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Tischlein deck' dich auch im Kriege? – Deutsches "Notfallkochbuch" in Arbeit

Tischlein deck' dich auch im Kriege? – Deutsches "Notfallkochbuch" in Arbeit
Symbolbild: Bundeswehrsoldaten warten mit ihrem Essgeschirr auf das Essen.
Während die USA mit 17 weiteren NATO-Staaten derzeit die letzten Vorbereitungen für die gegen Russland gerichtete Kriegssimulation "Defender 2020" treffen, plant die Bundesregierung die Veröffentlichung eines "Notfallkochbuchs" für die deutsche Bevölkerung. Was für ein Zufall.

von Jürgen Cain Külbel

Auch Vaterlandsliebe geht durch den Magen.

Hunger ist der beste Koch
– der Krieg ist ein viel bessrer noch.

Trocken Brot und magerer Brei
– schafft den fettesten Sieg herbei!

Aus: Elly Petersen: So kocht man gut und billig für 3 Personen um eine Mark. Ein Kriegskochbuch, Der Gelbe Verlag Dachau, 1916

Den US-amerikanischen Kriegsrittern, die momentan an die Ostfront verlegt werden, um dort im Rahmen des Manövers "Defender Europe 2020" den nächsten Russlandfeldzug zu üben, soll es an nichts fehlen; schöner, bequemer sollen sie es im Aufmarschgebiet Deutschland haben, angenehmer als in all den anderen Ländern der Welt, die sie völkerrechtswidrig mit Kriegen übersäten, noch immer übersäen und wo sie unsägliches menschliches Leid verursachten, noch immer verursachen, wo das Blutvergießen kein Ende fand, noch immer nicht findet.

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Ihre deutschen Knappen, Spezialpioniere der Bundeswehr aus Husum, legten sich in den vergangenen Wochen richtig ins Zeug und richteten für die transatlantischen "Demokratie-und-Freiheits-Kämpfer" auf dem Gelände der Bundeswehr-Logistikschule im niedersächsischen Garlstedt, nördlich von Bremen, auf einer unschuldigen Wiese eine sogenannte "Life Support Area" ein: eine Zeltstadt, zwei Fußballfelder groß, mit mehr als 20 Großzelten, in denen jeweils 80 Soldatinnen und Soldaten Platz finden. Was für eine Geldverschwendung, was für eine First-Class-Unterkunft für US-Militärs: olivgrüne Planen über 350 Quadratmeter großen Schlafräumen, darunter fein geschliffene Holzböden, an jeder Pritsche eine Steckdose zum Aufladen des Handys und – besonders dekadent – Kunststoff-Kronleuchter an der Decke.

Bis zu 2.000 US-Kriegsritter machen in Garlstedt auf ihrem Weg an die Ostfront Station. Für ordentlich Verpflegung ist gesorgt; an einer Grillhütte können die "Gäste" sogar Burger mit Dollar bezahlen.

Was wir hier zur Verfügung stellen, übertrifft bei Weitem die Erwartungen der Amerikaner", dienerte der Kommandeur der Logistikschule, General André Denk, am 23. Januar 2020 gegenüber Journalisten.

Die neuen Möchtegern-Russland-Eroberer müssen bei Laune gehalten werden; exorbitanter Komfort, wohlige Fürsorge lassen böse Gedanken in Richtung der gescheiterten Russlandfeldzüge der Heerscharen Napoleons oder Hitlers faschistischer Wehrmacht gar nicht erst aufkommen. Wer denkt schon beim Surfen auf dem Handy, dem Verspeisen von Burger, Bratwurst und Kartoffelsalat an die im Ernstfall sichere Niederlage, den eigenen Tod, die Versehrtheit? Williger Kriegsknecht, genieße, denn "Krieg ist ein Spiel, bei dem man lächelt", wenn man denn Winston Churchill Glauben schenken will.

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Zufälle gibt's, die gibt's gar nicht: Während der deutsche Steuerzahler der Soldateska aus Übersee das Geld in den Rachen wirft, damit es in der Kolonie chillen und prassen kann, soll sich der deutsche Michel zur gleichen Zeit in Schmalhans und Gürtel enger schnallen üben. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) schreibt nämlich in seiner Quartals-Publikation (Dezemberausgabe 2019), dass es demnächst ein "Notfallkochbuch" für die Bevölkerung herausgeben will, in dem Rezepte aufgelistet sind, die im "Krisenfall" eine "nahrhafte Mahlzeit" ergeben würden. Unter "Krisenfall" definieren die BBK-Katastrophiker einen "längeren Stromausfall". Durch was auch immer; durch eisige Blizzards im Winter, durch Windpustereien à la Sabine, vielleicht aber auch durch Krieg?

NATO-Übung

Erläutert wird das Vorhaben so:

Einen alltagsnahen und vor allem praktischen Ansatz verfolgt ein neues, 2019 gestartetes gemeinsames Projekt des BBK, der Bonner Feuerwehr, des Bonner THW-Ortsverbandes Beuel und des Malteser Hilfsdienstes Bonn: Mit einem 'Notfallkochbuch' wollen die Vertreter des Bonner Bevölkerungsschutzes ein virales Marketing für die Notbevorratung starten. Das Notfallkochbuch soll über die Stadt Bonn hinaus Signalwirkung haben und zur Stärkung der Resilienz der Bürgerinnen und Bürger bundesweit beitragen. Jenseits der Beschwörung möglicher Gefahrenszenarien sollen die Kochideen die Leser des Buches 'für alle Fälle' rüsten. Wie lassen sich trotz Ausfall moderner Küchenausstattung leckere Speisen zubereiten? Welche kulinarischen Genüsse lassen sich aus den für den Notvorrat empfohlenen Lebensmitteln zaubern?

Diese und weitere Fragen soll das Kochbuch auf anschauliche und praktische Weise behandeln. Ergänzt wird der Inhalt zudem durch allgemeine Zubereitungstipps und Expertenratschläge, vom Haltbarmachen oder Selbstanbau von Lebensmitteln bis hin zu alternativer Kochausstattung. Das Thema Katastrophenvorsorge soll dadurch präsent und lesenswert gestaltet werden. (…) Denn die skizzierten Inhalte sind nicht nur bei Stromausfall oder anderen Krisensituationen von Interesse für die Bürgerinnen und Bürger.

Man sehe das Buch als eine "niedrigschwellige Möglichkeit, mit der Bevölkerung über Notfallvorsorge ins Gespräch zu kommen", so eine BBK-Sprecherin. Die Sammlung der Kochrezepte erfolge nun in Form eines Wettbewerbs. Berechtigt zur Teilnahme sind alle Personen ab 18 Jahren mit Wohnsitz in Deutschland. Eine Jury wählt dann "die besten, kreativsten und leckersten aus", die am Ende ins "Kochbuch für alle Fälle" fließen, durch einen Verlag produziert und vertrieben werden. Allerdings sind "elektrische Küchengeräte zur Zubereitung der eingereichten Rezepte ebenso ausgeschlossen wie die Zugabe von Leitungswasser" beim Herrichten der Speisen. Anempfohlen werden indes selbst gebaute (sic) Feldküchen sowie Campingkocher, mit denen gebunkerte Notvorräte angerichtet werden sollen.

Symbolbild: US-Kampfpanzer vom Typ M1A2 Abrams bei einer Manöver-Übung in Lettland, November 2014

Die Projektbeteiligten äußerten die Hoffnung, "das Thema Notbevorratung und damit eine wichtige Selbstschutzfähigkeit ein Stück mehr aus dem Bereich der düsteren Katastrophenängste im Unterbewusstsein der Menschen herauszuholen und ihm wieder zu seinem Platz als nützliches Wissen – nicht nur in Krisenzeiten – zu verhelfen".

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Das ist wohl mehr als Verschleierung. Noch vor vier Jahren sprach die Bundesregierung nach Beschluss eines neuen Zivilschutzkonzeptes eine ganz andere, deutlichere Sprache: Die Bevölkerung soll sich für den Fall einer Cyberattacke oder eines Terrorangriffs einen Vorrat an Lebensmitteln und Wasser zulegen. Das damals umstrittene Konzept Zivile Verteidigung (KZV) enthält eine Reihe von vorbereitenden Maßnahmen für einen möglichen "Krisenfall" in Deutschland und folgt der Bedrohungseinschätzung des im Juli 2016 beschlossenen sicherheitspolitischen Weißbuchs der Bundesregierung.

Die Verantwortlichen sehen die Gefahr von Angriffen mit konventionellen, biologischen und chemischen Waffen, die Gefahr von Attacken auf kritische Infrastrukturen wie Wasser-, Strom- und Gasversorgung und Angriffe aus dem Cyberraum. Schon 2016 wurde die Bevölkerung angehalten, einen Lebensmittelvorrat für einen Zeitraum von zehn Tagen vorzuhalten. Für fünf Tage sollten die Bürger je zwei Liter Trinkwasser pro Person und Tag bereithalten.

In unserer modernen Zeit, in der US-Amerikaner, Transatlantiker und NATO kriegslüstern Richtung Russland und China blicken, einen Krieg gegen beide Mächte innerhalb der nächsten zehn Jahre auf der Möchtegern-To-do-Liste haben, erscheint das vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe geplante "Notfallkochbuch" wie der neue Sattel auf dem alten deutschen Kriegsgaul: Allein im Ersten Weltkrieg gab es kaum eine deutsche Region, in der kein Kriegskochbuch erschienen war.

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Die Landwirtschaft lag am Boden, Fleisch war Mangelware, die Hausfrauen benötigten Rat, wie sie ihre hungrigen Familien durchbringen konnten. Und sie verschlangen alles, denn der Krieg, so hieß es, "darf nicht an der deutschen Hausfrau scheitern": Nudeln mit Sauerkraut, den Strunk vom Rosenkohl, Rhabarberblätter.

Des Autors Lieblingsrezept indes ist der "Aschenkopf". Im "Feldkochbuch für behelfsmäßiges Kochen und Backen in den Kolonien", Oberkommando der Wehrmacht, VA/Ag V III ko/b, Berlin 1941, wird die Zubereitung beschrieben:

Ein Schafs- oder Ziegenkopf wird nach gehöriger Reinigung gesalzen und gepfeffert, die Augen werden entfernt und der ganze Kopf in heiße Asche gelegt und zugedeckt. Nach 3 bis 4 Stunden ist das höchst schmackhafte Gericht fertig. Der Kopf wird dann herausgenommen und die Haut abgezogen. Backen, Zunge und Hirn können genossen werden. Hirn ist wegen seiner wertvollen Stoffe wichtig.

Vielleicht sollten die transatlantischen Politiker und NATO-Militärs täglich solcherart Aschenköpfe essen; schließlich enthalten sie Hirn.

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