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Britischer OSZE-Sonderbeobachter in der Ukraine im Dunstkreis der Spione Ihrer Majestät

Britischer OSZE-Sonderbeobachter in der Ukraine im Dunstkreis der Spione Ihrer Majestät
Mark Etherington, stellvertretender Leiter der OSZE-Sonderbeobachtermission in der Ukraine, in der umkämpften Donbass-Region. (Petrowske, 9. Oktober 2019)
Zur Konfliktbefriedung unterhält die OSZE eine Sonderbeobachtermission in der Ostukraine. Deren stellvertretender Leiter ist Mark Etherington, der offenbar im Dunstkreis britischer Geheimdienste operiert. Eine Analyse des ehemaligen Kriminalbeamten Jürgen Cain Külbel.

von Jürgen Cain Külbel 

Im November 2018 ernannte die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) den Briten Mark Etherington zum "neuen" stellvertretenden Leiter der Sonderbeobachtermission in der Ukraine. Einarbeiten musste er sich nicht, das Amt hatte er schon 2014 inne, "unterbrach" jedoch die Tour, um "zwischen 2016 und 2018 über Syrien zu arbeiten". Ob er von der OSZE beauftragt wurde, welche Aufgaben er dort zu erledigen hatte, bleibt im Dunkeln. Die Organisation lässt sich auf E-Mail-Anfragen nicht ein. 

Untersuchungsfrage: Gibt es eine Verbindung zwischen Mark Etherington und dem Gründer der Weißhelme, James Le Mesurier, der am 11. November 2019 in Istanbul nach derzeitigem Erkenntnisstand Selbstmord verübte? Beide Briten waren in Sachen "Syrien" unterwegs. 

Türkische Polizisten vor der Wohnung von James Le Mesurier in Istanbul, Türkei, am 11. November 2019.

Untersuchungsergebnis: Der am 11. August 1996 zum Hauptmann der Royal Army ernannte James Le Mesurier wurde 1998 in das Büro des Hohen Repräsentanten der internationalen Staatengemeinschaft in Bosnien und Herzegowina (OHR) nach Sarajevo "abgeordnet", welches der spanische Ex-Außenminister Carlos Westendorp vom 18. Juni 1997 bis zum 18. August 1999 leitete. Westendorp reagierte nicht auf meine Anfrage, wie Le Mesurier in diese Position kam, wer ihn empfohlen hatte, welches seine Aufgaben waren, ob er ihm direkt unterstellt war, sich in einer militärischer Befehlskette befand oder beides zugleich.

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Der 82-jährige Spanier hat sicherlich wichtige Gründe für sein Schweigen, denn auch er ist ebenso mit dem Kriegsschauplatz Syrien verbunden. Bei seinem Toledo International Centre for Peace (CITpax) ist er Mitbegründer, war Vizepräsident und ist jetzt Gremiums-Mitglied. Diese Organisation veranstaltete mit dem Institute for Integrated Transition – beide Teil der Europäischen Initiative zur Vorbereitung des Übergangs im Nachkriegs-Syrien – 2016 und 2017 die "Tahdir Workshops for Syrian Civil Society" der EU zum "Training von Ausbildern" als künftige Führer der syrischen Zivilgesellschaft. Naheliegend, dass Westendorp, der im westlichen Regime-Change-Strom in Sachen Syrien mitschwimmt, kein Wörtchen über Le Mesurier verlieren möchte.

Auch nicht über Etherington, mit dem Westendorp ebenfalls seit den Zeiten auf dem Balkan verbandelt ist. Fotos vom 15. Oktober 1998 zeigen den britischen Außenminister Robin Cook,  Verteidigungsminister George Robertson, Generalmajor John Karol Drewienkiewicz und Mark Etherington im Außenministerium in London. Drewienkiewicz und Etherington machten sich direkt danach in das Kosovo auf, um dafür zu sorgen, "dass sich der serbische Führer Slobodan Milošević an die Bedingungen eines Friedensabkommens" hält; kurzum: um den völkerrechtswidrigen Kosovo-Krieg vorzubereiten, den die NATO dann im März 1999 ohne UN-Mandat und durch Manipulation der Öffentlichkeit losgetreten hat.   

So wie Le Mesurier diente auch Drewienkiewicz seit dem 3. Januar 1998 dem Hohen Repräsentanten in Bosnien und Herzegowina(OHR), also Westendorp, und zwar als "militärischer Berater". Und Etherington, damals 39 Jahre alt, war "Begleiter" von Drewienkiewicz, der sich schon im Januar 1999 "einen Namen machte". Er erfand gemeinsam mit dem damaligen Chef der Kosovo-Beobachtergruppe der OSZE, dem Amerikaner William Walker, das "Massaker von Račak", um der NATO eine Rechtfertigung für den Militärschlag gegen Belgrad zu verschaffen. Analogien in Syrien durch die Weißhelme sind mit der Hand zu greifen. James Le Mesurier, Mark Etherington, John Drewienkiewicz kennen sich also spätestens seit 1998 durch die gemeinsame und zeitgleiche Tätigkeit beim OHR in Sarajevo. 

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Symbolbild: Prince Charles und der James-Bond-Darsteller Daniel Craig (20. Juni 2019)

Wie wichtig den Briten das Amt des OHR war, zeigt die Personalie Lord Jeremy John Durham "Paddy" Ashdown, der es vom 27. Mai 2002 bis zum 31. Januar 2006 ausübte. Die Sarajevo Daily hatte denEx-Royal Marine und Ex-Kommandanten des Special Boat Services in einem Zeitungsartikel vom 2. September 2005 als britischen MI6-Agenten identifiziert. Eine umfangreiche, doch unvollständige Liste von 276 MI6-Agenten war an die US-amerikanische Webseite Cryptome durchgesickert; darin aufgeführt: Jeremy John Durham Ashdown (Paddy Ashdown): geboren 1941; 74 Genf (1. Sekr)." 

Untersuchungsfrage: War Mark Etherington auf dem Balkan in "geheimdienstlicher Mission" unterwegs? 

Ermittlungsergebnis: Etherington, aufgewachsen in Kuwait and Katar, Absolvent der Universitäten York, Cambridge sowie der Royal Military Academy Sandhurst, diente von 1984 bis 1991 im Parachute Regiment; inklusive in Nordirland, wie auch Le Mesurier. Meine Ermittlungen ergaben, dass er 1992 mit dem Motorrad durch Afrika tourte, es in Kenia schrottete, knapp bei Kasse war. Schon im Dezember 1992 rief er seinen Freund Major Milos Stankovic an: er sei in Bihac im Kosovo, "habe jetzt einen Job als Beobachter der Europäischen Gemeinschaft".

Offenbar war der Privatier nach dem Ausscheiden aus dem Militär weiterhin in Kontakt mit "Dienststellen", sozusagen auf Abruf unterwegs. Der Karrieresprung vom Ex-Fallschirmspringer zum Abgesandten des Außenministeriums ist bemerkenswert. Offiziell war Etherington von 1992 bis 1995 Beobachter der European Community Monitor Mission(ECMM)im ehemaligen Jugoslawien. Dort – so der Buchautor Brendan O'Shea – trug er neben anderen Nachrichtensammlern "zur Zusammenstellung einer riesigen Datenbank mit Informationen bei". 

Nach meinen Ermittlungen war Sir Michael "Mike" Jackson, General a. D. der British Army, von 2003 bis 2006 deren Oberbefehlshaber, im Juni 1995 zu Gast auf der Hochzeit von Mark Etherington und Gattin Chelsea Renton. Jackson war zweiter Kommandant des Ersten Bataillons des Fallschirmregiments, hatte seine militärische Karriere 1963 beim Nachrichtenkorps, einer Einheit des militärischen Nachrichtendienstes und der Gegenspionage der britischen Armee begonnen, die in Nordirland eine Schlüsselrolle spielte. Die sogenannte 14. Intelligence Company, auch 14 INT oder The Det genannt, kam auch in Bosnien und im Kosovo zum Einsatz – und Jackson natürlich auch. Vielleicht ein Hinweis, dass Etherington für den militärischen Nachrichtendienst unterwegs war. 

Zurück zum Foto vom 15. Oktober 1998: Kurz vor dem Abflug in das Kosovo sagte Etherington The Times, er sei ein "ehemaliger freiberuflicher Journalist bei The Sunday Times", hätte "kürzlich ein Unternehmen in Zagreb und Sarajevo geleitet, das neuen Unternehmen hilft, nach Kroatien und Bosnien zu ziehen. Zu seinen jüngsten Kunden gehörten die Super-Rock-Band U2, Texaco, Rolls-Royce sowie das Ministerium für Handel und Industrie".

Sicherheitspersonal bei einer CBRN-Übung (Symbolbild aus Kanada).

Ermittlungen bei The Sunday Times im dortigen Archiv erbrachten keinen Hinweis auf eine journalistische Tätigkeit. Ebenso lief die Suche nach einer Verbindung zur irischen Rockgruppe U2 ins Leere. Die hatte am 23. September 1997 im kriegsgebeutelten Sarajevo ein Konzert gegeben. Der Organisator, Muhamed Sacirbey, damals bosnischer Botschafter bei der UNO, schrieb mir, er war bereits 1996 mit seiner Lebensgefährtin "Mabel einige Tage zu Gast bei Bono in der Nähe von Dublin. Das war der Zeitpunkt, an dem die Idee des Konzerts aufkam. Es ist fair zu sagen, dass ich die Rolle des Gesamtorganisators zusammen mit dem U2-Team" innehatte. 

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Die Berufsbezeichnung "Journalist" ist eine klassische Legende für Mitarbeiter des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6. 2004 flogen Anthony Monckton, "der ungekrönte König der Geheimdienste auf dem Balkan" und mehrere seiner MI6-Agenten auf. Eine Belgrader Zeitung druckte Fotos, Telefonnummern, E-Mail-Details ab und zwang die Herren so, wieder auf ihre Insel zu flüchten. Die Geschäftsfrau Rosa Monckton, Schwester des Agenten, gab 2007 zu: "Jemand in meiner Nähe war im MI6." Rosa Monckton ist verheiratet mit dem Zeitungsmann Dominic Lawson, der vom Ex-MI6-Offizier Richard Tomlinson beschuldigt wurde, ein MI6-Aktivposten mit dem Codenamen "Smallbrow" gewesen zu sein. Lawson, Herausgeber von The Sunday Telegraph, Sohn des ehemaligen Tory-Kanzlers Nigel Lawson, soll Anfang der 1990er Jahre einem MI6-Offizier auf einer Mission an der Ostsee journalistische Deckung gegeben haben.

Im Jahr 2000 bestätigte David Leigh in British Journalism Review, dass Lawson zu jener Zeit Herausgeber des Spectator war:

Zwei Artikel erschienen Anfang 1994 in der Zeitschrift Spectator unter der Zeichnung eines Kenneth Roberts ... Sie waren in Sarajevo verfasst, und 'Roberts' wurde als 'Berater' der UNO in Bosnien bezeichnet. Es war der MI6-Offizier Keith Robert Craig, der als Zivilist getarnt dem Balkan-Sekretariat der britischen Militäreinheit zugeordnet war. 

Lawson war aber auch von 1995 bis 2005 Herausgeber von The Sunday Telegraph. War Mark Etherington seine journalistische Deckung entfallen oder verwechselte er The Sunday Telegraph mit dem Konkurrenzblatt The Sunday Times?

Summa summarum: Mark Etherington ließ Interviewanfragen des Autors unbeantwortet. Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass er auf dem Balkan geheimdienstlicher Tätigkeit nachging.

Mitglied der Weißhelme in Idlib, Syrien, 16. Juli 2019.

Untersuchungsfrage: Gibt es punktuelle Übereinstimmung der bisherigen Ermittlungen mit bereits ermittelten Ergebnissen über das Vorgehen der Briten gegen Syrien? 

Ermittlungsergebnis: Der Ex-Fallschirmjäger Etherington, der Weißhelm-Pate Le Mesurier und Generalmajor Drewienkiewicz gaben sich 1998 im Büro des Hohen Repräsentanten in Bosnien und Herzegowina(OHR) die Klinke in die Hand. Im Oktober 2003 wurde Etherington zum Gouverneur der mehrheitlich schiitischen Gouvernement Wasit im Irak bestellt. Gemeinsam mit Rory Stewart, heute Parlamentarier, fuhr er dorthin. Stewart wird nachgesagt, dass er nach seinem Abschluss an der Universität Oxford vom MI6 rekrutiert worden sei. Er entgegnete, dass sein beruflicher Werdegang und die Arbeit seines Vaters für das MI6 zwar "den Anschein erwecken" könnten, dass er aber aufgrund des Official Secrets Act – selbst wenn er für MI6 gearbeitet hätte – das nicht zugeben könnte, selbst wenn er es getan hätte. 2005 ging Etherington nach Afghanistan. Beide Male mit dem "political officer" Timm Timmons. "DOS political officer" steht als ein Synonym für CIA. 

Heute treffen sich Etherington, Drewienkiewicz und "Freunde" mit dem zu Bosnien- und Kosovo-Zeiten amtierenden MI6-Chef Richard Dearlove in der Henry Jackson Society(HJS). Das ist ein neokonservativer Think Tank mit Sitz in London, der seit 2011 den Regime Change in Syrien einfordert. Dr. Alan Mendoza, Gründer der HJS, machte am 22. August 2013 deutlich, "wir (die Briten samt NATO) müssen intervenieren in diesem Konflikt gegen Assad". Die HJS mischt aktiv in der britischen Außenpolitik mit, stellt ihre Sekretariate für die sogenannten All Party Parliamentary Groups (APPG) zur Verfügung und ist mit mindestens zwei Personen – darunter mit dem Abgeordneten Alistair Burt, der mit dem Ex-MI6-Chef John Scarlett auf Tour in den Nahen Osten fährt – in der All Party Parliamentary Group "Friends of Syria" vertreten.

Die APPG "Friends of Syria" wurde seit 2015 vom Parlamentarier Andrew Mitchel angeführt. Mitchell ist ein Mann des MI6; er war 2011 im Auftrag dieses Dienstes in Libyen in Aktion. Wen wundert es, dass die Weißhelme von James Le Mesurier, Eliot Higgins von Bellingcat, der Chemiewaffen-Experte Hamish de Bretton-Gordon und andere Regime-Change-Fanatiker in dieser APPG eine Heimat gefunden haben? Rekrutiert die sich doch aus wichtigen Parlamentariern, Militärs und Entscheidungsträgern, die Geldflüsse freimachen, Kontakte herstellen und "Dinge" zum Laufen bringen. Und sie freuen sich, wenn Etherington im Rahmen der OSZE-Tätigkeit in der Ukraine britische Wünsche bei den Ermittlungen in Sachen MH17 deutlich macht.

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