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Die Silvester-Plage und der alljährliche "Krieg" auf deutschen Straßen

Die Silvester-Plage und der alljährliche "Krieg" auf deutschen Straßen
Alle Jahre wieder und jedes Mal ein bisschen mehr davon: Zu Silvester lassen zahlreiche Jugendliche "die Sau raus" und verwandeln ganze Viertel in "No-go-Areas". Diese unhaltbaren Zustände sind Ausdruck viel tiefer liegender gesellschaftlicher Probleme.

von Andreas Richter

Die Silvesternacht mit Feuerwerk und Böller zu begehen, ist eine jahrhundertealte Tradition. Ursprünglich sollten mit der Knallerei böse Geister vertrieben werden. Ein Blick auf die Straßen in deutschen Großstädten lässt den Betrachter allerdings schnell zum Schluss kommen, dass die Möglichkeit zu knallen, die bösen Geister erst anzieht.

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Für zahlreiche Jugendliche bietet die Nacht Gelegenheit, mal richtig "die Sau rauszulassen" und ihre Verachtung für das Land, in dem sie leben, und dessen Autoritäten zum Ausdruck zu bringen. In Videos in den sozialen Netzwerken zeigen sie, wie sie wie selbstverständlich mit Schreckschusswaffen herumballern, Raketen auf Autos und Busse abschießen und dabei auch vor der Polizei nicht haltmachen und ganze Straßenzüge über Stunden hinweg für normale Menschen unbetretbar machen.

Einen guten Eindruck vom Geschehen der Silvesternacht bittet auch der Twitteraccount der Berliner Polizei, die unter dem Hashtag #welcome110 lakonisch und nicht ohne Humor über alle möglichen Übergriffe und Gewalttaten berichtete.

Die Bilder der Silvesternacht sind Ausdruck tiefer liegender gesellschaftlicher Probleme, an denen auch ein "Böllerverbot" nichts ändern würde. Zum ersten zeigt sich ein Verlust an innerer Sicherheit, wie er vor einigen Jahren oder Jahrzehnten noch undenkbar gewesen wäre. Offenbar hat die Berliner Polizei gar nicht mehr die Kapazitäten, um an solchen Tagen flächendeckend Recht und Gesetz durchzusetzen. Zum zweiten ist erkennbar, dass die Integration in diesem Land nicht funktioniert. Die meisten der randalierenden Jugendlichen sind ausländischer Herkunft; dass es ihnen Freude macht, den öffentlichen Raum quasi in Besitz zu nehmen, Polizisten zu beschießen und etwa auch Schulen anzuzünden, zeigt, dass sie diesen Staat nicht als den ihren ansehen.

Drittens zeigt sich in der Silvesternacht auch unabhängig vom Integrationsproblem eine immer weiter um sich greifende Verwahrlosung. Denn natürlich sind auch viele Deutsche unter den Randalierern, und auch Familienväter verdrecken mit ihrem Geballer die Stadt, verpesten die Luft und versperren Rettungskräften den Weg. Insofern zeigt sich im alljährlichen Ausnahmezustand zu Silvester, was Jahrzehnte neoliberaler Politik, Propaganda des "Unterm Strich zähl' ich" und gezielte Verblödung aus einer Gesellschaft machen.

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