Künstlerin von der Krim gedenkt Opfer der Leningrader Blockade mit Schneezeichnungenfilm [VIDEO]

Künstlerin von der Krim gedenkt Opfer der Leningrader Blockade mit Schneezeichnungenfilm [VIDEO]
Künstlerin aus der Krim gedenkt Opfer der Leningrader Blockade mit Schneezeichnungenfilm [VIDEO]
Die Künstlerin Ksenija Simonowa, die auf der Halbinsel Krim lebt, hat die Chroniken des 2. Weltkrieges und Tagebücher von Einwohnern der 1941-1944 belagerten Stadt in einem Film dargestellt. Ursprünglich wollte sie beim Zeichnen Sand verwenden, aber nach langen Experimenten beschloss sie, Schnee für ihre Grafik zu nutzen. Durch dieses Material wollte sie an die schwersten Tage des verhungerten Leningrads am Jahrestag seiner Befreiung erinnern.

Bereits zweieinhalb Monaten nach dem Überfall auf die Sowjetunion standen die deutschen Truppen vor den südlichen Toren der zweitgrößten Stadt des Landes, der "Wiege der Revolution" und ehemals langjährigen Hauptstadt des Russischen Zarenreiches. Vom Norden her rückten auch finnische Verbündete der faschistischen Wehrmacht an, die im Rahmen des "Fortsetzungskrieges" Territorialverluste aus dem finnisch-sowjetischen Winterkrieg 1939/40 wettmachen wollten. Mit der Ostsee im Osten und dem Ladogasee im Westen war die Stadt damit auch auf Grund ihrer natürlichen Grenzen umzingelt. Mit dem Abwurf von 6.327 Brand- und 48 Sprengbomben am 8. September 1941 begann die wahrscheinlich grausamste Stadtbelagerung der Menschheitsgeschichte, die Blockade von Leningrad.

Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel, General Walter von Brauchitsch, General Franz Halder (von links nach rechts) beim Generalstabstreffen 1940, als Adolf Hitler die Direktive Nummer 21 zum Angriff gegen die Sowjetunion, Code-Name Barbarossa, unterzeichnete.

Durch das Bombardement wurden die Lagerhaus-Komplexe im Süden der Stadt vernichtet. Diese Maßnahme deutete bereits das später offenbar werdende Vorhaben der deutschen Führung an, die Stadt gar nicht militärisch einnehmen, sondern systematisch aushungern zu wollen. Erst langsam begriffen die Einwohner und Verteidiger der Stadt, welchem ungeheuerlichen Plan sie zum Opfer fallen sollten. Zu diesem Moment waren ca. 2.500.500 Zivilisten und 400.000 Soldaten in der Stadt und ihrem kleinen Umkreis eingeschlossen.

Bereits im November gab es die ersten Hungertoten. Und in den darauf folgenden Monaten des extrem kalten Winters 1941/1942 starben täglich zwischen 3.000 und 6.000 Menschen: Die tägliche Kartenration in den bittersten Zeiten der Blockade betrug für einen nicht erwerbstätigen Erwachsenen und für Kinder nur 125 Gramm eines Brotes, das zur Hälfte aus Spanmehl und Zellulose bestand. Um zu überleben, reichte das nicht.

Und doch hat mehr als die Hälfte der Einwohner die Blockade nicht nur überlebt, sondern war sogar imstande, die Stadt mithilfe des Militärgeräts zu verteidigen, das man unter den gegebenen Umständen noch in den Fabriken herstellen konnte. Bereits im Sommer 1942 war es den Verteidigern der Stadt durch kleinere Geländezugewinne und Verkürzungen der Versorgungswege möglich geworden, die Belieferung der Stadt mit Lebensmitteln zu verbessern.

Für die Verbliebenen ist die Blockade zu einem Symbol für den Überlebenswillen und die Unbeugsamkeit des Sowjetvolkes geworden, aber auch zum Inbegriff tausender Familientragödien. Meistens starben die Angehörigen von Familien in kurzen Abständen nacheinander, buchstäblich einer in den Armen des anderen, wie es im weltbekannten Tagebuch der 12-jährigen Tanja Sawitschewa heißt:

Mama ist am 13. Mai um 7 Uhr 30 gestorben. Die Sawitschewys sind gestorben. Alle gestorben. Nur Tanja ist geblieben.

Dieses Tagebuch, das nur sechs Einträge aufweist, die für sechs verstorbene Angehörige stehen, wurde beim Nürnberger Tribunal als eines der bedeutsamsten Beweismittel für die nazistischen Verbrechen in der Anklageschrift vorgelesen.  

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