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Willy Wimmer: Die NATO ist die globale Zündschnur zum Krieg – Was gibt es da zu feiern?

Willy Wimmer: Die NATO ist die globale Zündschnur zum Krieg – Was gibt es da zu feiern?
NATO = Krieg
Die NATO feiert ihren 70. Geburtstag. Dabei gibt es gar nichts zu feiern. Der Nordatlantikpakt ist völlig aus der Zeit gefallen, die NATO ein Vehikel zur Führung von Angriffskriegen, ganz ohne Rücksicht auf nationales und internationales Recht. Eine Abrechnung.

von Willy Wimmer

Die stundenlangen Gespräche mit dem ehemaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt in seinem Büro in Hamburg waren erhellend. In gewisser Weise waren diese Gespräche damit vergleichbar, wie sein Amtsnachfolger Helmut Kohl Gespräche gestaltete. Bei Altkanzler Helmut Schmidt war es der "kontinuierliche Rollgriff" zu den vorhandenen Menthol-Zigaretten.

Bei seinem Nachfolger galt dieser Griff "Heinemann-Pralinen vom Niederrhein". Es war keinesfalls so, dass sich darin die Gemeinsamkeiten beider Kanzler erschöpften. Was den Westen und seine Politik sowie innere Struktur anbelangt, waren beide Kanzler von der Notwendigkeit überzeugt, auch in Zukunft und auf längere Zeit ein starkes, transatlantisches Band vorfinden zu müssen.

NATO-Übung

Dafür schien der bestehende NATO-Vertrag ein geeignetes Mittel zu sein, allerdings mit einer stärkeren Hinwendung zu einem europäischen Pfeiler mit einem Eigengewicht von Bedeutung. Dieses Gewicht sollte die Balance zu der augenfälligen Dominanz Washingtons ausmachen und auch die Europäische Union einbeziehen.

Für völlig aus der Zeit gefallen hielten beide ehemalige Bundeskanzler die militärische Integration in die NATO, weil sie die politische Dimension eines transatlantischen Vertrages in den Hintergrund treten lassen würde. Für geradezu zwingend war für beide ehemaligen Bundeskanzler eine enge Zusammenarbeit auf allen Gebieten mit der Russischen Föderation. Dies sollte unabdingbar die transatlantischen Strukturen einbeziehen.

Das war für beide Gesprächspartner immer verbunden mit einer äußerst kooperativen Haltung Deutschlands gegenüber den Staaten Mittel-und Osteuropas unter dem gemeinsamen Dach der Europäischen Union. Damit sollte ein deutscher Beitrag dazu geleistet werden, sich in der gegenwärtigen Struktur Europas wohlfühlen zu können.

Geschichte ist neben den heutigen Realitäten eine Triebfeder für staatliches und gesellschaftliches Handeln. Es ist geradezu eine Ironie der Geschichte, dass diese nachbarschaftsbezogene deutsche Grundhaltung Anfang September 2015 durch die deutsche Bundeskanzlerin wegen ihrer einsamen Migrationsentscheidung irreparabel aufgegeben worden ist.

Die Wirklichkeit in Europa ist (heute) weit entfernt von den Vorstellungen beider (Alt-)Kanzler, die erst 2008 zu einer engen und sehr persönlichen Verbindung zueinander fanden. Statt Diplomatie und einer Politik der guten Nachbarschaft bestimmen heute amerikanische Militärbefehlshaber und die parteiübergreifende Kriegskoalition in Washington, D.C. die europäischen Abläufe.

Man kommt über die bisherige Entwicklung – auch wegen der durch nichts gerechtfertigten Aufrüstung – in eine Lage, den erwarteten Konflikt mit der Russischen Föderation ohne jede Rücksicht auf ein deutsches parlamentarisches Entscheidungsrecht oder gar auf das Verbot eines Angriffskrieges im deutschen Grundgesetz lostreten zu können. Alle Vorkehrungen im NATO-Vertrag, welche militärischen Zwangsvorstellungen Hürden in den Weg stellen sollten – wie die Beachtung staatlicher Grenzen – sind längst weggeräumt.

In einem Jahr, das zwischen März und November von sehr speziellen Gedenktagen geprägt ist, muss auf die gravierende politische Missbildung der NATO aufmerksam gemacht werden. Bis zum "Neuen strategischen Konzept" des Frühjahres 1999 und dem ordinären Angriffskrieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien war die NATO fest in das internationale Recht – und vor allem in die Charta der Vereinten Nationen – eingebunden und nur dadurch legitimiert.

Oberst Thomas Hough, Kommandant des 2. US-Kavallerie-Regiments, leitet eine taktische Übung als Teil der Militärübung

Das zeigte sich an der erforderlichen Zustimmung der nationalen Parlamente zum NATO-Vertrag ebenso wie in der Anbindung an die Ächtung des Krieges durch die Charta der Vereinten Nationen. Durch diese Charta wurde nach 1945 festgelegt, dass Krieg nur noch möglich sein sollte zur Selbstverteidigung oder nach einem vorherigen Beschluss des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen.

Durch die Bombenangriffe auf Belgrad nach dem 24. März 1999 wurde diese internationale Ordnung als das Ergebnis des Zweiten Weltkrieges geradezu pulverisiert. Die NATO hat seither die internationale Ordnung auf das Niveau vom 1. September 1939 heruntergedrückt.

Daran wird in diesem Jahr ebenfalls erinnert werden, weil dieser Zeitpunkt achtzig Jahre zurückliegt. Heute ist die NATO in diesem Zusammenhang die Kriegslunte der angelsächsischen Mächte, welche 1914 mit dem Krieg gegen Österreich-Ungarn und dem Deutschen Reich über Versailles 1919 und den Zweiten Weltkrieg ausgelegt worden war.

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