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Davos: Weltgrößtes Stelldichein der Vampire beendet

Davos: Weltgrößtes Stelldichein der Vampire beendet
Ein Fenster mit dem Logo des jährlichen Treffens des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos, Schweiz, am 23. Januar 2019.
Zum Wochenende war der Spuk in Davos vorbei. Spätestens am Samstag waren die weltweit gefährlichsten Vampire wieder davongeflogen, um das zu tun, was sie nicht lassen können, nämlich die arbeitenden Massen auszusaugen. Aber Hochstimmung kam diesmal nicht auf.

von Rainer Rupp

In den letzten zehn Jahren der anhaltenden Krise haben die Zentralbanken rund um den Globus Papier im "Wert" von zig Billionen (eine Billion sind tausend Milliarden) Dollar gedruckt und die Zinssätze dafür auf null und manchmal sogar darunter gedrückt. Und all diese angeblichen ökonomischen Impulse zur Stimulierung der Wirtschaft und Arbeitsmärkte gingen direkt in die Taschen der Reichen und Superreichen. Das Zentralbankgeld wurde nicht in die Produktion von Sachwerten investiert, sondern in Luxuswohnungen und in Immobilienanlageobjekten, in Aktien an den Börse, in superteure Yachten und Autos oder in edle Kunst oder Weine, wodurch in all diesen Sparten die Preise enorm gestiegen sind. Von der allgemeinen Preissteigerung wurden auch ganz normale Stadtwohnungen erfasst, und in vielen Regionen können Rentner oder Arbeiterfamilien die Miete nicht mehr bezahlen und müssen raus.

Aber das stört die mehrfachen Dollar-Milliardäre nicht, deren Zahl inzwischen auf über 2.000 gewachsen ist. Denn ihr Finanzvermögen hat sich seit 2009 mehr als verdoppelt. 2009 hatten alle Milliardäre der Welt 3,4 Billionen US-Dollar. Bis 2017 erreichten sie 8,9 Billionen US-Dollar. 8,9 Billionen Dollar (in Zahlen 8.900.000.000.000 Dollar) sind ein riesiger, fast unbegreiflicher Reichtum, zusätzlich zu dem bereits bestehenden unbegreiflichen Reichtum in einigen wenigen Händen. Facebooks Mark Zuckerberg z.B. vervielfachte in dieser Zeit sein Vermögen sogar beinahe um das 20-Fache, von drei Milliarden US-Dollar im Jahr 2009 auf über 58 Milliarden US-Dollar im Jahr 2019.

Kommentaren von Teilnehmern an dem prestigeträchtigen "Weltwirtschaftsforum" in Davos ist allerdings zu entnehmen, dass die Blutsauger in ihren bis zu 10.000 Euro pro Nacht teuren Hotelsuiten dieses Jahr nicht mehr ganz so sorglos gefeiert haben wie früher. Denn zum ersten Mal wurde die inzwischen unermessliche Ungleichheit zwischen Armen und Superreichen thematisiert. Womöglich hat ihnen jemand gesagt, dass zum Beispiel die unteren 50 Prozent der Bevölkerung, nämlich in der großen Mehrzahl abhängig beschäftigte Lohnbezieher, von 2001 bis 2017 im Durchschnitt pro Jahr 0,9 Prozent reale Einkommensverluste hinnehmen mussten. Und die sogenannte Mittelschicht, d.h. die Haushalte, die über der unteren 50-Prozent-Grenze liegen, die müssen sich drehen und wenden, um ihren Lebensstandard einigermaßen zu erhalten.

In den letzten Jahrzehnten konnten die superreichen Geld-Eliten wie Dagobert Duck jedes Jahr sorglos ein Bad in einem mit immer größeren, mit Golddukaten gefüllten Pool nehmen. Sie taten das im festen Vertrauen darauf, dass Warren Buffet, einer ihrer reichsten Kollegen, Recht behalten würde mit seiner Einschätzung: "Wir befinden uns in einem Krieg der Klassen. Okay. Aber es ist meine Klasse, die reiche Klasse, die den Krieg führt. Und wir gewinnen." Aber angesichts der Gelbwesten-Aufstände in Frankreich, der Lage in Italien und Belgien, der AfD-Erschütterungen in Deutschland, der Unruhen in Ungarn, Polen, Griechenland und nicht zuletzt der Polarisierung in der USA sind den Blutsaugern womöglich Zweifel gekommen, ob Mr. Buffets vollmundige Erklärung der Wahrheit letzter Schluss ist.

Vielleicht erinnerten sich die selbsternannten Eliten und "Leistungsträger" diesmal irgendwie noch dunkel an eine fast schon vergessene Warnung, dass nämlich im Laufe der Menschheitsgeschichte das niedere, in ihren Augen ungewaschene Volk der Malocher und Bauern immer wieder mal seine Mistgabeln und Fackeln ergriffen hat und zu den Eliten vorgedrungen ist. Das kam in der Regel immer dann vor, wenn der Wohlstandsunterschied zu extrem war und die kleine Minderheit der Vampire ostentativ in Saus und Braus ihe "Blutorgien" feierte, während die große Mehrheit nicht genug hatte, um über die Runden zu kommen, und es keine Hoffnung auf Besserung gab.

Das Thema des diesjährigen Treffens in Davos war "Die Vierte Industrielle Revolution". Deshalb wäre für die elitären Globalisten eine starke Präsenz von Top-Politikern der wichtigsten Staaten des Westens besonders wichtig gewesen, wichtiger als in den letzten drei Jahrzehnten zuvor. Vor allem auch deshalb, weil das Davoser Weltwirtschaftsforum rechtzeitig zum "Gipfeltreffen" seinen "Risikobericht" veröffentlicht hatte. In der Pressemitteilung dazu hieß es: "Geschwächte internationale Zusammenarbeit schädigt den kollektiven Willen, globale Risiken in den Griff zu bekommen." Wie zur Bestätigung der Pressemitteilung waren die wichtigsten Regierungs- und Staatschefs diesmal nicht nach Davos gekommen.

In der Vergangenheit war Davos das alljährliche Fest der Chefs der privaten Globalisierungskonzerne und deren politischer Marionettenspieler gewesen. Aber diesmal waren weder Präsident Donald Trump (wegen der Haushaltssperre) noch Präsident Emmanuel Macron (wegen der Gelbwesten) noch Premierministerin Theresa May (wegen des Brexit) dabei. Allerdings hatte Kanzlerin Merkel ihre beiden Saarländer mitgebracht, Wirtschaftsminister Peter Altmaier und CDU-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Auch der neu gewählte faschistoide Staatschef Brasiliens war da. Aber der chinesische Präsident Xi Jinping und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin hatten Besseres zu tun und waren ferngeblieben.

George Soros, New York, USA, 27. September 2015

In Ermangelung hochkarätiger Gäste in Davos konnte dann einer der berüchtigsten Globalisten und Meister der "Farbrevolutionen" George Soros großes Kino aufführen und auf niedrigem Niveau eine scharfe Attacke gegen Trump und Xi reiten. Seine Kernbotschaft lautete ganz unverhohlen, nur wenn Trump und Xi möglichst schnell verschwinden würden, könnte die "liberale Weltordnung", (für die seine "Open Society" steht,) noch gerettet werden.

Ansonsten hat sich tiefe Verunsicherung in Davos eingeschlichen. Ein selbsttragender wirtschaftlicher Aufschwung ist nirgendwo in Sicht. Vielmehr verlangsamt sich in Europa das blutleere Wachstum wieder. Zusätzliche Unsicherheiten schafft die drohende Ausweitung des Handelskriegs und der merkliche Rückgangs des Wachstums in China. Derweil häufen sich besorgte Nachrichten von internationalen Finanzinstituten wie dem ebenfalls anwesenden IWF. Zugleich haben Meldungen über das weltweite Einbrechen der Immobilienpreise und über eine zunehmende Zahl von Banken, die wieder mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben, in Davos alles andere getan als die Stimmung aufzuhellen. Und zu guter Letzt stand die große Frage im Raum, ob die befürchtete Rezession womöglich schon eingesetzt hatte.

Natürlich war auch der Brexit ein beliebtes Thema für endlose Diskussionen. Der Austritt Großbritanniens wird nicht nur ein schwieriger Test für die britische Regierung, sondern auch für die Widerstandsfähigkeit der EU-Europäer. Vor allem stellt sich die Frage, ob die Masse der EU-Bürger noch genug Sinn in der der Europäischen Union sieht, um dafür die von den Eurokraten verlangten Opfer zu bringen. Die Wahlen zum Europäischen Parlament und das rapide Wachstum von Parteien, die ihre nationale Souveränität wiederherstellen und die an die an Brüssel übertragenen Rechte wieder auf den nationalen Boden zurückholen wollen, beunruhigten die neoliberalen Globalisierer zutiefst.

In diesem Zusammenhang sprechen die "Gelbwesten" für ein tiefsitzendes und breiteres Misstrauen gegenüber ihren Regierungen und das Versagen der parlamentarischen Demokratie in den Augen der europäischen Öffentlichkeit. Um dies zu ändern, müssten die Geld- und Polit-Eliten sich ehrlich und offen um einen neuen, tragfähigen Gesellschaftsvertrag bemühen, an dem nicht nur die Bürger und der Staat beteiligt wären, sondern auch die anderen Akteure der nationalen Wirtschaften und der politischen Institutionen sowie auch die multinationalen Konzerne und internationalen Organisationen. Das aber käme einer friedlichen Revolution gleich, welche die Vampire mit aller Macht verhindern wollen, denn sie wollen nicht auf "Fruchtsaft" umsteigen.

Zugleich wird die Lage von den Herren des Kapitals und ihren gekauften und bezahlten Mietmäulern in Politik, "Wissenschaft" und Medien noch lange nicht ernst genug gesehen, als dass sie zu Kompromissen bereit wären. Stattdessen sind sie überzeugt, den aufmüpfigen, ungewaschenen Pöbel mit ein paar Winkelzügen wieder mal über den Tisch ziehen zu können. Aber es gibt ein zweites, ebenso große Hindernis für eine friedliche Lösung. Denn die vom bescheidenen Wohlstand ausgegrenzten, zunehmend zornigen Volksmassen sind nicht länger bereit, den Herrschaften da oben auch nur noch irgendetwas zu glauben, geschweige denn ihnen zu vertrauen. 

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