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Sex doesn‘t – Putin sells!

Sex doesn‘t – Putin sells!
Der Mann weckt Sehnsüchte - selbst bei den deutschen Medien.
"Sex sells!" - Für die deutschen Mainstream-Medien ist es aber jemand ganz anderes, der zuverlässig für Einnahmen sorgt. Es geht um einen weltbekannten Politiker, der es den deutschen Medien ganz besonders angetan hat.

von Leo Ensel

Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass in gefühlten 70 bis 80 Prozent der Überschriften in den Qualitätsmedien, in denen das Wort "Putin" vorkommt, die Worte "Russland" oder "die russische Regierung" inhaltlich erheblich besser passen würden?

Und was für die Überschriften gilt, gilt erst recht für die Bebilderung. Kein Russlandbericht, erst recht keine Russlandkritik – beides ist meist identisch – ohne ein Foto des Präsidenten! Bisweilen wird man den Eindruck nicht los, das 144 Millionen-Land wäre nur von einem einzigen Menschen bewohnt.

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Diese Entwicklung hat keineswegs mit der unisono als "Putins Spiele" apostrophierten diesjährigen Fußballweltmeisterschaft begonnen. Genau so waren bereits die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi tituliert worden. Schauen wir uns mal um, was in Berichten über "Putins Reich", gemeint ist die Russische Föderation, alles sofort und ohne großes Nachdenken mit dem russischen Präsidenten in Verbindung gebracht wird.

Patroullierende Kosaken während der Weltmeisterschaft sind "Putins Hilfspolizei". Moskaus Bürgermeister Sobjanin, der die Stadt erfolgreich saniert und sicher gemacht hat, ist selbstverständlich "Putins Mann". "Putins Freunde" sollen angeblich all jene sein, die mit einer offenen Einstellung im Juni nach Russland zur WM fuhren, die ihrerseits bekanntlich "Putins Meisterwerk" war. Das Jahr 2017 war seinerzeit für die Zeit nichts weniger als das "Super-Putin-Jahr". Es gibt die "Generation Putin". Und Ronald Pofalla schließlich ist, man höre und staune!, "Lobbyist in Putins Diensten".

Manchmal geht es jedoch auch ohne Namensnennung. Ein Foto, verbunden mit einem bestimmten Attribut, reicht völlig. Unvergessen zum Beispiel Christina Hebels lakonische Prophezeihung in Spiegel Online exakt zu Beginn der WM: "Der Weltmeister".

Aber woher kommt die geradezu rührende Anhänglichkeit der deutschen Qualitätsmedien gegenüber dem russischen Präsidenten? Bevor Psychoanalytiker am Ende noch eine "sadomasochistische Kollusion" herbeidiagnostizieren, sei prosaisch festgestellt: Es ist alles erheblich banaler! Wie den meisten Beziehungen liegen auch dieser handfeste materielle Interessen zugrunde.

Der Äpfel und Birnen gern zusammenzählende hochtalentierte Nachwuchsjournalist Maxim Kireev, der während der Fußballweltmeisterschaft auf Spiegel Online jeden Tag eine Stecknadel in den bunten WM-Luftballon pieksen durfte, nein: sollte, hat unlängst aus dem Nähkästchen geplaudert. Offenbar stehen viele Russlandkorrespondenten unter dem Druck ihrer Heimatredaktionen, sich vor allem mit dem russischen Präsidenten zu befassen oder ihn zumindest in den Text einfließen zu lassen. Kireev etwas gewunden: "Die deutschen Redaktionen orientieren sich dabei sicher auch an den Interessen der Leser, denn Putin ist eine polarisierende Persönlichkeit, und er bringt online sehr viele Klicks."

Das also ist des Pudels Kerns! Warum sind wir da nicht gleich draufgekommen? Die Logik könnte einfacher nicht sein: In einem Kosmos wie dem World Wide Web, in dem jeder jedem zu jeder Zeit alles sagen kann, ist Aufmerksamkeit, wie jeder weiß, die alles entscheidende Währung. Und niemand sorgt zuverlässiger für Aufmerksamkeit als der russische Präsident. Auf "Putin" klickt man halt gern. Aufmerksamkeit generiert Klicks, Klicks generieren Werbeeinnahmen, mit einem Wort: Putin sells!

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Putin – unerbittliche Dialektik – rettet also die Qualitätsmedien. Es wäre nicht schlecht, wenn die sich ab und zu mal bei ihm bedanken würden!

PS: In letzter Zeit kommen mir allerdings zunehmend Zweifel, ob es wirklich noch der russische Präsident ist, der die meiste Aufmerksamkeit generiert. Seit anderthalb Jahren hat er harte Konkurrenz von jenseits des Atlantiks erhalten. Es werden also in Zukunft in den Mainstream-Redaktionen harte Gefechte ausgetragen werden, welcher der beiden Präsidenten mehr Klicks erhält, sprich: Einnahmen einfährt. Eine neue, bis dato völlig unbekannte Variante der Ost-West-Rivalität.

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln. 

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