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"Meine Oma ist 'ne alte Umweltsau"? – Anmerkungen zum Konsumverhalten von Rentnerinnen

"Meine Oma ist 'ne alte Umweltsau"? – Anmerkungen zum Konsumverhalten von Rentnerinnen
Das "Umweltsau"-Lied erregt die Gemüter: Vor dem WDR-Gebäude in Köln kam es vergangenes Wochenende zu Protesten.
Der Streit über das "Umweltsau"-Lied des WDR-Kinderchors hält weiter an. Am Donnerstag beschäftigt sich der nordrhein-westfälische Landtag mit dem Thema. Bei der Kritik am WDR ist ein Aspekt zumeist untergangenen: Die Lebensrealität der Älteren.

von Felicitas Rabe

Auch wenn der Beitrag "Meine Oma ist 'ne alte Umweltsau" aufgrund von "unerträglichen" Rückmeldungen aus der WDR-Mediathek gelöscht wurde – gibt es so viel grundsätzliche Themen im Umgang mit der Kritik, dass diese Themen weiter beleuchtet werden sollten. 

Symbolbild: Banner mit der Aufschrift

In der WDR-Ausstrahlung "Meine Oma ist 'ne alte Umweltsau" werden Kinder, die sich mit dem tatsächlichen Konsumverhalten von weiblichen Rentnern wahrscheinlich kaum auskennen, dazu instrumentalisiert, diesen Teil der Gesellschaft als besonders konsumkräftige und umweltschädigende Gruppe anzuklagen. Laut dem Beitrag wäre es bezeichnend für die "Omas", dass sie Automodelle mit besonders hohem Spritverbrauch nutzen, besonders viel Fleisch konsumieren und an besonders vielen Schiffsurlaubsreisen teilnehmen. 

Rentnerinnen haben im Durchschnitt 711 Euro im Monat!

Wenn man allerdings die tatsächlichen durchschnittlichen Konsummöglichkeiten von Rentnerfrauen recherchiert, widerspricht laut Daten der Deutschen Rentenversicherung dieser WDR-Beitrag eklatant der bitteren Realität:

"Demnach erhielten die rund 18,25 Millionen Altersrentnerinnen und -rentner im Jahr 2018 durchschnittlich 906 Euro Rente pro Monat. Während Männer immerhin 1.148 Euro Monatsrente beziehen, bekommen Frauen im Schnitt nur 711 Euro überwiesen (Werte gerundet).

Die sogenannte "Regelaltersrente" fällt sogar noch niedriger aus. Diese erhält, wer die Regelaltersgrenze erreicht hat und zudem die allgemeine Wartezeit von fünf Jahren erfüllt. Wer diese Bedingungen erfüllen konnte, erhielt 2018 im Schnitt 638 Euro Altersrente. Insgesamt erfüllten 7,68 Millionen Ruheständler diese Voraussetzungen. Hier gilt es zu bedenken, dass das reguläre Renteneintrittsalter seit einer Gesetzreform schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben wird. Während Männer im Schnitt 848 Euro monatlich bekamen, erhielten Frauen nur knapp 497 Euro." 

Wovon sollen sich dann Rentnerinnen, die im Durchschnitt 711 Euro Rente erhalten, teure Autos, hohen Fleischkonsum und Kreuzfahrten leisten? Ausgerechnet die Personengruppe, die wahrscheinlich am wenigstens konsumiert, am wenigsten Essen wegschmeißt, die wenigsten Autos besitzt, am meisten beim Heizen spart und so weiter, wird vom WDR zynisch als größte Umweltsau beschimpft. 

Wo liegt die satirische Pointe, wo die Absicht?

Nachträglich wurde der Beitrag aufgrund vielfältiger Publikumskritik vom WDR zwar flugs als Satire umgedeutet, aber eine satirische Pointe lässt sich nicht finden. Wollte man mit dem Lied auf satirische Weise auf die Armut der Rentnerinnen hinweisen? Oder darauf, dass die Jugend keine Ahnung von der Situation der Rentnerinnen in diesem Land hat?

Oder soll mit der Satire-Erklärung in Wirklichkeit nicht vielmehr ein Versuch weiterer gesellschaftlicher Spaltung – jenseits aller Realität – gerechtfertigt werden? 

Heutiger WDR-Intendant Tom Buhrow, Hamburg, Deutschland, 29. August 2006.

Insbesondere, nachdem auch der Deutschlandchef der Fridays for Future Germany einen Tag vor Weihnachten sinngemäß an die Kinder und Jugendlichen twitterte, dass es nicht lohnen würde, sich mit seinen Großeltern gedanklich austauschen, weil die ja sowieso bald tot wären, drängt sich der Verdacht einer womöglich sogar koordinierten Spaltungskampagne geradezu auf.

Was könnte ansonsten Sinn und Ziel einer Kampagne sein, wonach Kinder und Jugendliche pauschal ihre Großeltern als "konsumgeil" verurteilen und den sachlichen Gedankenaustausch über Umweltschädigungen mit ihnen ablehnen sollen, weil es sich nicht mehr lohnen würde? 

Könnte die Kampagne zum Ziel haben, der jungen Generation zu vermitteln, dass ein guter Mensch jederzeit bereit ist, den Gürtel noch enger zu schnallen? Soll den Jungen vermittelt werden, dass es sich nicht lohnt, alte Menschen am Leben zu erhalten? Cui bono – wer könnte davon profitieren, dass die neue Generation darauf eingestimmt wird, den Gürtel enger zu schnallen und ältere Menschen als "unwertes Leben", das nur noch Kosten verursacht, zu betrachten? 

Die gezielte Instrumentalisierung  gutgläubiger Kinder zu politischen Zwecken hat auch jenseits von Greta und des WDR-Kinderchores Tradition. So wurden Kinder in der Nazizeit als billige Denunzianten missbraucht, die in der Schule petzen sollten, wenn ihre Eltern nicht wie brave "Volksgenossen" dachten. 

Man kann allerdings vermuten, dass Greta Thunberg weder von den Massenmedien, noch vom Papst, von Adelsvertretern, Politikern oder Medienstars gehypt worden wäre, und vermutlich nicht zum Vorbild für Kinder und Jugendliche stilisiert worden wäre, wenn sie die ungerechte Verteilung jeglichen Reichtums und die Ausbeutungsmacht von Multimilliardären auf diesem Planeten zum Thema gemacht hätte. Aber durch den von Greta propagierten menschengemachten Klimawandel erschließen sich die Großaktionäre gerade mit dem CO2-Handel und den umfassenden Preiserhöhungen im Energiesektor völlig neue Gewinnspannen auf Kosten der einfachen Bevölkerung. 

Doppelmoral des WDR im Umgang mit Hasstiraden

Ein weiteres Thema – nämlich die Doppelmoral bei der Behandlung von Hasstiraden seitens der Medien – fällt bei der Beschimpfung der Oma als "alte Umweltsau" auf:

Schließlich sollen laut WDR Hassbotschaften zur Strafanzeige gebracht werden. Denn im Beitrag "Was tun gegen Hetze im Netz" unterstützt der WDR das Anliegen der Initiative "Verfolgen statt nur Löschen" der Landesanstalt für Medien NRW:

Die Initiative setzt auf eine vorbeugende Wirkung, wenn strafbare Äußerungen im Internet – wie Volksverhetzung, Hassreden, Nötigungen oder Bedrohungen – nicht einfach gelöscht, sondern die Verfasser konsequent zur Verantwortung gezogen werden.

Lief erst als Comedy, dann als Satire: Der WDR-Kinderchor in Aktion

Aber im Fall der Diffamierung von Rentnerinnen hält sich der WDR überhaupt nicht an seine eigenen Ansprüche im Umgang mit Beiträgen, die als "Zwietracht und Hass säend" identifiziert werden. Mit der Nutzung von minderjährigen Kindern unter 12 Jahren als Ausführende für die Veröffentlichung dieses Beitrags ist womöglich die potentielle strafrechtliche Verfolgbarkeit auch geschickt verhindert, zumindest erschwert worden.

Ein anderes Beispiel für die Doppelmoral in den Medien ist die Beleidigungs- und Hasstirade gegen den türkischen Präsidenten Erdoğan seitens des ZDF und dessen Angestellten Jan Böhmermann. Mit unglaublichem Aufwand wurden die Beleidigungen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens zur Kunst deklariert. Was jetzt auch bei der WDR-Tirade "Meine Oma ist 'ne alte Umweltsau" mit dem Einwand, es handele sich um Satire, wieder versucht wurde.

Angeblicher Generationenkonflikt soll als Entschuldigung herhalten

Obwohl sich der WDR-Intendant Buhrow zeitnah und "ohne Wenn und Aber" entschuldigt hat, mag seine Entschuldigung nicht wirklich zu überzeugen. Das "Video mit dem verunglückten Oma-Lied" bezeichnete er als "Fehler". Mir scheint die Bezeichnung "verunglücktes Oma-Lied" zu verharmlosend für das Hetzpotential dieses Liedes. Zudem ist es schwer vorstellbar, dass dem WDR so eine quasi versehentliche "Verunglückung" eines Beitrags von dieser Brisanz "passiert".

Auch die Begründung in der Entschuldigung auf der WDR2-Facebook-Seite, es ginge "vielmehr darum, den Generationenkonflikt, der sich durch die Fridays-for-Future-Bewegung darstellt, mit den Mitteln der Satire aufzugreifen", zeugt nicht von einem Verständnis für das Kritik-Anliegen vieler WDR-Zuhörer. Sie verwehren sich vor allem dagegen, was Noam Chomsky als "Manufacturing Consent", also eine fabrizierte Meinung bezeichnet. Denn durch die Begründung in der vermeintlichen Entschuldigung wird der zu fabrizierenden Generationenkonflikt auch noch als real dargestellt und somit befeuert. Dass auch die "Fridays" womöglich extra zur Spaltung der Generationen aufgebaut wurden, wird geflissentlich ignoriert. Vor allem aber vermisst man eine Entschuldigung bei den betroffenen Alten, die zynischerweise eines besonders übermäßigen Konsums bezichtigt werden.  

Am Ende wird diese klägliche Entschuldigung in der medialen Öffentlichkeit gleich wieder zurückgenommen, indem der Beitrag zur "künstlerisch wertvollen Satire" erklärt wird. Gerne möchte ich mich auch auf dieses Niveau der Auseinandersetzung begeben und veröffentliche zur Melodie von "Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad" folgendes Kunstwerk: 

Der WDR nutzt arme Rentner für 'Satire' (3x)

Und die Kinder setzt er zur Verbreitung ein

Und damit es jeder von uns schnell kapiere: (3x)

Die Zerspaltung der Gesellschaft ist doch toll 

Auf die Frauenarmut trink'mer ein paar Biere (3x)

Auf Bahamas lässt BlackRock Champagner knall'n 

Letzter Vorhang: Der WDR als Opfer

Nachdem nun einige Menschen mit rechten Parolen vor dem WDR demonstriert haben, soll man sich in Folge mit weiterer Kritik am WDR zurückhalten, um nicht auch noch als "rechts" betitelt zu werden. Denn sobald ein paar Rechte in einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung auftauchen, sollten sich alle  Menschen mit demokratischer Gesinnung politisch korrekt von solch einem Gegenstand der Debatte zurückziehen. Dabei geht es nicht mehr um inhaltliche Kritik und Argumentation, sondern um fabrizierte Zuordnungen zu politischen Gruppierungen. Schließlich zensieren sich daraufhin viele Menschen lieber selbst, als dass sie sich in eine rechte Ecke gestellt sehen wollen. 

Der WDR kann sich aber nicht bloß als Opfer von Nazi-Demos inszenieren. Diejenigen, die WDR-Mitarbeitern mit Mord drohen, sorgen obendrein dafür, dass jetzt der WDR – trotz seiner üblen Diffamierung der Rentnerinnen – als das "wahre Opfer" dasteht. Die Spaltung der Generationen, die zynische Demütigung von alten Frauen können demgegenüber dann endlich als zu vernachlässigender Klacks abgetan werden.  

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

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