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Mademoiselle Neubauer auf dem Steckenpferd

Mademoiselle Neubauer auf dem Steckenpferd
Archivbild
Derzeit mobilisiert FFF unter Führung Luisa Neubauers gegen Siemens wegen eines Projekts für eine indische Kohlemine in Australien. Dabei ist das eine Angelegenheit für Australier und Inder. Auch schweigt Neubauer zum geplanten NATO-Manöver in Osteuropa.

von Dagmar Henn

Da hat er sich vertan, der Herr Kaeser. Der Siemens-Chef hat vergessen, dass er für solche Zeitgenossen wie Mademoiselle Neubauer auch nur ein besserer Prolet ist, der für seine Millionen arbeiten muss. Und dass sie sich ihr gewähltes Steckenpferd, die Politik, oder vielmehr ihren Ruf darin, nicht beschädigen lassen wird, um im Kreise alter weißer Männer in langweiligen Sitzungszimmern herumzusitzen, und das für ein Handgeld, das sie vermutlich als Taschengeld bekommt. Hätte man ihr die Hand eines Siemens-Erben geboten, also den Aufstieg aus der Welt der gewöhnlichen Multimillionäre in die der Milliardäre, dann wäre sie wohl in Versuchung geraten. Aber ein Aufsichtsratssitz? Da kann man gleich mit einer popeligen Prada-Tasche kommen.

Schüler in Hamburg bei

Beide tun so, als ginge es um etwas. Dabei beträgt der Wert des so umstrittenen Auftrags ganze 18 Millionen, so etwas wird nicht einmal ein Einzelposten in der Gewinn- und Verlustrechung, da wird auch kein Kohlekraftwerk von Siemens gebaut, sondern nur eine Bahnstrecke mit Signalanlagen versehen, die zufällig von einem Bergwerk zum Hafen führt. Das Bergwerk liegt in Australien; der ganze Planet bietet kein Land, das weiter von Deutschland entfernt ist als Australien, was selbst Mademoiselle Neubauer (für die Ticketpreise natürlich kein Hindernis sind) irgendwie darauf hinweisen sollte, dass dort andere Menschen entscheiden, Australier nämlich, die bestimmt ihr ganzes elendes Dasein hindurch auf die Erleuchtungen der Mademoiselle Neubauer gewartet haben. Die geförderte Kohle soll dann ein indisches Kohlekraftwerk beliefern.

Indien, war da nicht was? Nein, nicht Gurus und Curry, Frau Neubauer. Sämtliche bestehende Klimaabkommen gestehen Entwicklungsländern zu, ihren CO2-Ausstoß zu erhöhen, da sie ansonsten keine Chance haben, sich weiterzuentwickeln. Mademoiselle allerdings ficht das nicht an, und ihre Claqueure in der deutschen Journaille auch nicht, die nicht einmal den Hinweis auf ebendiese Abkommen wagen. "Wir müssen jetzt handeln", würde Mademoiselle da wohl entgegnen und damit meinen, anstelle der Australier und der Inder zu entscheiden.

Nun, willkürliche Entscheidungen über das Leben anderer zu treffen, ist bei ihresgleichen so üblich, das kommt gewissermaßen mit dem Erbanspruch. Die Sippschaft Reemtsma, aus der Mademoiselles Mutter stammt, denkt wahrscheinlich auch, mit dem (gescheiterten) Ausbruchsversuch von Cousin Jan Philipp seien alle Schulden getilgt und das blutig Zusammengeraffte könne nun wieder in Unschuld genossen werden. Sonst würde man nicht gleich zwei Abkömmlinge auf die politische Bühne treten lassen, um anderen Moral zu predigen. Und es stimmt ja auch: Die Cousinen Carla und Luisa wurden bisher nicht mit der Frage belästigt, ob und wie sie sich ihres Reichtums zu entledigen gedächten und wie denn ihr Verhältnis zum Umgang mit den Zwangsarbeitern auf der Krim sei, ehe sie anderen Verzicht predigen dürfen.

Damit am deutschen Wesen auch diesmal wieder die Welt genesen kann, haben sich jedenfalls schon einmal Klimaaktivisten zum Schausterben auf das Pflaster des Wittelsbacherplatzes gelegt, vor der Siemens-Zentrale. Als gäbe es nichts, wo man im eigenen Land eingreifen könnte und müsste, und als sei das erregte Anrennen gegen ein indisches Kraftwerk gerade die einzig bedeutende Frage.

Deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer bei einer Pressekonferenz nach Gesprächen mit Siemens, Berlin, Deutschland, 10. Januar 2020.

Obwohl es ein wunderbares Angebot gibt, eine völlig überflüssige und menschenfeindliche Betätigung zu verhindern, in deren Umfeld ein simuliertes Massensterben noch dazu viel naheliegender, ja geradezu naturgegeben angebracht wäre: das US-Manöver Defender 2020, für das Tausende Panzer und Truppentransporter um die Welt gekarrt werden, Zehntausende Soldaten völlig überflüssige Transatlantikflüge antreten, Dutzende Transportkolonnen die Luft verpesten. Im Gegensatz zum indischen Kohlekraftwerk, das für ganz reale Menschen doch ein Mehr an Wohlstand und Perspektiven bedeuten dürfte, ist dieser Truppenaufmarsch nicht nur eine Vernichtung gesellschaftlichen Vermögens, sondern zugleich ein Verlust an kollektiver Sicherheit. Und wer sich zu SUVs empört, dürfte zu Panzern nicht schweigen. So ein M1 Abrams verbraucht immerhin locker mal hundert Liter Kraftstoff auf hundert Kilometer.

Die Cousinen Neubauer und Reemtsma könnten hier den Beweis führen, dass man CO2 einsparen kann, ohne irgendjemandem irgendetwas wegzunehmen. Die ganze Nummer könnte unterbleiben. Sie könnten sogar beweisen, ob sie so etwas wie echten Mut besitzen, sprich, im Stande sind, zu Überzeugungen zu stehen, für die die Journaille sie nicht streichelt; ob sie sich auch dort engagieren, wo ihre Gegner womöglich stärker sind als sie, reicher, mächtiger, statt, auf ihren Geldsäcken sitzend, den Indern das Recht auf Entwicklung abzusprechen. Ja, es wäre sogar eine wunderbare Gelegenheit für die zwei Erbinnen, sich mit dem Kapitel Reemtsma auf der Krim zu befassen, so im Gesamtzusammenhang Reemtsma und der Zweite Weltkrieg, was mit Sicherheit weit entspannter geht, wenn man zumindest ein bisschen dazu beiträgt, einen dritten zu verhindern.

Doch Mademoiselle ist grün, und sollte sie je Scham über irgendetwas empfunden haben, das mit Russland zu tun hat, wurde sie bestimmt bereits transatlantisch kauterisiert. Immerhin ist man dem Familienvermögen verpflichtet, und das hat beim letzten Ostlandritt nicht gerade Schaden genommen. Insofern folgt es einer strikten Logik, dass nicht nur die Containerschifffahrt, sondern auch das NATO- und US-Gebaren tabu sind; die bösen Russen hätten schließlich, wären sie bis Hamburg vorgedrungen, die Sippschaft so wie andere Kriegsprofiteure ihres Reichtums entledigt, und Mademoiselle Neubauer müsste selbst ihr Fahrrad aufpumpen und sich ein Spiegelei braten, ja, womöglich ihren Lebensunterhalt durch Arbeit verdienen; schon die Androhung eines solch grausamen Schicksals kann nicht vergeben werden, auch nach drei Generationen nicht.

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Vielleicht war es aber ein Handel zwischen Herrn Kaeser und Mademoiselle Neubauer. Er bekommt die Gelegenheit, sich als besonders standfester Vertragspartner zu profilieren, und verhilft ihr zur Aura, zu Höherem bestimmt zu sein, während die Jünger von FFF mit völlig unsinnigen Protesten beschäftigt werden, die nur eins in den Köpfen verankern, nämlich, dass wir Deutschen das Recht haben, über das Schicksal der Inder zu bestimmen. Und ganz nebenbei wird mit viel nutzloser Aktivität verhindert, dass die so bildfüllend Scheinsterbenden sich Gedanken über den viel näheren möglichen Tod machen, der durch die aggressive Politik der NATO droht. In diesem Falle gingen tatsächlich Kaeser und Neubauer als Sieger vom Platz, während das Land und der Frieden als Verlierer zurückbleiben.

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