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Britische Denkfabrik fordert Kurse für Journalisten über NATO-freundliche Berichterstattung

Britische Denkfabrik fordert Kurse für Journalisten über NATO-freundliche Berichterstattung
Britische Denkfabrik fordert Kurse für Journalisten über NATO-freundliche Berichterstattung (Archivbild Church House Conference Centre, London, 20.06.2018: Das RUSI hält die jährliche Land Warfare Conference (Konferenz zur Kriegsführung zu Land) ab.)
Berichte, die wahre, aber für die NATO peinliche Tatsachen wiedergeben, darf es in den westlichen Medien in Zukunft nicht mehr geben. Dafür sollen westliche Journalisten flächendeckend geschult werden – zumindest wenn es nach der britischen Denkfabrik RUSI geht.

von Damian Wilson

Embedded journalists – Journalisten, die in militärische Einheiten eingebettet, also integriert sind, und so bei bewaffneten Konflikten von der vordersten Front berichten – gab es in dieser Art nach Ende des Zweiten Weltkriegs lange nicht mehr. In der westlichen Welt etablierten sie sich seit dem Überfall der US-geführten Koalition der Willigen auf den Irak erneut. Streitkräfte der westlichen Länder setzen sie ein, um das von ihnen bevorzugte Narrativ verlautbaren zu lassen. Nun fordert der britische Thinktank RUSI (Royal United Services Institute, dt. etwa: Königliches Institut der Vereinten Teilstreitkräfte), jetzt ein Länder übergreifendes Sicherheitstraining für alle Journalisten – damit sie bloß nicht Russland oder China helfen, indem sie die Wahrheit über die Streitkräfte der NATO berichten.

Der britische Verteidigungsminister Gavin Williamson will sein Land wieder zu einer globalen Großmacht aufstellen. Dafür will er die Streitkräfte modernisieren und ausbauen, damit London auch

Das Royal United Services Institute hat enge Verbindungen zu hochrangigen Funktionären in den Streitkräften, Rüstungsunternehmen, ausländischen Regierungen und großen multinationalen Konzernen. Dementsprechend soll die von RUSI vorgeschlagene Ausbildung für westliche Journalisten vom Militär unterstützt und beaufsichtigt werden. Sein Hauptsitz befindet sich gegenüber der Straße 10 Downing Street in London; die Denkfabrik arbeitet eher wie ein Geld-Staubsauger. Finanziert wird das Ganze von der Europäischen Kommission, dem Verteidigungsunternehmen BAE Systems, der katarischen Regierung, den Tabak-Großkonzernen Philip Morris und Imperial Tobacco, dem US-Außenministerium, Google und vielen anderen.

Nun schlägt Elisabeth Braw, die bei RUSI das Projekt Modern Deterrence (dt.: moderne Abschreckung) leitet, vor, die "nationale Sicherheit als eine Spezialdisziplin des Journalismus" zu lehren. Damit soll unparteiischen Reportern der Zaum angelegt werden, die ansonsten vielleicht frei  beschreiben würden, was sie während eines bewaffneten Konflikts und anderswo erleben.

Jeder Journalist ein Embedded Journalist

Der Vorschlag ist im Grunde genommen, den Journalismus in eine PR-Kampagne zu verwandeln, bei der eine konforme Presse aktiv mit dem Militär zusammenarbeitet, um einer gutgläubigen und unkritischen Öffentlichkeit eine Version der Nachrichten vorzusetzen, in der unbequeme Details ausgelassen werden – selbst dann, wenn sie sowohl keiner Geheimhaltung unterliegen als auch wahr sind.

Die Journalistin Elisabeth Braw veröffentlichte auf dem Nachrichtenportal Foreignpolicy einen Artikel mit der Überschrift "Loose Lips Sink Democracies" (dt.: "Lose Zungen versenken Demokratien", Abwandlung des Slogans aus dem Zweiten Weltkrieg "Loose lips sink ships". Äquivalent des deutschen Spruches "Schwätzer, schäm dich") – und sie meinte es nicht ironisch.

Im Artikel erinnert sich Frau Braw an einen Bericht aus Schweden im Jahr 2014 zu einem angeblichen U-Boot-Vorfall. Die schwedische Marine behauptete zuvor, einem "feindlichen" U-Boot in den Gewässern Schwedens auf der Spur zu sein – doch musste nach der Verfolgung aller vorhandenen Spuren feststellen, dass das vermeintliche U-Boot nur eine defekte Wetterboje war, schrieb Svenska Dagbladet.

Ein Schützenpanzer Marder fährt während des Medientages der NATO-Übung

Obwohl der Bericht den Tatsachen entsprach, passte Braw der Ton nicht: Der Artikel lasse die Glaubwürdigkeit der schwedischen Marine mit einer Delle im Blech zurück, so die Journalistin. Den Spott, der darauf in den russischen Medien ausbrach, führte sie auf "schlampigen Journalismus" zurück.

Als schlampig mag man den Bericht vielleicht werten, und die Schlagzeilen könnten vielleicht etwas weniger Clickbait-Charakter vertragen, aber er ist trotzdem wahr. Jeder Zeitungsredakteur, der sein Gehalt wert ist, wird nach dem Haken an einer Story suchen – und in diesem Fall war es eben, dass die Marine Zeit, Geld und Mannstunden daran verschwendet hatte, einer Spur nachzugehen, die zu einem lustigen, aber letztlich leeren Ergebnis führte.

Ferner wären da die Berichte über eine NATO-Übung in Norwegen, bei der Truppen sich an der Mauer einer Tagesstätte erleichterten. Gefolgt von einem Bericht aus den Niederlanden, wonach Soldaten auf eigene Kosten Unterwäsche kaufen mussten, und einem deutschen Zeitungsartikel, der davon berichtet, dass deutsche Truppen 18 Monate auf ihre Stiefel warten müssen.

Alle Artikel sind wahr, alles darin präzise berichtet – doch laut Elisabeth Braw untergraben sie westliche Militäroperationen, indem sie Tür und Tor für den Hohn seitens respektloser russischer Medien öffnen. Und das darf natürlich nicht sein. Sie räumt ein, dass der Gedanke, eine freie Presse zügeln zu müssen, "ungemütlich" sei, hält es aber für sinnvoll, dass die scheinbar sakrosankte Natur der nationalen Sicherheit es wert sei, gelegentlich den einen oder anderen Journalisten zu opfern: Schließlich schätze "kein Anhänger der westlichen Demokratie den russischen oder chinesischen Einfluss".

Die USA befassten sich während des Irak-Krieges im Jahr 2003 als Erste mit diesen neugierigen Männern und Frauen, die so gern peinliche Geschichten schreiben: über schlechtes Verhalten der Truppen, in den Sand gefahrene Operationen, minderwertige Ausrüstung und Militärgerät, das mit Problemen zu kämpfen hat. Deshalb werden Reporter in die Einheiten der Streitkräfte vor Ort "eingebettet". Natürlich wird die Einbettung von Journalisten in die Truppe den leichtgläubigen Medienorganisationen als eine einmalige Gelegenheit verkauft, ihren Schlachtfeldreportern unter voller Mitwirkung der Dienste einen Platz in der ersten Reihe zu sichern.

Manning am Donnerstag vor dem Gericht in Alexandria, Virginia

Doch in Wirklichkeit, wie schon durch Chelsea Manning, die Whistleblowerin im Geheimdienst der US Army, bei ihrem Einsatz im Irak gezeigt, wird die Überprüfung dieser Reporter durch militärische PR-Funktionäre genutzt, "um diejenigen auszusortieren, bei denen kritische Berichterstattung wahrscheinlich ist". Sobald sie eingebettet waren, neigten Journlisten dazu, "kontroverse Berichte zu vermeiden, die für Aufsehen sorgen könnten", aus Angst, ihnen würde der Zugang zur Truppe entzogen werden. Wie Manning es damals erklärte:

Ein Ergebnis ist, dass der Zugang der US-amerikanischen Öffentlichkeit zu den Fakten ausgehöhlt wird, was ihr keine Möglichkeit gibt, das Verhalten US-amerikanischer Funktionäre zu bewerten.

Seit also der militärische PR-Brainstorm den "eingebetteten Journlismus" ans karge Ufer der westlichen Medienlandschaft spülte, führt diese gemütliche, geprüfte, akkreditierte und entschieden einseitige Beziehung zu einem Anstieg einer schamlosen Propaganda, die sich für Journalismus ausgibt.

Der jüngste schwärmerische Bericht auf der Website von National Interest über den "unaufhaltsamen" F35-Jet bei Manövern ist nur ein Beispiel dafür. Jeder, der aufgepasst hat, weiß, dass das F35-Projekt der USA seit Jahren von technischen und finanziellen Problemen heimgesucht wird.

Indes berichtete die gleiche Website Anfang des Jahres, dass ein russisches Projekt für ein Tarnkappenflugzeug eine "lahme Ente" sei, und spottete über angebliche Mängel in einem direkt nach dem RUSI-Methodenblatt erstellten Bashing-Artikel. Bei dieser Art von Bericht könnte man einfach mit Verweis auf naiven "schlampigen Journalismus" müde abwinken – bei minimalem Misstrauen sieht man jedoch einen wahren Meisterkurs in Propaganda.

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Damian Wilson ist ein britischer Journalist und Spezialist für politische Kommunikation.

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