas am Sonntag ein neues Parlament. Nach allen Umfragen dürften radikale und nationalistische Parteien bei den 1,8 Millionen Wahlberechtigten die besten Chancen haben.

Als aussichtsreichster Kandidat für das Amt des Regierungschefs gilt der Vorsitzende der oppositionellen Allianz für die Zukunft (AAK), Ramush Haradinaj.

Der einstige Rebellenkommandant hat sich mit dem früheren Geheimdienstchef Kadri Veseli und einem dritten ehemaligen Anführer der Albaner im Bürgerkrieg Ende der 90er Jahre zu einer Koalition zusammengeschlossen. Sie wird in den heimischen Medien als "Kriegsflügel" bezeichnet.

Mehr lesen - Sigmar Gabriel: EU hält die Tür für Balkanstaaten offen

Haradinaj war bis Ende April monatelang in Frankreich festgehalten worden. Denn Serbien, von dem das fast nur noch von Albanern bewohnte Kosovo im Jahr 2008 abgefallen war, hatte dessen Auslieferung wegen Kriegsverbrechen verlangt. Ein Gericht in Colmar verfügte schließlich seine Freilassung.

Sollten die extremen Parteien wirklich den Wahlsieg erringen, könnte das Konflikte in der gesamten Region hervorrufen. Vor allem die jahrelangen Vermittlungsbemühungen der EU zwischen den nach wie vor verfeindeten Nachbarn Serbien und Kosovo wären dann gefährdet. Die Nationalisten hatten wiederholt angekündigt, schon erreichte Kompromisse wieder zurücknehmen und in Verhandlungen mit Serbien härter auftreten zu wollen. (dpa)