NSU-Prozess: Persönlichkeitsstörung bei Zschäpe bekräftigt, Schuldunfähigkeit möglich

NSU-Prozess: Persönlichkeitsstörung bei Zschäpe bekräftigt, Schuldunfähigkeit möglich
NSU-Prozess : Persönlichkeitsstörung bei Zschäpe bekräftigt
Der deutsche Psychiater Joachim Bauer hat seinen Befund einer "abhängigen Persönlichkeitsstörung" bei der mutmaßlichen Rechtsterroristin Beate Zschäpe auf Nachfragen des Oberlandesgerichts Münchens bekräftigt. Die Hauptangeklagte im NSU-Prozess leide nach seiner Einschätzung an einer dependenten (abhängigen) Persönlichkeitsstörung. Damit seien die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Schuldunfähigkeit erfüllt.

Nach Erstellung seines Gutachtens habe Bauer Zschäpe wegen widersprüchlich erscheinender Verhaltensweisen ein weiteres Mal in der Untersuchungshaft besucht. So habe Zschäpe nach ihrer eigenen Aussage einerseits Angst vor Uwe Böhnhardt gehabt. Andererseits will sie aber lautstark protestiert haben, wenn Böhnhardt und Uwe Mundlos ihr wieder einen ihrer Morde beichteten. Bauer sagte, Zschäpe habe ihm das als spontane Reaktion geschildert. "Das sei wie ein Reflexschreien gewesen."

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Zschäpes Anwalt Mathias Grasel hatte im März die Anhörung des Freiburger Psychiaters Joachim Bauer beantragt. Der Psychiater habe die Hauptangeklagte im NSU-Prozess sechs Mal während der Untersuchungshaft in München-Stadelheim besucht und insgesamt zwölf Stunden mit ihr gesprochen. Dabei habe ihm Zschäpe auch Details aus ihrem Leben offenbart, über die sie bisher geschwiegen habe, sagte Grasel. Dazu gehören das Verhältnis zu ihrer Mutter und eine "fortgesetzte körperliche Misshandlung" durch Uwe Böhnhardt.

Zschäpe muss sich unter anderem wegen Mittäterschaft an zehn Morden, zwei Bombenanschlägen und 15 Raubüberfällen vor Gericht verantworten. Auf Anraten ihrer ersten drei Pflichtverteidiger Heer, Stahl und Sturm hatte Zschäpe jahrelang zu den Tatvorwürfen geschwiegen. (dpa / rt deutsch)