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Genehmigt, aber nicht gewürdigt – Wie Berliner den Tag der Befreiung feierten

Genehmigt, aber nicht gewürdigt – Wie Berliner den Tag der Befreiung feierten
Die Veranstaltung zum Gedenken am Tag der Befreiung am 8. Mai fand auf einem Kinderspielplatz in Berlin-Neukölln statt
Eine Initiative Engagierter aus der Sammlungsbewegung "Aufstehen" feierte in Berlin-Neukölln den Tag der Befreiung vom Faschismus. Die Veranstalter meldeten rege Unterstützung seitens einiger Berliner Schulen und Unternehmen. Die Politik blieb der Veranstaltung fern.

von Wladislaw Sankin 

Hätte diese kleine, aber so wichtige Veranstaltung ohne Gabriela Kleiner überhaupt stattfinden können? Die 74-Jährige ehemalige Journalistin und anerkannte politisch Verfolgte in der DDR steht auf einem kleinen Podest inmitten eines Kinderspielplatzes in Berlin-Neukölln, umgeben von ein paar Dutzend Zuschauern. Sie kündigt Redner an und erzählt in einer Ansprache ihr persönliches Anliegen, warum sie an diesem Tag Menschen an diesem Ort versammeln will. Die meisten von ihnen haben schon graue Haare, aber auch junge Leute sind dabei. Schulkinder aus drei Berliner Schulen nehmen teil und singen auf der Veranstaltung mit.

Es ist ungewiss, ob jemand besser als Gabriela Kleiner die Idee dieses Festes so überzeugend hätte präsentieren und so viele Sponsoren, Unterstützer und Paten – auch in Berliner Unternehmen wie etwa dem Berliner Großmarkt – hätte finden können. Sie beteiligten sich mit Geldspenden und Sachzuwendungen wie jungen Bäumen und der Gedenktafel "Frieden der Welt" für eine an diesem Ort wenig später gepflanzte deutsche Eiche. Wie Millionen Töchter, Schwestern, Ehefrauen hat sie selbst ihre Angehörigen im 2. Weltkrieg verloren. Und wie tausende Gleichaltrige kam sie wenige Tage nach dem Ende des Krieges zur Welt – ans Licht der Welt gebracht durch einen deutschen und einen russischen Arzt. Deswegen verstehe sie sich als ein "Kind des Friedens". Für ihr persönliches Friedensverständnis fand Gabriela Kleiner Gleichgesinnte in der überparteilichen Sammlungsbewegung "Aufstehen", und mit dem Logo der Bewegung waren daher auch die Flyer und Werbeplakate für das Ereignis geschmückt.

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Gabriela Kleinert gibt einem russischen Teilnehmer das Wort. An der Veranstaltung hat eine 14-köpfige Delegation aus Russland teilgenommen, organisiert von der Stiftung "Frieden für's Leben" (Мир для жизни)

Gäbe es die Initiative von Gabriele Kleiner nicht, hätten sich womöglich an ihrer Stelle das Deutsch-Russische Forum oder das Russische Haus für Wissenschaft und Kultur für ein Fest dieser Art engagiert – Vertreter beider Institutionen waren auch da und hielten kleine Ansprachen. Aber dann hätte der Veranstaltung der entscheidende Akzent gefehlt. Und möglicherweise hätte es den einen oder anderen Unterstützer "abgeschreckt" – wegen ihrer tatsächlichen oder vermeintlichen Nähe zur russischen Regierung. So wie dies schließlich auch hier mit den örtlichen Offiziellen dieses Berliner Stadtbezirks der Fall war.

"Für mich kommt die Politik vom Wort 'Polis' – Bürger, Bürger-Engagement", sagt Kleiner. "Und mit diesem Fest wollte ich ein Zeichen für Frieden, für das 'Miteinander' und gegen die Verfälschung der Geschichte setzen."  Es sei erstaunlich, wie groß die Unterstützung ihres Anliegens durch die Sponsoren war, bis auf das Neuköllner Bürgeramt. Von dort wurde Martin Hikel mit einem Grußwort erwartet, doch am Vorabend, am 7. Mai, kam die Nachricht, dass er nicht teilnehmen werde. Kein Stellvertreter, kein Grußwort zum Verlesen – "die Politik" blieb der Veranstaltung im Endeffekt fern, schickte aber vier Polizisten für die Sicherheit der Teilnehmer. Die "Stadträte haben darüber diskutiert, ob und wie ...", erzählt Kleiner und schüttelt den Kopf. Auf der Mitarbeiterebene hätten die Leute diese Veranstaltung aber gut gefunden und sich über die Aktivität der totgeglaubten "Aufstehen"-Bewegung gewundert, so Kleiner.

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Dann also ohne Amtsträger – aber dafür mit viel Herz – fand dieses Friedensbekenntnis statt, als das wohl einzige dieser Art an diesem Tag in Berlin. Mit einem nachhaltigen Zeugnis: ein Baum samt Gedenkstein und einer Tafel wird nun Besucher des beliebten Spielplatzes am Hertzbergplatz in Berlin-Neukölln an diesen Tag erinnern. An dieser Stelle, wo sich die Bürger selbst zu Wort meldeten und sich stark engagiert haben, fiel das Schweigen der offiziellen bundesdeutschen Politik besonders auf.

Mit keinem Wort wurde vom Pressesprecher der Bundesregierung und vom Auswärtigen Amt – weder auf der Webseite noch auf den Twitter-Accounts von dieser Seite – der Tag der Befreiung erwähnt. Als ob er nicht existiere. Dafür sind Themen wie Ferkelkastration, Wohngeldreform oder eine Tagung der Fraunhofer-Gesellschaft, bei der die Kanzlerin Angela Merkel an diesem Tag zugegen war, für die Regierenden in Berlin an einem solchen historischen Datum offenbar wichtiger als die Befreiung des deutschen Volkes vom Faschismus. Diese Befreiung wurde mit unermesslichen menschlichen Opfern, hauptsächlich auf der Seite der Völker der Sowjetunion, aber auch vieler osteuropäischer Staaten wie Polen oder Jugoslawien erkämpft und erst mit der Unterzeichnung der Urkunde der Bedingungslosen Kapitulation durch die deutsche Wehrmacht in der Nacht vom 8. zum 9. Mai 1945 besiegelt. 

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Spatenstich für einen Friedensbaum
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Die Siebentklässler eines Gymnasiums aus Berlin-Lichtenberg singen russische und deutsche Friedenslieder
Genehmigt, aber nicht gewürdigt – Wie Berliner den Tag der Befreiung feierten
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Russischer Teilnehmer schenkt eine Karte mit dem Weg der Roten Armee nach Berlin

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