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DPA als NATO-Sprachrohr: Wie man aus nichts eine "Eurofighter zeigt es den Russen"-Meldung macht

DPA als NATO-Sprachrohr: Wie man aus nichts eine "Eurofighter zeigt es den Russen"-Meldung macht
Die Bundeswehr jubelt: "Die Alarmrotte VAPB mit einem strategischen Langstreckenbombern vom Typ Tupolew TU-160, Codename Black Jack – Eurofighter stellen Einsatzbereitschaft erneut unter Beweis"
"Deutsche Kampfjets fangen russische Überschallbomber ab", jubelte gestern die Deutsche Presseagentur (dpa) und raunte: "Die Flugzeuge vom Typ Tupolew Tu-160 können auch Atomwaffen tragen." Die Tickermeldung schaffte es in fast alle Medien.

von Felix Duček

Russische Flugzeuge mussten im internationalen Luftraum "abgefangen" werden? Innerhalb von Minuten müssen die NATO-Kampfjet-Piloten "durch Sichtkontakt" feststellen, ob von dem verdächtigen Luftfahrzeug eine Gefahr ausgeht? Winken sie, oder zählen und identifizieren sie die Bomben an der Außenhülle? Gucken sie, ob die Piloten ohnmächtig geworden sind?

Deutscher Eurofighter bei einem Abfangmanöver über der Ostsee

Scherz beiseite, die Russophobie ist zu ernst, die hier offenbar wieder geschürt werden soll. Im internationalen Luftraum gibt es nichts abzufangen, außer bei angekündigten Luftraumsperrungen. Aber dort war offenbar kein NATO-Luftmanöver. Vielmehr waren "unsere Jungs" wohl recht froh, mal etwas zu tun zu haben.

Rückblende:

Im Baltikum bereitete sich die Bundesluftwaffe nach eigenem Bekunden Ende August vor, für die NATO und das kleine Estland den Luftraum gegen russische Angriffe sichern zu helfen:

Das Vorkommando zur 'Verstärkung Air Policing Baltikum' (VAPB) ist bereits in Estland eingetroffen. Ein A400M des Lufttransportgeschwaders 62 aus Wunstorf brachte 54 deutsche Soldaten und acht Tonnen Ausrüstung nach Ämari. Der Ort beherbergt einen Flugplatz der estnischen Luftwaffe und liegt circa 40 Kilometer südwestlich der Landeshauptstadt Tallinn.

Am 27. August ist es dann (fast) so weit:

Rund 180 Soldaten, die zu großen Teilen aus dem Taktischen Luftwaffengeschwader 74 stammen, verlegen für die Verstärkung des sogenannten Air Policing Baltikum bis Anfang Januar auf den Militärflugplatz Ämari.

Jetzt aber wirklich, pünktlich am Vorabend des Jahrestags des Beginns des Zweiten Weltkriegs, melden "wir":

Die Deutsche Luftwaffe sichert ab heute – gemeinsam mit belgischen Streitkräften – erneut den Luftraum über den NATO-Mitgliedsländern des Baltikums. Für die nächsten acht Monate sind dazu im Rahmen der Verstärkung Air Policing Baltikum (VAPB) bis zu sechs deutsche Eurofighter im estnischen Ämari stationiert.

Gegen die

Na also, endlich wieder deutsche Flieger in Ämari. Man erinnere sich, der Flughafen Ämari ist ein Militärflugplatz in Estland, den die deutsche Luftwaffe bereits von 1941 bis 1944 "nutzte". Heute ist er auch die zweite Basis für das Air Policing Baltikum der NATO.

Das Flugfeld wurde ursprünglich von 1939 bis 1941 durch die Rote Armee genutzt. Die sowjetischen Luftstreitkräfte nutzten den Flugplatz – nach Vertreibung der deutschen Okkupanten – dann wieder von 1944 bis 1994 dauerhaft: für ihre Frontfliegerkräfte, für Marine-Aufklärungsflieger, später auch für Jagdflieger der Luftstreitkräfte und Luftverteidigung. Von 1989 bis 1994 war der Flugplatz der Seekriegsflotte unterstellt, und seit 1991 ist dort das 170. Garde-Marineschlachtfliegerregiment stationiert. Auch nach der Wiedererlangung der estnischen Unabhängigkeit wurde Ämari von 1991 bis 1994 zunächst von den russischen Luftstreitkräften als Militärflugplatz genutzt und ging anschließend in den Besitz der Republik Estland über.

Seit Oktober 2000 dann ist der Stützpunkt für die militärische Luftraumüberwachung des Landes im Rahmen von BaltNet und seit dem NATO-Beitritt 2004 auch für NATIENADS (NATO Integrated Extended Air Defence System) zuständig. Also ein geschichtsträchtiges Fleckchen auf dem Boden des Baltikums.

Nun zurück zu den tapferen deutschen Jagdfliegern von heute:

Das Heulen von Sirenen durchbricht die Stille auf dem estnischen Militärflugplatz Ämari. Piloten und Techniker laufen aus ihren Bereitschaftsräumen zu den beiden Eurofightern und bereiten diese auf einen Alarmstart vor …

Ob und was da überhaupt los war, bleibt im Dunkeln, also offenbar gar nichts, Fehlalarm … Sonst hätten wir es schon am 4. September im Mainstream erfahren. Aber gleich am nächsten Tag dann doch der erste Ernstfall:

Die deutschen Eurofighter sichern seit vergangenem Freitag vom estnischen Flugplatz Ämari aus den Luftraum über dem Baltikum. Heute stieg die Alarmrotte zum ersten Schutzflug auf. Auftrag: Identifizierung unbekannter Flugzeuge über der Ostsee. Kurz nach der Beauftragung und Alarmierung steigt die Alarmrotte auf. Von der NATO wurde ein russisches Militärflugzeug gesichtet. Es flog von Kaliningrad in Richtung Norden über die Ostsee. Der zuständige Gefechtsstand im deutschen Uedem, das Combined Air Operation Centre (CAOC), beauftragte die Alarmrotte – zwei Eurofighter – in Ämari mit der Identifizierung des Flugzeuges. Über internationalen Gewässern entpuppte sich das Flugzeug als ein russischer Militär-Transporter vom Typ Iljuschin Il-76.

Na so was, da fliegt einfach ein russischer Militärtransporter vom russischen Oblast Kaliningrad durch internationalen Luftraum über der Ostsee ins … Ja, vermutlich ins russische Territorium bei Sankt Petersburg. Dürfen die das denn?

Der Generalstabschef der britischen Armee, General Sir Nicholas Carter, während seiner Rede am 22. Januar 2018 beim Royal United Services Institute (RUSI).

Na ja, sie müssen wohl, ist halt der kürzeste Weg. Die vormals deutsche Stadt Königsberg wurde als Ergebnis des Zweiten Weltkrieges unter dem Namen Kaliningrad  – wie der gesamte Nordteil Ostpreußens mit Ausnahme des Memellands – Teil der Russischen Sowjetrepublik. Benannt wurde die Stadt nach dem ehemaligen sowjetischen Staatsoberhaupt Michail Kalinin. Seit der Unabhängigkeit der baltischen Staaten 1991 ist Kaliningrad eine Exklave Russlands zwischen Polen und Litauen. Von der Erreichbarkeit über die freie internationale Ostsee abgesehen, ist Kaliningrad von Litauen und Polen umgeben. Zwischen Litauen und dem weiter östlich gelegenen russischen Kernland liegen noch Weißrussland und Lettland, sodass die Landverbindung vom Kernland dorthin durch zwei fremde Staaten führt.

Ab und zu sollte man also auch mal über die freie Ostsee fliegen dürfen, oder?

Wieder hat die deutsche Luftwaffe einige Zeit nichts zu tun, meldet sich erst wieder am 17. September, mit einer Lockerungsübung als kleine Aufmunterung:

Auf seinem Weg nach Finnland wurde Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier von einer besonderen Eskorte begleitet. Zwei Eurofighter flankierten den Airbus A340 der Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung über der Ostsee auf einem Teil der Route von Berlin-Tegel nach Helsinki. Dort wurde der Bundespräsident zum Auftakt seines dreitägigen Staatsbesuchs in dem skandinavischen Land erwartet.

Und nun, am 26. September, wurde es richtig ernst "an der Ostfront":

Nach Übernahme der Verantwortung im Rahmen der Verstärkung des NATO Air Policing Baltikum stellen die Kräfte des deutschen Einsatzkontingentes weiterhin kontinuierlich ihre Einsatzbereitschaft und Leistungsfähigkeit unter Beweis. Am Dienstag, den 25. September 2018 wurden die deutschen Eurofighter vom zuständigen NATO-Luftverteidigungsgefechtsstand (Combined Air Operations Centre Uedem) am Niederrhein mit der Sichtidentifizierung von zwei aus Richtung St. Petersburg kommenden strategischen Langstreckenbombern vom Typ Tupolew Tu-160, Codename Black Jack, beauftragt. Nach erfolgter Sichtidentifizierung im Internationalen Luftraum begleiteten Eurofigther die russischen Maschinen auf ihrem weiteren Flug in westliche Richtung, bevor diese durch Kräfte der dänischen Alarmrotte übernommen wurden. Die deutsche Alarmrotte kehrte nach Beendigung des Auftrages zu ihrem Einsatzstützpunkt im estnischen Ämari zurück.

Das ist dann auch wirklich eine gemeinsame Meldung von dpa und NATO wert. Zivil-militärische Zusammenarbeit heißt das dann wohl im Fachjargon, oder "eingebettete" Berichterstattung. Gibt es auch schon in Afghanistan. Nur mit Journalismus hat das nichts zu tun.

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