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Dr. Gniffkes Macht um acht - Maduro war zwar nicht totzukriegen, aber...

Dr. Gniffkes Macht um acht - Maduro war zwar nicht totzukriegen, aber...
Venezuelas Innen- und Justizminister Nestor Reverol präsentiert ein Bild vom Typ der bei dem Attentat verwendeten Drohnen.
...die Tagesschau nutzte das fehlgeschlagene Attentat weidlich, um den venezolanischen Präsidenten zu diskreditieren. Mit ihrer Berichterstattung über den Attentatsversuch lieferte die ARD-Nachrichtensendung eine Paradebeispiel für Tendenzjournalismus ab.

Von Friedhelm Klinkhammer und Volker Bräutigam

Reiner Tendenzjournalismus im Dienste der westlichen Wertegemeinschaft: Die Tagesschau, wichtigster Fernsehnachrichten-Anbieter der Nation, lieferte mit ihrer Berichterstattung über den Attentatsversuch auf Venezuelas Staatspräsidenten Maduro am 5. August dafür Anschauungsmaterial vom Feinsten. Chefredakteur Dr. Gniffkes Qualitätsjournalisten sahen auch zwei Tage danach keinen Grund, ihre schräge Darstellung zu korrigieren und wesentliche Informationen nachzureichen – gesetzliche Verpflichtung zu wahrheitsgetreuer Nachrichtenarbeit hin oder her.

Nicolas Maduro präsentiert einen Fahndungsaufruf nach mutmaßlichen Mittätern des gescheiterten Attentats auf den venezolanischen Präsidenten.

Auch im Fall Venezuela geht es uns nicht um das Ereignis an sich – das wäre aktueller Nachrichtenjournalismus –, sondern um die Art der journalistischen Verarbeitung des Attentatsversuchs in den gleichgeschalteten deutschen Massenmedien. Für diesen "Mainstream" stehen federführend das Erste Deutsche Fernsehen und seine Hauptabteilung ARD-aktuell mit ihren Sendungen Tagesschau, Tagesthemen, tagesschau.de, Tagesschau24 und so weiter.

Ihre Venezuela-Nachricht vom 5. August in voller Scheinsachlichkeit:

Venezuelas sozialistischer Staatschef Maduro ist möglicherweise einem Attentat entgangen. Laut Regierung explodierten während einer Rede Maduros in Caracas mit Sprengstoff beladene Drohnen. Sieben Soldaten seien verletzt worden. Die Opposition bezweifelt, dass es sich tatsächlich um ein Attentat handelte, zumal es von den Drohnen offenbar keine Bilder gibt. Sie befürchtet, Maduro könnte den Vorfall instrumentalisieren und härter gegen Regierungskritiker vorgehen.

Schon das zweite Wort im ersten Satz betont, was im Zusammenhang mit dem Mordversuch an einem demokratisch gewählten Staatsoberhaupt vollkommene Nebensache ist: Das Zielobjekt ist sozialistisch (das insinuiert: nur ein weniger wertvoller Politiker).

Das sechste Wort – "möglicherweise" – enthält eine absurde Infragestellung, denn Maduro entging dem Attentat unübersehbar, nicht bloß eventuell.

Der zweite Satz beginnt mit "Laut Regierung..."; diese Formel ignoriert das umfangreiche Filmmaterial und unterschlägt zugleich die Aussagen internationaler Zeugen sowie der Nachrichtenagenturen.

Iván Duque - Kolumbianischer Präsident unter der Schirmherrschaft der USA?

Schon im vierten Satz der Meldung wird der Anschlag bagatellisiert und eine staatliche Inszenierung – "zumal es von den Drohnen offenbar keine Bilder gibt" – angedeutet: eine bösartige Geheimdienst-Nummer also, wie man sie auch in Deutschland seit dem "Celler Loch" zur Genüge kennt.

Im fünften und letzten Satz schließlich folgt eine nicht begründete Unterstellung seitens der vage so genannten "Opposition". Dass zu ihren als ehrenwert akzentuierten "Regierungskritikern" eine Bande von Mördern gehört, die bereits zahlreiche Menschenleben auf dem Gewissen hat, unterschlägt die Tagesschau hier.

Im Anschluss an die Meldung aus dem Studio folgt ein Filmbericht von Xenia Böttcher vom Sender SWR. Böttcher hat nichts Besseres zu tun, als nach einer Kurzbeschreibung der Explosion und deren Folgen (sieben Verletzte, Auflösung und heillose Flucht der Teilnehmer einer Militärparade) zu unterstreichen, Maduro habe Kolumbiens Staatschef Santos und die USA sofort – ergo voreilig, beweislos? – als "Drahtzieher" des Anschlags bezeichnet. Diese hätten das jedoch als "absurd" zurückgewiesen.

Zum schlechten Schluss bringt die ARD-Reporterin per Straßeninterview noch ein paar Sprüche von Leuten, die zwar nicht selbst bei dem Anschlagsversuch zugegen waren, wohl aber etwas gegen Maduro einzuwenden haben. "Opportune Zeugen" nennt der Fachmann solche Leute, die sich jederzeit, überall und für fast jede gewünschte Aussage auftreiben lassen.

Die ARD unterhält zwei Auslandsstudios in Lateinamerika – weitab, in Mexico City und im schönen Rio de Janeiro. Ihre Korrespondenten wissen zwar, wo nach einem Zwischenfall wie dem Anschlag in Caracas zuverlässige Informationen zu holen wären, falls man nicht selbst über solche verfügt. Genutzt haben sie solche Quellen offenkundig nicht.

Der Tageschau war bekannt beziehungsweise muss bekannt gewesen sein, dass sich die Gruppe "Movimiento Nacional Soldados de Franelas" (= "Soldaten im Hemd", im Sinne von nicht-verweichlicht) zu dem Anschlag bekannt hatten und dass es sich also tatsächlich um einen Attentatsversuch gehandelt hatte. Zweifel, dass überhaupt ein Anschlag stattgefunden hatte, und jegliche Bagatellisierung waren damit nicht mehr zu rechtfertigen.

Der venezolanische Präsident Nicolas Maduro neben Verteidigungsminister Vladimir Padrino López (links von ihm) während einer Feier zum 81. Jahrestag der Nationalgarde in Caracas am 4. August 2018.

Bei dem verwendeten verheerenden Sprengstoff soll es sich um C4 gehandelt haben. Wikipedia: "C4 (englisch: 'Composite Compound 4') ist ein sehr effektiver und häufig militärisch verwendeter Plastiksprengstoff."

Die "Soldados de Franelas", angeführt von einem Offizier namens Óscar Pérez (der im Januar 2018 bei einem Antiterroreinsatz getötet wurde; Anm. d. Red.), sollen Ende des vergangenen Jahres an verschiedenen militärisch organisierten Anschlägen auf Einrichtungen der Streitkräfte beteiligt gewesen sein.

Den Tagesschau-Journalisten war vom Informationsdienst ALAI her bekannt, dass Kolumbien sehr wohl hinter dem Attentat stecken könnte, denn dessen scheidender Präsident Juan Manuel Santos hatte mehrmals drohend das baldige Ende seines Kollegen Maduro vorausgesagt; zuletzt erst fünf Tage vor dem Anschlag in Caracas.

Das Propagandabild, das die Tagesschau von Venezuelas Staatspräsidenten vermittelt, ist das eines brutalen Machthabers, der autoritär eine legitime, berechtigte Opposition unterdrückt und sein Land diktatorisch führt. Keine Rede ist hingegen von den zahlreichen Mordanschlägen, die auf ihn und auf seinen Vorgänger Hugo Chávez verübt wurden und deren Hintermänner aus gutem Grund in den USA vermutet wurden. 

Systematisch unterschlägt der widerwärtige ARD-Agitprop-Journalismus, dass Maduro ein überprüfbar demokratisch gewählter Politiker ist. Die Tagesschau blendet aus, dass seine Versuche, die gewalttätige, vom Ausland massiv gestützte und finanzierte "Opposition" im Zaum zu halten und eine typische "Farbrevolution" zu verhindern, legal und auch legitim sind; dass eine deutliche Mehrheit des Wahlvolkes hinter Maduro steht und man ihn keinesfalls als einen autokratisch-autoritär herrschenden Präsidenten bezeichnen darf.

Bereits am 6. August fand in Caracas eine Massendemonstration für Maduro und gegen die Attentäter statt, mit Zehntausenden Teilnehmern. Kein Wort davon in der Tagesschau...

Am gleichen Tag gab der venezolanische Außenminister Jorge Alberto Arreaza ein interessantes Detail bekannt: Fünf Mitgliedsstaaten des lateinamerikanischen "Non-Aligned Movement" (MNOAL, gegründet 1955, als Teil der "Blockfreien", zur Distanzierung sowohl von den USA und der NATO als auch von der Sowjetunion und den Warschauer Vertragsstaaten), haben verhindert, dass die insgesamt 115 Mitglieder der MNOAL nach dem Anschlag eine Solidaritätsadresse an Maduro übersandten. Das Veto kam von den US-Vasallen Peru, Kolumbien, Chile, Guatemala und Panama. Diese Fünf forderten sogar, dass Maduro Beweise der Attacke vorlege (sieben Verletzte und Filmdokumente reichten anscheinend nicht aus).

Nachrichten über all das und über die Zusammenhänge hätten dem deutschen Fernsehpublikum eine halbwegs sachgerechte Einordnung des Geschehens ermöglicht. Zugleich hätten sie die Chance einer Korrektur der primären ARD-Schlagseite geboten. Doch die Chance blieb ungenutzt. Die unfehlbare Tagesschau unterschlug, was nicht in ihr Narrativ vom "Diktator Maduro" passte.

Die ARD-aktuell-Methode, erst einmal Schwefel und Gestank zu verbreiten und hernach "Hier stinkt es aber!" zu melden, hat inzwischen Tradition.

Zum Autoren-Team:

Friedhelm Klinkhammer, Jahrgang 1944, Jurist. 1975 bis 2008 Mitarbeiter des NDR, zeitweise Vorsitzender des NDR-Gesamtpersonalrats und des ver.di-Betriebsverbandes sowie Referent einer Funkhausdirektorin.

Volker Bräutigam, Jahrgang 1941, Redakteur. 1975 bis 1996 im NDR, zunächst in der Tagesschau, von 1985 an in der Kulturredaktion für N3. Danach Lehr- und Forschungsauftrag an der Fu-Jen-Uni in Taipeh.

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

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