icon bookmark-bicon bookmarkicon cameraicon checkicon chevron downicon chevron lefticon chevron righticon chevron upicon closeicon v-compressicon downloadicon editicon v-expandicon fbicon fileicon filtericon flag ruicon full chevron downicon full chevron lefticon full chevron righticon full chevron upicon gpicon insicon mailicon moveicon-musicicon mutedicon nomutedicon okicon v-pauseicon v-playicon searchicon shareicon sign inicon sign upicon stepbackicon stepforicon swipe downicon tagicon tagsicon tgicon trashicon twicon vkicon yt

Von Lügnern und Weihnachtsgänsen: Die deutschen Medien und die Briten-Wahl

Von Lügnern und Weihnachtsgänsen: Die deutschen Medien und die Briten-Wahl
Die Begeisterung hält sich in Grenzen: Moderatorin Marietta Slomka mit den Korrespondentinnen in Berlin und Brüssel in der Sonderausgabe des heute-journals am späten Donnerstagabend
Das Ergebnis der britischen Wahl am vergangenen Donnerstag war auch ein erneutes Bekenntnis der Wähler zum Brexit. Die deutschen Medien reagieren auf diese Wahl nicht mit einer ehrlichen Analyse und Selbstkritik, sie treten lieber nach – gegen die Wähler und den Sieger.

von Andreas Richter

Die EU ist das Lieblingskind des deutschen Mainstreams. Nicht die wirkliche EU, die von ihren Bürgern zunehmend als Zwangsjacke wahrgenommen wird, die die Möglichkeiten nationaler Selbstbestimmung immer stärker einschränkt und das Alltagsleben der Bürger reglementiert. Sondern die der Sonntagsreden, die EU als "Friedensprojekt", als Antwort auf Jahrhunderte von Krieg und Feindschaft in Europa.

Boris Johnson bei einem Besuch bei der Londoner Polizei am Donnerstag

Diese Sicht bestimmte auch die Wahrnehmung der Ereignisse in Großbritannien seit dem Brexit-Referendum im Juni 2016. Der Brexit wurde immer als Verirrung dargestellt, als Idee "alter weißer Männer", die den Verlust des Empires nicht verwinden könnten, von Nationalisten und Populisten. Dementsprechend wurde das Ergebnis des Referendums, bei dem sich eine Mehrheit für den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU aussprach, nicht wirklich ernst genommen.

Das Ergebnis sei durch Lügen zustande gekommen, durch den Einsatz von Falschnachrichten und, natürlich, die Einmischung der Russen, da waren sich die deutschen Medien sicher. Ein zweites Referendum würde diesen "historischen Fehler" korrigieren und die Briten vom Brexit abrücken lassen.

Nun hat es dieses zweite Referendum faktisch gegeben. Die Wahlen der vergangenen Woche brachten einen klaren Sieg für die Konservativen von Premierminister Boris Johnson. Und wie reagieren die deutschen Medien, die Johnson monatelang abwechselnd als lächerlichen Clown und gefährlichen Lügner dargestellt hatten? Mit Selbstkritik, einer Suche nach Fehlern in der eigenen Berichterstattung? Nein, sie treten nach.

Wieder ist die Rede von Lügen, die die Kampagne entschieden hätten. Da fragt man sich doch: Lügt der britische Premier wirklich so viel öfter als, sagen wir mal, die deutsche Bundeskanzlerin? Oder haben sie einfach einen gänzlich unterschiedlichen Blick auf beide Politiker? Die selbstironische Art Johnsons, die zu seinem Erfolg bei den britischen Wählern erheblich beiträgt, nehmen deutsche Journalisten ganz offenbar überhaupt nicht wahr. 

Auch die Wähler werden beschimpft. "Die Gänse haben für Weihnachten gestimmt", hieß es etwa bei Spiegel Online. Abgesehen davon, dass sich das letztlich über jede Wahl behaupten lässt, verrät der Artikel eine unfassbare Arroganz gegenüber den britischen Wählern. Bei allem, was man von Johnson und den Konservativen tatsächlich erwarten und befürchten kann: Es ist aus Sicht der kleinen Leute durchaus rational, für den Brexit zu stimmen, um damit wenigstens in der Zukunft wieder Einfluss nehmen zu können.

Gleichzeitig wird noch versucht, das aus Sicht der EU-Freunde katastrophale Ergebnis schönzureden. Das ZDF suchte sich dafür ausgerechnet die britischen Grünen aus, die ihr Ergebnis von 1,6 auf 2,7 Prozent steigern und einen Sitz im Unterhaus erringen konnten – einen von 650. Das nannte der Sender auf Twitter "das beste Ergebnis im Vergleich zu allen anderen Parteien".

Vor allem aber bemüht sich der Mainstream, die Zukunft Großbritanniens in den düstersten Farben zu malen. Das ist höchstwahrscheinlich Unsinn, schon weil die britische Wirtschaft längst nicht so vom Binnenmarkt profitierte wie die deutsche. Doch die Schwarzmalerei hat System. Ganz unabhängig von der Realität muss der Brexit schlechtgemacht und die komatöse Rest-EU verteidigt werden, schon damit die Deutschen nicht irgendwann einen Dexit für eine gute Idee halten.

Mehr zum Thema - Trotz Streikwelle – Neuer EU-Kommissar Breton fordert von Macron Umsetzung neoliberaler Rentenreform

Folge uns aufRT
RT
Kriegstrauma loslassen lernen

Diese Webseite verwendet Cookies. Klicken Sie hier, um mehr zu erfahren

Cookies zulassen