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Das andere Jubiläum – Was die DDR heute noch mit dem 3. Oktober verbindet, Teil 1

Das andere Jubiläum –  Was die DDR heute noch mit dem 3. Oktober verbindet, Teil 1
Symbolbild: DDR und Sowjet-Souvenirs, Berlin, Deutschland, 16. Juli 2009.
Es gibt Daten, denen manch einer mit gemischten Gefühlen begegnet. Der 11. September ist solch ein Tag, der mich zuerst an Salvador Allende und dann an 9/11 erinnert. Oder der 9. November, oder eben auch der 3. Oktober. An diesem Tag wurde 1969 der Berliner Fernsehturm eröffnet.

von Felix Duček


(Teil 1, Teil 2 folgt)

Na klar, Tag der Republik war natürlich der 7. Oktober, 1949 nur noch die einzig mögliche Antwort auf die von den drei westlichen Alliierten bereits im Mai 1949 mit der Verabschiedung des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland vollendete deutsche Spaltung. Das alles trotz der zäh errungenen Beschlüsse der alliierten Siegermächte in den Konferenzen von Teheran Ende 1943, in Jalta auf der Krim vom Februar 1945, der Berliner Erklärung vom 5. Juni 1945 nach der Befreiung des faschistischen Deutschlands und des Potsdamer Abkommens Anfang August  ’45, die allesamt ein "Deutschland (samt Berlin) als Ganzes" anzustreben vorgaben. 1949 dagegen war ja die Spaltung wirtschaftlich längst durch die separate Einführung der Westmark in der anglo-amerikanischen Bizone – wenig später der Trizone – beschlossen und vollzogen.

Aber warum könnte der 3. Oktober in diesem Jahr dennoch auch für viele frühere DDR-Bürger ein denkwürdiger Tag der Erinnerung sein, über den sogar ein Westdeutscher noch etwas dazulernen könnte? Rechtzeitig vor dem 20. Jahrestag der Gründung der DDR wurde am 3. Oktober 1969 in Berlin, Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik, der Berliner Fernsehturm eingeweiht, und auch als Zweck des Ganzen der reguläre Sendebetrieb des Zweiten Deutschen Fernsehens – der DDR wohlgemerkt, in Farbe.

Andere Zeiten: Am Alexanderplatz im Oktober 1989

Da sagte mir doch neulich ein – ansonsten politisch aufgeweckter und historisch interessierter – Alt-Bundesbürger ganz ernsthaft, der Fernsehturm am Alex wäre doch von West-Architekten gebaut worden. So weit ist also die Verfälschung von DDR- Geschichte bereits in die Hirne geträufelt, und das ist gar kein Wunder, wenn man sich die heutigen "gesamtdeutschen" Schulbücher als Pflichtlektüre durchsieht. Wenn über die frühere DDR hergezogen wird, nennt man solches heute "Indoktrination", aber wie schon zu Zeiten Roms: Der Sieger schreibt die Geschichte um, auch wenn sich die Balken biegen. Das kann ja gar nicht sein, dass erstens die DDR überhaupt so einen Turm hinsetzen konnte, der von nahezu überall – auch aus Berlin-West – nicht zu übersehen ist, und zweitens, dass man das "Ding" dann bis heute auch noch stehengelassen hat, statt – wie den Palast der Republik – schleunigst zu entsorgen. Der Sieger schleift die Geschichte und ihre Zeugnisse, bis sie glatt und rund im alten Glanz erscheinen. Und leider ist der Turm im nunmehr zurückliegenden halben Jahrhundert nicht einmal von selbst umgefallen, obwohl Gelegenheit dafür bestanden hätte.

Heute scheint die Geschichte des Wiederaufbaus von Berlin bei den Berlinern fast vergessen oder vielen Zugezogenen – erst recht den Touristen – nicht mehr bekannt oder bewusst zu sein. Am Ende war der Zweite Weltkrieg mit den Verheerungen der Deutschen Wehrmacht in nahezu ganz Europa als Bombenkrieg der Alliierten gegen deutsche Städte zurückgekehrt, auch Berlin in Schutt und Asche, insbesondere auch das Zentrum um den Alex. Faschistische Durchhalteparolen zum Straßenkampf gegen die von allen Seiten rund um die Stadt vorrückende sowjetische Rote Armee hatten der Stadt bei der Befreiung den Rest gegeben, es blieb für Jahre eine schier endlose Ruinenlandschaft.

In Ost wie West wurden so in der Nachkriegszeit mühsam Trümmerberge zusammengekarrt, vom Berliner schnoddrig "Mont Klamott" genannt. Und es waren reichlich Trümmer da, sogar genug für mehrere besonders stattliche: für den Großen Bunkerberg im Volkspark Friedrichshain im Ostteil unweit vom Alex, aber auch für den „Insulaner“ in Schöneberg und den Teufelsberg im Grunewald – und viele weitere kleinere Trümmerberge. "Auferstanden aus Ruinen" wuchs in Ost-Berlin Jahr für Jahr nach der Gründung der DDR wieder eine deutsche Hauptstadt, dieser nun abgetrennten, anderen Republik. Nicht nur der neue Lebensmut und feste Wille vieler Überlebender und Heimkehrer nach dem Krieg, auch der Ideenreichtum namhafter Architekten halfen, mit der DDR eine neue Ordnung einer Gesellschaft zu versuchen, damit auch diese Stadt wieder zum Leben zu erwecken und immer lebenswerter aufzubauen.

Im Herzen rassistisch und nationalistisch? Kinder beim Blindekuh-Spielen, Leipzig 1976

Kalter Krieg, ein heute geradezu skurril erscheinender Viermächte-Status von Berlin, mittendrin mit einer Trennlinie der zwei größten Militärblöcke weltweit: der NATO und den Warschauer Vertragsstaaten – ließen in dieser geteilten Stadt Berlin nichts anderes zu, als nun de facto zwei Stadtzentren zu errichten. Ost-Berlin war – dankenswerterweise (oder wegen des absehbaren Löwenanteils und Blutzolls der Roten Armee bei der Befreiung Berlins?) – auch der mittelalterliche Stadtkern um die Marienkirche, Nikolaikirche und Petrikirche zwischen Königstor (am Friedrichshain) und Brandenburger Tor (am Tiergarten), also das eigentliche Zentrum Berlins durch die vier Siegermächte zugesprochen worden.

Wen wundert es, dass in der DDR – ohne ein "Wirtschaftswunder" dank Marshall-Plan, stattdessen  Reparationszahlungen der DDR an die zerschundene UdSSR –  die Ressourcen für den Wiederaufbau knapp waren? Für das nahezu vollständig zerbombte Schloss der Hohenzollern-Dynastie im Zentrum jedenfalls fehlten sowohl ökonomische die Mittel als auch der politische Wille und so gähnte dort noch Jahrzehnte von Unter den Linden bis zum Alexanderplatz eine Lücke. Umgeben vom traditionsreichen Lustgarten mit dem Schinkelbau des Neuen Museums und vom Berliner Dom, steht neben dem früheren Marstall bis heute der Neubau des DDR-Staatsratsgebäudes, in das wenigstens das Portal IV des Schlosses nach "Goldenem Schnitt" eingefügt worden war, quasi als Erinnerung an Karl Liebknechts unerfüllt gebliebenen Traum von einer anderen (als der Weimarer) Republik, den er in den Wirren der Novemberrevolution 1918 von eben jenem Balkon verkündet hatte.

Über die Architektur in der jüngeren deutschen Geschichte, insbesondere in der DDR, könnte man viele Bücher schreiben, was ja auch getan wurde. Schon lange bevor heute krampfhaft in Endlosschleife versucht wird, 40 Jahre DDR und die Leistungen ihrer Bürger zu diskreditieren, lächerlich zu machen oder gänzlich zu verschweigen, wurde im Westen bereits vor der "Wende" nach Kräften Spott und Häme über die DDR ausgeschüttet, gepaart mit kaum verhohlenem Neid auch über den Fernsehturm.

Internationale Konferenz der kommunistischen und Arbeiterparteien. Im Vordergrund: Erich Honecker (r.) und Walter Ulbricht (M.)

Der steht, obwohl landauf, landab doch alles in der DDR angeblich nur Schrott war. Im 600-Seiten-Wälzer "Das große ADAC Deutschland Buch" von 1986 sucht man vergebens einen Fernsehturm. Weder im Kapitel über "Das andere Deutschland: Ein Porträt der DDR" noch über die deutsche Technikgeschichte. Mehr noch: im Kapitel über das (inoffizielle) "Bundesland Berlin – Geteilte Stadt…" wird auch sicherheitshalber nicht einmal der ansonsten gern als Westberliner Wahrzeichen vorgezeigte Funkturm erwähnt, um nicht versehentlich noch auf den Fernsehturm der DDR-Hauptstadt zu stoßen. Nur ein Foto des 1979 eröffneten Internationalen Congress Centrums (ICC) (vom Funkturm aus aufgenommen!) lässt den Berlin-Kenner im Dunst am Horizont den Fernsehturm am Alex, unweit daneben das Internationale Handelszentrum am S-Bahnhof Friedrichstraße erahnen. Insofern: Im Westen nichts Neues!


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