Verschwörungstheorie des Tages aus den USA: Trump schon seit 1987 russischer Agent

Verschwörungstheorie des Tages aus den USA: Trump schon seit 1987 russischer Agent
Wie konnte man nur übersehen, was so offensichtlich ist? Unentschuldbar.
Das Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dessen russischem Amtskollegen Wladimir Putin rückt näher. Das Magazin "New York" verblüfft seine Leser wenige Tage vor dem Gipfel mit einer ganz besonderen Verschwörungstheorie in Sachen Trump.

von Timo Kirez

Es dürfte die bisher unterhaltsamste Verschwörungstheorie zum Thema Donald Trump sein: In einem Beitrag des Magazins New York versucht der Autor Jonathan Chait aus dem US-Präsidenten einen russischen Agenten zu machen. Na gut, kann man da sagen, die Idee ist nicht wirklich neu. Allerdings holt Chait ein wenig weiter aus: Trump soll nicht erst sei gestern russischer Agent sein, sondern sage und schreibe schon seit 1987. Bitte kurz den Aluhut lüften.

Ja, dürfen die denn das? Wenn's nach der ARD geht, offenbar nicht.

Der Artikel mit dem zwanghaft komischen Titel "Prump Tutin" bietet alles, was das Verschwörungstheoretikerherz höher schlagen lässt: Nachrichtendienstliche Verwicklungen, Abhörmaßnahmen, Sex, Geld, Erpressung. Nur eines fehlt: Fakten. Laut Chait fing alles schon unter Michail Gorbatschow an. Nachdem sich die UdSSR, zunächst noch vorsichtig, gegenüber dem Westen zu öffnen begonnen hatte, besuchte Donald Trump 1987 das Land. Der damalige US-Botschafter Juri Dubinin hatte den Immobilienmagnaten eingeladen. Die UdSSR habe Interesse an einem Joint Venture zum Bau eines Luxushotels in Moskau.

Auch die Golden-Shower-Legende wird aus dem Reich der Untoten geholt

Zwar wurde aus dem Projekt nichts, doch wenn es nach Chait geht, hatte der Besuch einen ganz anderen Hintergrund. Trump sei bei seinem Besuch abgehört worden, um ihn später erpressen zu können. Genauer gesagt: 30 Jahre später. Als Beleg dafür, dass die Russen zu so etwas in der Lage sind, führt Chait die sogenannte "Golden-Shower-Affäre" an. In einem ominösen Bericht des ehemaligen britischen Geheimdienstmitarbeiters Christopher Steele wird behauptet, dass Trump Prostituierte in Moskau dafür bezahlt habe, auf ein Bett zu urinieren, auf dem Barack Obama einmal geschlafen hat. Es soll ein "Tape" geben, das den Vorfall zeige. Auf das "Tape" wartet die Weltöffentlichkeit übrigens noch immer. Das Dossier Steeles ist mittlerweile unter dem Titel "Gelbe Seiten" unrühmlich in die Geschichtsbücher eingegangen.

Um nicht als Verschwörungstheoretiker abgestempelt zu werden, schreibt Chait zu Beginn seines Beitrags:

Ein Fall wie dieser stellt eine leichte Versuchung für Verschwörungstheoretiker dar, aber wir können verantwortungsbewusst darüber spekulieren, was am Ende dieses Skandals liegt, ohne ihren Irrtümern zum Opfer zu fallen.

Wladimir Putin und Donald Trump am Rande des APEC-Gipfeltreffens im vergangenen November.

So klingt also "verantwortungsbewusstes Spekulieren" - da ist man glatt neugierig, was der gute Mann aus seinem Aluhut zaubern würde, wenn er denn mal "verantwortungslos" spekulieren würde. Doch zurück zum aktuellen Artikel von Chait: Trump soll nicht nur erpressbar sein, sondern auch Putin angeheuert haben, um die US-amerikanischen Wahlautomaten zu hacken. Zudem verhallte sich Trump sowieso wie jemand, der "etwas zu verbergen" habe. Russische Trolle sollen Anweisungen direkt aus dem Trump Tower erhalten. Und natürlich finanziere Russland die US-amerikanische Waffenlobby NRA. 

MMA als Tarnkanal für nachrichtendienstliche Übermittlung

Wer nun glaubt, das Schlimmste sei überstanden, irrt. In einer wahnwitzigen Infografik wird erläutert, wie Putin mit Trump verbunden sein könnte. Und das geht zum Beispiel so: Der russische MMA-Kämpfer Fedor Emelianenko wurde von einer MMA-Liga angeheuert, an der Trump beteiligt war. Und wer besuchte Kämpfe von Emelianenko? Wladimir Putin natürlich. Quod erat demonstrandum. Demnach kann der Gipfel in Helsinki am 16. Juli natürlich kein Treffen zweier "normaler Staatsmänner" sein. Laut Chait treffen sich in Helsinki ein Geheimdienstmitarbeiter und sein Führungsoffizier.

Die Paranoia im Vorfeld des Treffens scheint in der Tat keine Grenzen mehr zu kennen. Dabei erinnert die Absurdität der Behauptungen mehr und mehr an den Psychologen-Witz mit dem Mann, der Angst vor Hühnern hatte, weil er sich für ein Korn hielt. Nach jahrelanger Therapiearbeit gelingt es dem Psychologen, den Mann von seiner Wahnidee abzubringen. Er wird als geheilt entlassen. Doch nur wenige Tage später steht er wieder in der Praxis. Verblüfft fragt ihn der Psychologe: "Haben Sie mir nicht beim letzten Mal gesagt, dass Sie wissen, dass Sie kein Korn mehr sind?" Worauf der Patient antwortet: "Ich weiß es schon - aber wissen es auch die Hühner?"

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