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Das Astana-Abkommen, die S-400 und der Albtraum von Nicholas J. Spykman

Das Astana-Abkommen, die S-400 und der Albtraum von Nicholas J. Spykman
Der türkische Präsident Tayyip Erdogan spricht während einer Pressekonferenz mit dem iranischen Präsidenten Hassan Rouhani und dem russischen Präsidenten Vladimir Putin nach ihrem Treffen in Teheran, Iran am 7. September 2018.
Der letzte Gipfel in Teheran, mit den Garantiemächten Türkei, Russland und Iran im Rahmen des Astana-Abkommens, wird von Verfechtern des "transatlantischen Bündnisses" als gescheitert bewertet. Doch das ist vielmehr ein Wunschdenken bestimmter Kreise.

von Murat Kılıç

Auch wenn man von einem tatsächlichen Erfolg nicht in erster Linie sprechen kann, wird man bei genauer Betrachtung feststellen, dass die Gemeinsamkeiten der drei Akteure deutlich überwiegen.

Unterschiedliche Auffassungen, die als dramatische Auseinandersetzung zwischen der Türkei und den beiden anderen Garantiestaaten dargestellt werden, bestehen eher zum am besten geeigneten Modus für die Konfliktlösung im syrischen Idlib. Auch in dieser Frage sind sich die Parteien näher, als so mancher großartige Analyst und Nahost-Experte sich das vorstellen kann. Diese Experten haben natürlich auch nicht die Erklärungen Erdoğans gehört, dass man die Zusammenarbeit in Idlib weiter vertiefen werde, indem die Außen- und Verteidigungsministerien und dazu die Geheimdienste der Türkei und Russlands enger zusammenarbeiten würden, um die technischen Reibungspunkte aus dem Weg zu räumen.

Auch mit dem Iran hat die Türkei aktuell vor allem auch gemeinsame Interessen. Das sieht man z.B. am gemeinsamen Vorgehen gegen die PKK in den Kandil-Bergen. Auch bei der Niederschlagung des Projektes von Barsani (oder soll man lieber von einem transatlantischen Traum sprechen?), was die Loslösung Erbils von Bagdad bedeutet hätte, haben die Türkei und der Iran zusammengearbeitet.

Diesen Tatsachen zum Trotz wird die Aufmerksamkeit bei den Beziehungen zwischen der Türkei und Russland sowie zwischen der Türkei und dem Iran immer wieder bewusst auf die unterschiedlichen Interessen gelenkt, die es nun einmal in jeder Beziehung gibt, auch in politischen Abwägungen. Die Realität wird verzerrt wiedergegeben. Mit dieser Berichterstattung und den Expertenanalysen will man nicht nur die Gesellschaft in den NATO-Staaten medial manipulieren, sondern in erster Linie auch die der Staaten der "Astana-Allianz". Dieses Verhalten des "Westens", wie man das transatlantische Bündnis auch gerne bezeichnet, muss unter Berücksichtigung der historischen Gegebenheiten, der im 20. Jahrhundert entstandenen Theorien der internationalen Beziehungen und letztendlich der nach dem Kalten Krieg entstandenen Thesen von Huntington und Fukuyama untersucht werden.

Faktum ist, dass - seit dem Beschluss von Astana und mit dessen Vertiefung bei den folgenden Gipfeltreffen - der "Westen" in der Levante (dem östlichen Mittelmeerraum) an Einfluss verloren hat. Nur ein Zerwürfnis der drei Garantiemächte des Astana-Abkommens würde den "Westen" wieder ins Spiel bringen. Vor allem die russisch-türkische Zusammenarbeit in Fragen der Rüstungsindustrie, speziell der Kauf der S-400-Flugabwehrraketen, die dann eventuell gemeinsam weiterentwickelt werden, machen dem "Westen" Angst. Dort weiß man genau, dass Staaten, die in Fragen der Sicherheit und Verteidigung so eng zusammenkommen, nicht mehr gegeneinander ausgespielt werden können. Genau das war und bleibt aber das Ziel der "transatlantischen Intrigen". Um diese Strategie und Politik verstehen zu können, muss man sich die berühmten geopolitischen und strategischen Theorien des britischen Geographen Halford Mackinder und des niederländisch-amerikanischen Geostrategen Nicholas J. Spykman vor Augen halten.

Mackinder fasste seine Heartland-Theorie mit diesem Zitat zusammen:

"Who rules Eastern Europe commands the Heartland. Who rules the Heartland commands the World Island. Who rules the World Island commands the World." Auf Deutsch: "Wer Osteuropa beherrscht, beherrscht das Herzland. Wer das Herzland beherrscht, beherrscht die Weltinsel. Wer die Weltinsel beherrscht, beherrscht die Welt."

Für Spykman reicht die Kontrolle Osteuropas nicht aus, um die transatlantische Weltordnung aufrechtzuerhalten. Er überarbeitete Mackinders Heartland-Theorie, indem er die Hauptaufmerksamkeit auf die Kontrolle der Küstengebiete Europas, des Mittelmeeres, des Nahen und Mittleren Ostens, Indiens (Afghanistan, Pakistan inklusive), der Küsten des Indischen Ozeans mit Indonesien und Malaysia bis zur chinesischen Küste legte. Diese "amphibischen Gebiete", die Spykman als Rimland (der innere oder südliche Randhalbmond von Eurasien) bezeichnet, sind sozusagen eine Pufferzone zwischen den Landmächten (Heartland) und Seemächten (USA, Großbritannien).

Der russische Präsident Wladimir Putin schüttelt seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdoğan bei einem Treffen in Teheran, Iran, am 7. September 2018 die Hand.

Seiner Auffassung nach können die Seemächte ihre Macht nur aufrechterhalten, wenn sie das Rimland kontrollieren. Seine Geostrategie fasste er so zusammen:

"Wer das Rimland kontrolliert, beherrscht Eurasien. Wer Eurasien beherrscht, bestimmt das Schicksal der Welt."

Spykman kam zu der Erkenntnis, dass in der Vergangenheit die aufstrebende Seemacht Großbritannien entweder mit alliierten Kräften des Rimlandes gegen das Heartland zusammengearbeitet hat, um den Einfluss des Letzteren zu beschränken, oder aber umgekehrt im Falle eines starken, unabhängigen Rimlandes mit dem Heartland zusammen das Rimland bekämpft hat. Ein Bündnis des Rimlandes mit dem Heartland hätte die Seemacht mattgesetzt.

Spykmans Theorie führt uns eigentlich vor Augen, mit welcher List die beiden Großmächte das Osmanische Reich (Rimland) und das Zarenreich Russland (Heartland) bereit in der früheren Vergangenheit gegeneinander ausgespielt wurden. Die Kriege der beiden Großmächte vom 17. bis Anfang des 20. Jahrhunderts haben am Ende dazu geführt, dass Seemächte wie Britannien und später die USA zur Supermacht aufgestiegen sind. Die beiden Weltkriege, der Kalte Krieg, die Nahost-Krise, aktuelle Stellvertreterkriege und der "Arabische Frühling" müssen unter Berücksichtigung dieser Geostrategie der "Seemächte" analysiert werden.

Die aktuelle enge Zusammenarbeit der Türkei mit Russland hat in jeglicher Hinsicht das Potenzial, die "transatlantische Weltordnung" und dessen Hegemonie zu beenden. Das ist der eigentliche Grund, warum die USA, aber auch die EU zusammen mit dem Vereinigten Königreich in Panik geraten sind und alles daran setzen, dieses Bündnis zu spalten, gegeneinander auszuspielen, ja sogar eine größere Auseinandersetzung zu provozieren. Der türkische Abschuss eines russischen Militärflugzeuges im Jahr 2015 und das tödliche Attentat auf den russischen Botschafter in Ankara gehen vermutlich auf diese "transatlantischen Intrigen" zurück. Die Verantwortlichen beider Länder sind sich dieser Tatsache bewusst und wissen auch um die oben erwähnte listige Geostrategie des "Westens".

Die Strategen und führenden Politiker beider Länder haben aus der Vergangenheit gelernt, dass die Kriege Dritter gegeneinander und deren Auseinandersetzungen nur dem "atlantischen Bündnis" weiterhelfen. Das ist auch der Grund, warum die Türkei und Russland in nächster Zeit noch stärker zusammenarbeiten und sämtliche Provokationen vereiteln werden.

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

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