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"Taktische" Atomsprengköpfe auf US-U-Booten: Schritt zur nuklearen Apokalypse statt Abschreckung

"Taktische" Atomsprengköpfe auf US-U-Booten: Schritt zur nuklearen Apokalypse statt Abschreckung
Teststart einer ballistischen Rakete Trident II D5 von der USS Nebraska nahe der Küste Kaliforniens am 25. März 2018. Ein Teil dieser Raketen wird auf Sprengköpfe vom Typ W76-2 mit geringerer Sprengkraft umgerüstet.
Die USA haben ihre U-Boot-gestützten Raketen mit "taktischen" Nuklearsprengköpfen bestückt – um Russland von seiner angeblichen Doktrin der "Deeskalation durch Eskalation" abzuschrecken. Diese falsche Reaktion auf eine falsche Prämisse senkt jedoch die Einsatzhemmschwelle.

von Scott Ritter

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Die USA haben ihre U-Boot-gestützten Raketen mit "taktischen" Nuklearsprengköpfen bestückt – um Russland vor einem Atomkonflikt abzuschrecken, heißt es. Diese "Antwort" auf eine angebliche "russische Strategie", die in Washington erdacht wurde, macht die gegenseitige Vernichtung nur wahrscheinlicher.

In einer Anfang der Woche veröffentlichten Erklärung kündigte der Staatssekretär im US-Verteidigungsministerium John Rood an, dass "die US-Marine U-Boot-gestützte ballistische Raketen (SLBM) mit dem W76-2-Gefechtskopf mit geringerer Sprengkraft bestückt" hat. Diese neue Einsatzkapazität, so Rood, "zeigt potenziellen Gegnern, dass ein begrenzter Einsatz von Atomwaffen keinen Vorteil bringt, weil die Vereinigten Staaten glaubwürdig und entschlossen auf jedes Bedrohungsszenario reagieren können".

Die angebliche Bedrohung, die die Rechtfertigung für diese neue nukleare Abschreckung der USA untermauern soll, wurde in der Aussage des stellvertretenden US-Verteidigungsministers Robert Work vor dem Streitkräfteausschuss des Repräsentantenhauses im Juni 2015 beschrieben. Er erklärte, dass "die russische Militärdoktrin das beinhaltet, was einige als eine 'Strategie der Eskalation zur Deeskalation' bezeichnet haben – eine Strategie, in deren Rahmen versucht werden soll, einen konventionellen Konflikt durch Androhung von Zwangsmaßnahmen, einschließlich Androhung eines begrenzten Einsatzes von Atomwaffen, zu deeskalieren".

Tatsächlich hätte jede Überprüfung der russischen Nukleardoktrin jedoch gezeigt, dass dies eine falsche Prämisse ist. Bestimmung 27 der Revision der Russischen Militärdoktrin von 2014 besagt, dass Russland "sich das Recht vorbehält, als Reaktion auf den Einsatz von nuklearen und anderen Arten von Massenvernichtungswaffen gegen sich selbst und/oder seine Verbündeten sowie im Falle einer Aggression gegen die Russische Föderation mit dem Einsatz konventioneller Waffen, wenn die Existenz des Staates selbst in Gefahr ist, Atomwaffen einzusetzen. Die Entscheidung über den Einsatz von Atomwaffen wird vom Präsidenten der Russischen Föderation getroffen".

"Russische Bedrohung" – made in USA

Trotzdem wurde das Konzept der "Eskalation zur Deeskalation" als angebliche "offizielle russische Militärdoktrin" um das Jahr 2018 herum in der offiziellen US-Nukleardoktrin verankert – dies fand im Nuclear Posture Review (NPR, Überprüfung der US-Atomwaffendoktrin) des US-Verteidigungsministeriums Ausdruck. Moskau, so der NPR von 2018, "droht und übt einen begrenzten nuklearen Ersteinsatz und suggeriert damit die falsche Erwartung, dass die Androhung eines Nuklearwaffeneinsatzes oder ein begrenzter Ersteinsatz [von Nuklearwaffen] die Vereinigten Staaten und die NATO lähmen und damit einen Konflikt zu Bedingungen beenden könnte, die für Russland günstig wären. Einige in den Vereinigten Staaten bezeichnen dies als Russlands Doktrin der 'Eskalation zur Deeskalation'".

Als Reaktion auf diese "russische Bedrohung" made in USA wurde im NPR von 2018 die Notwendigkeit postuliert, eine Reihe von U-Boot-gestützten ballistischen Interkontinentalraketen (SLBM) mit Nuklearsprengköpfen von geringerer Sprengkraft (fünf statt 30 Kilotonnen im Trotyläquivalent) zu bestücken, um die nukleare Abschreckungskapazität der USA zu erhöhen: Dadurch werde den US-Militärkommandeuren eine Waffe zur Verfügung gestellt, mit der "auf die Schlussfolgerung reagiert wird, dass potenzielle Gegner wie Russland glauben, dass der Einsatz ertragsschwacher Nuklearwaffen ihnen einen Vorteil gegenüber den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten und Partnern verschaffen wird".

Der NPR von 2018 lieferte ebenso wenig wie schon Works Aussage im Jahr 2015 vor dem Kongress einen Nachweis für die Existenz einer russischen Doktrin der "Eskalation zur Deeskalation" – sondern beinhaltet nur die Feststellung, dass der Gedanke in den USA entstand und nicht aus Russland stammt. Nichtsdestoweniger forderte Präsident Donald Trump auf der Grundlage des NPR 2018 das Verteidigungsministerium auf, einen neuen Nuklearsprengkopf mit geringerer Sprengkraft für die SLBM des Typs UGM-133A Trident zu beschaffen. Damit setzte er einen Prozess in Gang, der in der kürzlich erfolgten Ankündigung gipfelte, dass dieser neue Sprengkopf nun einsatzbereit sei.

 

Stimmen der Vernunft stoßen auf taube Ohren

Als Antwort auf Präsident Trumps Forderung wurde ein Brief, unterzeichnet von einer Liste namhafter amerikanischer Staatsmänner, Politiker und Militäroffiziere, einschließlich des ehemaligen Außenministers George Schultz, des ehemaligen Verteidigungsministers William Perry und des ehemaligen stellvertretenden Vorsitzenden der Generalstabschefs, General James Cartwright, an den Mehrheitsführer im Senat Mitch McConnell adressiert. Darin heißt es, dass kein Bedarf an diesem neuen "low yield"-Sprengkopf bestehe. In dem Brief wurde ferner festgestellt, dass die Prämisse dieses Sprengkopfes – die Existenz einer russischen Doktrin der "Eskalation zur Deeskalation" – von einem "falschen Narrativ" abgeleitet wurde, das eine nicht vorhandene russische Absicht mit einer ebenso fiktiven "Lücke in der Abschreckungskapazität" verband, die nur durch die neue Atomwaffe ausgemerzt werden könne. Dieser Brief stieß auf taube Ohren.

Bei einem Treffen des Waldai-Klubs im Oktober 2018 sprach Russlands Präsident Wladimir Putin die russische Nukleardoktrin an. Anlass waren Fragen, die durch die Veröffentlichung des NPR von 2018 in den USA aufgeworfen wurden.

Das Wettrüsten findet derzeit im Hyperschall-Bereich statt. Bild: Die russische Hyperschall-Rakete YU-71 (Avangard).

"Unser Konzept der Anwendung von Nuklearwaffen beinhaltet keinen Präventivschlag", machte Putin unmissverständlich deutlich. "Unser Konzept ist der Gegenschlag als Antwort [auf einen Erstschlag unserer Gegner]: Wer Bescheid weiß, dem muss man hier nichts erklären. Für die Nichteingeweihten wiederhole ich: Das bedeutet, dass wir nur dann bereit sind, Nuklearwaffen einzusetzen, und dies tun werden, wenn wir uns vergewissert haben, dass jemand, ein potenzieller Aggressor, gegen Russland einen Schlag führt, gegen unser Territorium. (...) Dafür haben wir Frühwarnsysteme für Raketenangriffe. Dieses System stellt fest, wenn strategische Raketen vom Weltozean aus oder irgendwo von Land gestartet werden – dies erstens. Zweitens stellt es die Flugbahn fest und drittens das Gebiet, in dem die Nuklearsprengköpfe niedergehen werden. Und dann, wenn wir sicher wissen, dass Russland angegriffen wird – und das zu verstehen, braucht lediglich einige Sekunden –, führen wir einen Gegenschlag. Dies wäre ein reziproker Gegenschlag. Warum 'reziprok'? Weil Raketen [des Aggressors] noch auf uns zufliegen, wenn die unseren [schon] in seine Richtung fliegen."

Es gibt keine "begrenzte" Nutzung von Atomwaffen

In einem 1982 in der Zeitschrift Foreign Affairs veröffentlichten Artikel mit dem Titel "Nuclear Weapons and the Atlantic Alliance" erklärten vier hochrangige amerikanische Staatsmänner (McGeorge Bundy, George F. Kennan, Robert McNamara und Gerard C. Smith), die an der Gestaltung der US-Nuklearpolitik beteiligt waren, dass "es niemandem je gelungen ist, einen überzeugenden Grund für die Annahme zu finden, dass der Einsatz von Atomwaffen, selbst in kleinem Maßstab, zuverlässig begrenzt bleiben könnte".

Diese Tatsache gilt heute noch genauso wie zu der Zeit, als der Artikel geschrieben wurde. Vielleicht betont niemand diesen Punkt nachdrücklicher als Russlands Präsident Putin – auch dies auf der Konferenz der Waldai-Klubs im Jahr 2018.

"Natürlich ist [die Entscheidung, Atomwaffen zur Verteidigung Russlands einzusetzen] eine globale Katastrophe. Doch wir sind nicht die Initiatoren einer solchen Katastrophe, weil wir keinen Präventivschlag vorsehen. Ja, in dieser Situation warten wir darauf, dass jemand gegen uns Nuklearwaffen einsetzt, und tun selbst nichts. Aber dann sollten Aggressoren wissen, dass Vergeltungsmaßnahmen unvermeidlich sind und sie vernichtet werden – und wir als Opfer der Aggression, als Märtyrer, würden ins Paradies kommen, während sie einfach krepieren, weil sie nicht einmal Zeit haben, ihre Sünden zu bereuen."

Die Trump-Administration täte gut daran, über diese Worte nachzudenken, wenn sie sich in der falschen Sicherheit der Abschreckung durch die neuen nuklear bewaffneten Trident-SLBM "von geringerer Sprengkraft" wiegt. Tatsache ist, dass sie niemanden von nichts abschrecken und nur zur globalen Vernichtung einladen – weil ihre verminderte, aus technischer Sicht in der Tat "kontrollierte" Sprengkraft prinzipiell die Hemmschwelle zum Einsatz von Nuklearwaffen aufseiten der USA schwächt.

Übersetzt aus dem Englischen.

Scott Ritter ist ein ehemaliger Offizier für Aufklärung der US-Marineinfanterie. Er diente in der Sowjetunion als Inspektor für die Umsetzung der Auflagen des INF-Vertrags, diente während des Golfkriegs im Stab von General Schwarzkopf und war von 1991 bis 1998 als Waffen-Chefinspekteur bei der UNO im Irak tätig. Derzeit schreibt Ritter über Themen, die die internationale Sicherheit, militärische Angelegenheiten, Russland und den Nahen Osten sowie Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung betreffen.

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