Bundesentwicklungsminister: 2017 bis zu 400.000 Flüchtlinge aus Afrika in Italien erwartet

Bundesentwicklungsminister: 2017 bis zu 400.000 Flüchtlinge aus Afrika in Italien erwartet
Bundesentwicklungsminister: 2017 bis zu 400.000 Flüchtlinge aus Afrika erwartet
Der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Gerd Müller, hat nach den ersten drei Monaten des laufenden Jahres in Bezug auf die Flüchtlingskrise Bilanz gezogen. Er zeichnete eine Verdopplung der Bootsflüchtlinge aus Afrika auf. „Wenn wir das hochrechnen, könnten in diesem Jahr 300.000 bis 400.000 Menschen in Italien ankommen“, teilte Müller gegenüber der Rheinischen Post mit. Dies sei die Folge der Schließung der Balkanroute im März 2016.

Afrika stellt einen Schwerpunkt der deutschen G20-Präsidentschaft dar. Kanzlerin Angela Merkel und Entwicklungsminister Gerd Müller hatten 2017 zum Afrikajahr erklärt, und die EU befasste sich Anfang Februar auf einem Sondergipfel in Malta mit dem Kontinent. Dort beschlossen die Teilnehmer, wie es hieß, "operative Maßnahmen mit Einbindung Libyens sowie relevanter internationaler Partner". Deren Zweck sei es, Fluchtbewegungen über die zentrale Mittelmeerroute zu reduzieren.

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras (l.), der französische Präsident Francois Hollande (m.) und Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem EU-Gipfel in Malta.

Im vergangenen Jahr waren 181.000 Menschen über das Mittelmeer nach Italien gekommen. Offiziell ertranken 5000 Menschen bei dem Versuch, das Meer in Richtung Europa zu überqueren. Die Dunkelziffer liegt wesentlich höher. Nach Angaben von EU-Vertretern warten derzeit 300.000 bis 350.000 Flüchtlinge in Libyen auf die Überfahrt nach Europa. In der Malta-Erklärung heißt es, dass die Umsetzung des europäischen Zehn-Punkte-Plans für Libyen im März und Juni kontrolliert werden soll.