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Debatte um Organspenden: Jens Spahn vergibt Schürfrechte

Debatte um Organspenden: Jens Spahn vergibt Schürfrechte
(Archivbild). Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am 20. September 2019 in der Metropolitan-Kathedrale in Mexiko-Stadt, México.
Gesundheitsminister Jens Spahn möchte das Organspendegesetz reformieren. In Deutschland gibt es nämlich viel zu wenige Spender. Es steht natürlich jedem frei, sich einen Organspendeausweis zuzulegen und diesem Problem aktiv zu begegnen. Das Interesse ist jedoch gering.

von Jens Zimmer 

Die Pläne des Gesundheitsministers sehen vor, die Anzahl der Organspender mittels einer "Widerspruchslösung" zu erhöhen. Demnach wären in Deutschland zukünftig einfach alle (!) Menschen Organspender, es sei denn, sie haben dem ausdrücklich widersprochen. Juristisch gesehen ein durchaus gewagtes Konstrukt. Eine Büchse der Pandora, möchte man meinen. Mit einer solchen Rechtsumkehr ließen sich in Zukunft bestimmt noch ganz andere Probleme lösen. Und das wohl selten zum Vorteil der Bürger.

Gesundheitsminister Jens Spahn und Karl Lauterbach mit Organspendeausweisen, Berlin, Deutschland, 1. April 2019.

Wer denkt, es gehe der Politik hier um die Patienten, ist auf dem Holzweg. Es geht in erster Linie um Geld. Organspenden sind ein Milliardengeschäft und der Rohstoff Mensch beinahe unbezahlbar. Vordergründig geht es "nur" um die Organe. Mit der auf dem Spenderausweis stehenden "Gewebespende" stimmt man jedoch auch der totalen Zerlegung des Körpers zu. Und das ist dann keine edle Spende mehr an einen todkranken Patienten. Es handelt sich um eine Spende an die Pharmaindustrie. Haut, Knochen, Augen sowie diverse weitere Körperteile sind ein wahrer Schatz, der in verschiedenster Form verarbeitet wird. Und das natürlich überaus gewinnbringend.

Die Widerspruchslösung von Jens Spahn wäre also ein gewaltiges Geschäft. Wird sie durchgesetzt, dürfte es in Zukunft keinen Rohstoffmangel mehr geben. Widerspruchslose Leichenberge werden sich türmen bis unters Dach. Der eine oder andere Widersprechende wird leider auch darunter sein. Angesichts von Masse und Routine ein regelmäßig zu erwartender Fehler.

Aber wo gehobelt wird, fallen Spä(h)ne. Und hier werden ganz dicke Bretter gebohrt: Der Staat erteilt ganz offiziell die Schürfrechte an den Körpern seiner Bürger! Und nur die wenigsten scheinen es zu bemerken. Müssen Kannibalen die Leichen erst fressen, damit alle merken, wie pervers der Vorgang ist? Wo liegt hier eigentlich die Grenze?

Ich hätte da einen kleinen Vorschlag. Er wird gewiss als widerlich, ekelhaft und bar jeder Moral abgetan. Denn es darf natürlich nicht sein, dass der Bürger seine Leiche noch zu Lebzeiten "selbst verkauft". Das wäre unmoralisch!

Wenn aber die Politik die Leichen der Bürger en masse an Lobbygruppen verhökert, dann fantasieren wir von Altruismus. Selbst wenn es sich dabei nur um ein knallhartes Geschäft handelt. Moral hängt eben davon ab, wer am Ende den Reibach macht.

Zurück zur Widerspruchslösung des Gesundheitsministers. Die Rechtfertigungsarien klingen bereits landauf, landab in den Ohren der Bürger. Ein kakophones Missvergnügen, dem man sich kaum entziehen kann. Eine wahre Blüte der Frechheit kommt vom SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach.

Ein Verstorbener, der, weil er bewusst der Organspende nicht widersprach und somit sein Einverständnis indirekt gab, verwirklicht so auf unbürokratische und zuverlässige Weise seine Selbstbestimmung. Das Vorgehen hat daher gar nichts mit Kampfbegriffen wie 'Staatseigentum' zu tun.

Organentnahme, Unfallkrankenhaus Berlin, Deutschland, 12. Januar 2008.

Wie bitte?

Zunächst einmal muss man wissen, dass Organe nur "lebenden" Körpern entnommen werden. Wer potenziellen Spendern verschweigt, dass er das reale Risiko eingeht, schon vorzeitig geschlachtet zu werden, handelt in meinen Augen kriminell.

Dann wäre da noch die überaus ungelenke Formulierung des Herrn Lauterbach. So ungelenk wie das juristische Konstrukt, das dem Bürger hier als Fortschritt verkauft werden soll. Ich bin Herrn Lauterbach für seinen Tweet aber dankbar, zeigt er doch sehr deutlich auf, womit wir es bei dieser "Widerspruchslösung" in Wirklichkeit zu tun haben. Deren ganze Ungeheuerlichkeit tritt dann zutage, wenn man das Konstrukt auf eine andere Causa überträgt:

Eine Frau, die, weil sie bewusst dem Geschlechtsverkehr nicht widersprach und somit ihr Einverständnis indirekt gab, verwirklicht so auf unbürokratische und zuverlässige Weise ihre Selbstbestimmung. Das Vorgehen hat daher gar nichts mit Kampfbegriffen wie 'Vergewaltigung' zu tun.

Nein, einen solchen Satz würde heute niemand sagen. Doch ich kann sie beruhigen, Herr Lauterbach. Die ausgeweideten Toten werden keine #metoo-Bewegung starten.

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