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Das Coronavirus und der Stabilitätsmythos der Liberaldemokratie

Das Coronavirus und der Stabilitätsmythos der Liberaldemokratie
Menschenleerer Strand in Beirut/Libanon am 22. März.
Solange das Coronavirus im weit entfernten Asien wütete, waren die westlichen Medien und Politiker schnell mit Kritik und Schuldzuweisungen zur Stelle. Als sich aber Europa zum neuen Epizentrum entwickelte, offenbarten sich auf schreckliche Weise die Bruchstellen der liberalen Demokratie.

von Dr. Seyed Alireza Mousavi

Am 7. Januar 2020 wurde von chinesischer Seite die Identifizierung eines neuartigen Coronavirus bei mehreren Erkrankten in Wuhan bekannt gegeben. Das Virus erhielt die provisorische Bezeichnung 2019-nCoV und verbreitete sich rasant in der Volksrepublik. Je mehr Menschen in China infiziert wurden, desto intensiver warfen westliche Medien dem chinesischen Staat Versagen vor.

Symbolbild.

Wobei sie aus Gewohnheit versuchten, daraus einen Menschenrechtsfall zu machen, wonach der chinesische Arzt Li Wenliang aufgrund einer Serie von Lungenentzündungen im Krankenhaus in Wuhan bereits von einem gefährlichen Virus gesprochen habe, aber vom staatlichem Apparat verwarnt worden sei, darüber nicht mehr zu reden. Dies passt ins Muster eines liberaldemokratischen Narrativs, um damit das betroffene Land anzugreifen.

Es dauerte auch nicht lange, bis der Iran am 20. Februar 2020 den Nachweis des Virus bei zwei Todesfällen meldete. Die westlichen Berichterstatter haben dem iranischen Staat umgehend vorgeworfen, dass das Regime die Zahl der Infizierten zu vertuschen versuche. Für die westlichen Mächte gibt es im Grunde keinen substanziellen Unterschied zwischen den Unruhen im November oder der Corona-Epidemie im Land. Sie versuchen mit jeder Krise, die anscheinend nicht unter Kontrolle gebracht werden kann, den medialen Angriff auf den Iran anzufeuern. Dass der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sagte, dass die WHO über spezifische Mechanismen zur Überprüfung der Fakten verfüge und diesbezüglich keine Probleme bei der iranischen Corona-Statistik sehe, interessierte sie nicht. Im Gegenteil. Der Mainstream bemühte sich, aus der Corona-Epidemie im Iran eine Staatskrise zu machen.

Als das Coronavirus in Asien ausbrach, haben die westlichen Funktionäre und Politiker wie Donald Trump kaum geglaubt, dass es ihre Länder auch irgendwann in einem großen Ausmaß anstecken und sogar destabilisieren könnte. Europäer und Amerikaner haben sich seit dem Ende des Kalten Krieges daran gewöhnt, den Orient, Asien und Afrika als Landmasse des Chaos und der Krise zu betrachten. Im Fall der Corona-Epidemie warteten sie wohl darauf, wann dieses Virus auch endlich Russland in die Knie zwingt, damit alles so passiert, wie es ihnen recht ist.

Die Westler mussten sich jedoch von dieser Vorstellung verabschieden, als Italien das Tor zur Hölle mit über 2.500 Toten bis zum 18. März wurde und die Weltgesundheitsorganisation bereits Europa als das Zentrum der Corona-Pandemie bezeichnete.

Die Corona-Pandemie war zwar in Europa und den USA noch nicht richtig ausgebrochen, jedoch hat es vielerorts großen Andrang auf Lebensmittelläden gegeben. In der Bevölkerung gerieten immer mehr Menschen in Panik und tätigten Hamsterkäufe, um bei möglichen Quarantänezuständen gewappnet zu sein. Seit Wochen sorgen Hamsterkäufe deswegen immer wieder für leere Regale in Supermärkten, wobei Kunden gegeneinander um Klopapier kämpfen! Viele Ketten rationierten deswegen den Kauf von Gütern wie Dosengemüse, Toilettenpapier und Desinfektionsmittel.

Aber was den Europäern ihr Klopapier ist, sind den Amerikanern ihre Waffen! In den USA zeichnet sich neuerlich ein gefährlicher Trend ab: Die Amerikaner horten Waffen. Ein viel geteiltes Foto auf Twitter zeigt, wie etwa in Los Angeles bei einem Waffengeschäft die Schlange bereits um den ganzen Block geht. Der Grund ist die Angst vor den Folgen des Coronavirus. Viele Amerikaner rechnen im Zuge des Virus mit einem baldigen Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung.

Ob in Deutschland oder wie auf dem Foto im österreichischen Graz: Schutzmasken sind für die Normalbevölkerung nicht mehr erhältlich - außer zu horrenden Summen im Internet, denn Angebot und Nachfrage bestimmen in einer

Die Bilder und Videos aus den Supermärkten und die Reaktion der westlichen Bürger auf Engpässe in Europa und den USA/Kanada hinterlässt bei den Menschen den Eindruck, als würde alles heruntergefahren – wie in einem Zombie-Film, in dem die staatlichen Strukturen und Institution nicht mehr funktionieren. Wenn man sich vor allem diese Bilder und Videos anschaut, bemerkt man sofort, dass der Großteil der in Panik geratenen Bürger Weiße und nicht sogenannte People of color oder Migranten sind. Im Kurznachrichtendienst Twitter kursieren viele von iranischen Migranten gedrehte Videos in Europa und den USA, die zeigen, wie einheimische Europäer und Amerikaner in Supermärkten um Toilettenpapier streiten, während die Filmenden sich darüber amüsieren. Wie ist dieses Phänomen zu analysieren? Ganz einfach: Migranten aus Afrika und Vorderasien sind an solche unberechenbaren Krisen gewöhnt. Allein die Iraner leben seit Jahrzehnten unter den von westlichen Großmächten initiierten härtesten Sanktionen, wobei es ihnen bis dahin gelungen ist, den Zusammenbruch der Gesellschaft zu verhindern.

Es hat jedoch den Anschein, dass eine Pandemie die westliche Gesellschaft destabilisiert. Was der Liberaldemokratie fehlt, ist eigentlich – wie Fukuyama in seinem neuen Buch "Identität" angedeutet hat – soziale Solidarität. Die Liberaldemokratie mag zwar Wohlstand für die Bürger bringen, aber sie ist längst daran gescheitert, eine solidarische Gesellschaft aufzubauen, die ihr in außerordentlichen Situationen helfen könnte. Denn die Logik der neoliberalen Gesellschaft beruht auf materialistischem Kosten-Nutzen-Kalkül. Insofern erscheint der neue Appell Merkels an die deutsche Bevölkerung, in dem sie die Bürger auf ein gemeinsames solidarisches Handeln eingeschworen hat, wie eine leere Worthülse.

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

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