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Mediale Heuchelei um freie Schifffahrt auf ganz hoher See

Mediale Heuchelei um freie Schifffahrt auf ganz hoher See
US-Soldaten auf der USS John P. Murtha während eines Transits durch die Straße von Hormuz, Arabisches Meer vor Oman, am 18. Juli 2019.
Pier Paolo Pasolini soll moderne Intellektuelle mal als "Freibeuter" bezeichnet haben. Die alten Piraten hatten noch ein scharfes Bewusstsein vom Unrecht der Herrschenden. Damit sind sie den heutigen Herren und ihren Hofberichterstattern noch immer weit voraus.

von Flo Osrainik

Am 4. Juli 2019 haben britische Soldaten vor Gibraltar den iranischen Tanker "Grace 1" festgesetzt, das Schiff fuhr unter der Flagge Panamas und soll sich in internationalen Gewässern aufgehalten haben. Rund zwei Wochen später, am 19. Juli, haben Soldaten der Iranischen Revolutionsgarde dann einen britischen Tanker, die "Stena Impero" der schwedischen Reederei "Stena Bulk", in der Straße von Hormus aufgebracht. Der "Grace 1" werfen die Briten vor, Öl nach Syrien zu transportieren und damit EU-Sanktionen gegenüber Syrien zu verletzen. Der "Stena Impero" machen die Iraner wiederum den Vorwurf, ein Fischerboot gerammt und internationale Schifffahrtsgesetze missachtet zu haben. Na ja, aber so viel zur Ausgangslage einer weiteren Episode von "Gut gegen Böse". Ich hole etwas aus:

Drahtzieher und Kaperbriefe

In der Berichterstattung über diesen Konflikt zwischen den Briten und dem Iran fällt auf, dass die Briten zwar den iranischen Tanker zuerst geentert haben, dieser im weiteren Verlauf der Geschichte ausschlaggebende Punkt für unter transatlantischer Fahne fahrende Medien und Politiker allerdings ertränkt wird. Denn im Iran gab es nach der britischen Aktion vor Gibraltar doch tatsächlich Stimmen, die eine Reaktion der Obrigkeit auf diesen Akt der "Piraterie" forderten. Sogar die SZ wusste im Artikel "Freie Fahrt auf hoher See" vom 12. Juli 2019 schon, und zwar noch bevor die Iraner wussten, was sie taten, wer Schuld daran hätte, falls die Iraner tun, was sie dann auch taten. Nämlich Vergeltung üben. Und Schuld haben – bingo – natürlich die Mullahs im Iran. Wer sonst? Der Twitter-Trump, die Allmachts-NATO, die saudische Kopfabschneiderdiktatur von nebenan oder das israelische Apartheidsregime von gegenüber vielleicht? Nein, nein, so ist das in der Drehbuchfabrik nicht vorgesehen.

Der polnische Präsident Andrzej Duda und der deutsche Außenminister Heiko Maas (r.) bei einem Treffen in Warschau am 31. Juli 2019

Interessant, und in der Berichterstattung ebenfalls so ziemlich abgesoffen, ist auch eine angebliche Bitte der USA an die Briten, einen Supertanker mit iranischem Öl an der Weiterfahrt zu hindern. Und das, noch bevor die "Grace 1" gekapert wurde. Doch dem geht man lieber nicht nach, da die Spur in die falsche Richtung zeigt. Und so müssen eben die EU-Sanktionen gegen Syrien für die Legitimität des britischen Kaperbriefs gegen den Iran herhalten.

Müssen die Grenzen der EU neu vermessen werden?

Jetzt kann man die Seekarte allerdings drehen und wenden, wie man will, Syrien und der Iran rutschen einfach nicht in die EU. Nach welchem Recht sollten also einseitige EU-Sanktionen Syrien und den Iran binden? Nach dem Völkerrecht vielleicht? Aber das geht irgendwie auch nicht, wie ja schon die SZ präventiv feststellen und weiter am Text basteln musste, damit der Iran auch sicher der Bösewicht bleibt. Der Konjunktiv, die SZ und sogenannter, nein, vielmehr selbst ernannter Qualitätsjournalismus – oder Propaganda.

Genauso gut könnten aber auch Syrien, der Iran und Russland Sanktionen gegen die EU oder die USA, sagen wir wegen diverser völkerrechtswidriger Kriege in jüngster Vergangenheit, ausrufen und Schiffe, die sich nicht an ihre einseitigen Sanktionen halten, vor ihren Küsten aufbringen. Oder etwa nicht? Das tun sie aber nicht. Klar schießt sich der Schwächere nicht auch noch ins eigene Bein. Und jetzt kommen die Kriegstreiber wieder daher und heucheln willkürlich etwas über die Freiheit der Schifffahrt zusammen, die natürlich in der Straße von Hormus – dort muss ja das ganze Öl für die "Guten" durch – zu gelten hat und dort zu sichern wäre, aber offensichtlich nicht in der Straße von Gibraltar – da muss man durch, wenn man etwa zum syrischen Regime, zu den "Bösen" will.

Von Schwanzwedlern und feigen Hühnerseelen

Wie sprach der englische Pirat Samuel Bellamy zum Kapitän eines gekaperten Frachters – er hätte aber auch einen Medienkapitän meinen können – im Jahr 1716, um ihn zum Übertritt zu überreden:

Verdammt, Ihr seid ein schniefeliger Hundsbalg, und genauso wie alle, die hinnehmen, von Gesetzen regiert zu werden, die reiche Leute zu ihrer eigenen Sicherheit gemacht haben, weil diesen feigen Hühnerseelen die Courage fehlt, auf andere Weise das zu verteidigen, was sie durch ihre Schurkereien zusammengerafft haben. Fluch und Blut über dieses ganze Pack gerissener Schufte! Und über Euch, der Ihr denen als ein Posten hühnerherziger Trottel gerade recht dient! Das ist der einzige Unterschied zwischen mir und Ihnen: Sie berauben die Armen unter dem Deckmantel des Gesetzes. Und wir plündern die Reichen unter dem Schutz allein unserer Courage! Wäre es nicht tausendmal besser für Euch, bei uns mitzumachen, anstatt hinter den Ärschen dieser Schufte herzuschnüffeln? Nein? [...] Mit solchen Schwanzwedlern wie Euch ist ja kein Argumentieren, mit derartigen Weichbolden, die jedem Popanz erlauben, sie übers Deck zu pfeifen. Na schön, meinetwegen könnt Ihr laufen, wohin immer Ihr wollt, und denen nach wie vor in die Ärsche kriechen. Solch schäbige Windeln wie Euch zwinge ich zu nichts. [...] Also dann! Haut ab! Verduftet! Enthebt uns der Anstrengung, Euer beleidigtes Gesicht länger in unserer Mitte zu sehen, als unsere Gutmütigkeit erträgt! Lebt wohl, Kapitän! Euer kleines Beiboot steht zu Eurer Verfügung. Gute Reise! Sprecht nett über uns, und lasst Euch nie wieder blicken! Tschirio!

Im Kielwasser mit FAZ und Nouripour

Und da fällt mir doch die FAZ mit Fahrgast Omid Nouripour ein. Der Vorstand der imperial ausgerichteten Atlantikbrücke, Beisitzer im Vorstand der Deutschen Atlantischen Gesellschaft und außenpolitischer Sprecher der Grünen meint, dass nun "eine besonnene Reaktion auf die iranische Provokation" notwendig sei. Damit liegt der transatlantische Einflussagent der Grünen ja auch voll im Fahrwasser der Manipulation, der Verkürzungen und Verdrehungen, wenn es um strammen Feindbildaufbau geht. So wie die FAZ, die ihre Leser schon in der Überschrift einer Abstimmung zur jüngsten Tankeraffäre manipuliert: "Wie sollte auf die iranischen Provokationen reagiert werden?"

(Symbolbild). Der Zerstörer der Royal Navy, HMS Duncan, durchquert den Suezkanal in den Golf, 28. Juli 2019.

Um das nun nicht so stehen zu lassen, möchte ich Nouripour und die FAZ, auch in Bezug auf Ursache und Wirkung, dann doch kurz korrigieren, denn es ist vielmehr eine besonnene Reaktion auf die US-britische Kriegstreiberei notwendig, und man muss doch folgende Frage stellen, wenn einem etwas an Frieden und Gerechtigkeit liegt: Wie sollte auf die mediale Propaganda reagiert werden?

Ein kleiner Zusatz

Ach ja, die herrschende Doppelmoral wurde schon im Jahr 1886 recht zutreffend im portugiesischen Strafgesetzbuch festgehalten: "Seeräuber ist, wer als Führer eines bewaffneten Fahrzeuges ohne Auftrag eines Herrschers oder selbständigen Staates auf dem Meer umherfährt, um Raub oder irgendwelche Gewaltakte zu begehen." Und das Wörterbuch des Völkerrechts um das Jahr 1925: "Piraterie ist räuberisch gewaltsamer Angriff auf See ohne staatliche Autorisation." Aber die Zeiten, zu denen ausschließlich Staaten legal auf hoher See herumräubern durften, sind ja nun endgültig vorbei und nur noch den "Guten" unter den Staaten gestattet.

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