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"Doppeladler" der Schweizer Kicker: Gefährliches Spiel mit ultranationalistischem Symbol ohne Folgen

"Doppeladler" der Schweizer Kicker: Gefährliches Spiel mit ultranationalistischem Symbol ohne Folgen
Den Adler-Jubel von Xherdan Shaqiri während des hochbrisanten WM-Vorrundenspiels gegen Serbien am 22. Juni in Kaliningrad ahndet die FIFA nur mit einer Geldstrafe. Der Schweizer Nationalspieler mit kosovo-albanischen Wurzeln muss 10.000 Franken (rund 8.680 Euro) zahlen.
Drei Schweizer Fußballer erhielten für ihren umstrittenen Doppeladler-Jubel bei der Fußball-WM in Russland Geldstrafen, keine Sperre. Die FIFA wertet dies als "unsportliches Verhalten". Das Zeichen birgt darüber hinaus aber auch politischen Zündstoff.

von Mojra Bozic 

10.000 Franken pro Mann – das ist die Strafe für den ersten Skandal der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland. Die Schweizer Nationalspieler Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri formten ihre Hände nach ihren Toren beim 2:1-Sieg gegen Serbien zu einem Adler. Zu einem Adler, wie er auf der albanischen Flagge zu sehen ist. Aus der Sicht des Fußballweltverbandes FIFA war das unsportliches Verhalten. Eine politische Botschaft, die an die serbischen Fans als Provokation ausgesandt wurde, habe es nicht enthalten. Eine krasse Fehleinschätzung.

Dazu muss man wissen: Die Spieler sind kosovo-albanischer Abstammung. Ihre Eltern wurden in der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik Serbien geboren, gehörten aber der albanischen Minderheit Jugoslawiens an. Ende der 80er- und Anfang der 90er-Jahre wanderten sie in die Schweiz aus. Shaqiri kam als kleiner Junge in die Alpenrepublik, Xhaka wurde dort geboren. Heute sind sie Schweizer Staatsbürger.

Unsportliches Verhalten: Spieler aus Schweiz bekennen sich zu Kosovo - FIFA verhängt Geldstrafen

Shaqiri provozierte die serbischen Fans schon vor dem Spiel

Schon vor dem Anpfiff fühlte sich die serbische Seite provoziert. Shaqiri veröffentlichte auf seinem Instagram-Profil Fußballschuhe, auf denen zwei Fahnen zu sehen sind – die der Schweiz und die des Kosovo. Beim Spiel am 22. Juni in Kaliningrad kamen sie auch zum Einsatz. Für die Serben eine grobe Provokation, denn ihre Regierung erkennt die seit 2008 abgespaltene Provinz nicht als souveränen Staat an. Der Konflikt zwischen Serben und Kosovo-Albanern dauert seit Jahrzehnten an, hat auf beiden Seiten viele Opfer gefordert, auf beiden Seiten lastet der Schatten schwerer Verbrechen. Da insgesamt vier Spieler der Schweizer Nationalmannschaft kosovo-albanischer Abstammung sind, war die ohnehin aufgeladene Atmosphäre durch diesen politischen Hintergrund zusätzlich angespannt.

Weder die FIFA noch der Schweizer Fußball-Verband haben die Jubelgeste von Shaqiri und Xhaka richtig verstanden. Oder sie wollten sie nicht richtig verstehen. Dass der Kapitän der Nationalmannschaft der Eidgenossen, Stephan Lichtsteiner, mitgemacht hat und nun 5.000 Franken Strafe bekam, kann man als Mangel an Wissen über historische Verhältnisse auf dem Westbalkan abtun. Denn dies war eine hochpolitische Geste, und als solche hat sie auf dem Fußballplatz nichts verloren. Zumal die FIFA jegliche Politik aus dem Sport fernhalten möchte. Zudem birgt diese Geste für die zarte Stabilität des Westbalkans viel Zündstoff in sich.

Für die Serben ist der mit den Händen geformte Doppeladler das Synonym für Großalbanien. Und Xhaka und Shaqiri dürften dies sicherlich wissen. Nicht zuletzt könnte man diese Jubelszenen als Fortsetzung einer Provokation betrachten, die sich beim EM-Qualifikationsmatch 2014 zwischen Serbien und Albanien abgespielt hatte. Damals hatten albanische Fans eine mit einer Fahne bestückte Drohne über dem Spielfeld in Belgrad schweben lassen - auf dieser waren die Umrisse Großalbaniens und die Flagge mit dem Doppeladler zu sehen.

Als der serbische Spieler Stefan Mitrović die Fahne an sich reißen wollte, um die Provokation zu beenden und das Spiel fortzusetzen, gingen albanische Spieler auf ihn los. Einer der ersten, der Mitrović attackierte, war Taulant Xhaka, der Bruder von Granit Xhaka. Laut einem Bericht der Schweizer Zeitung Blick äußerte er sich später auf seiner Facebook-Seite zu diesem Vorfall und dem Angriff auf den serbischen Spieler mit den Worten:

Die Flagge der albanischen Nation haben schon die Ersten von uns verteidigt, und so mussten auch wir es tun.

Schweizer Fußball-Verband verteidigt Xhaka und Shaqiri nach umstrittenen Jubelgesten

Großalbanien bedeutet neue Grenzveränderungen auf dem Balkan

Den von albanischen Nationalisten angestrebten Wunschstaat gab es schon einmal - während des Zweiten Weltkriegs, als Benito Mussolini dem annektierten Albanien das Kosovo und Teile Mazedoniens und Griechenlands angliederte. Auch seit der Unabhängigkeit der ehemaligen serbischen Provinz im Jahr 2008 wurde immer wieder ein Zusammenschluss des Kosovo mit dem albanischem Kernland thematisiert. Hinzu kommt, dass einige südliche Regionen Serbiens überwiegend von ethnischen Albanern bewohnt werden, deren politische Anführer oft ebenfalls mit Äußerungen über einen Anschluss an die abtrünnige serbische Provinz und weiter an einen gemeinsamen Staat mit Albanien zündeln. 2001 konnte nur mithilfe der internationalen Gemeinschaft ein bewaffneter Konflikt zwischen Serbien und einer albanischen "Befreiungsarmee", die diesen Teil Serbiens als Ost-Kosovo betrachtet, beendet werden.

Der beim Spiel in Kaliningrad gezeigte Doppeladler ist aus all diesen Gründen nicht das Wappentier der albanischen Flagge, für Serben ist er eine politische Provokation größeren Ausmaßes. Und an diesem Abend war er leider eine auf dem Rasen ausgesandte politische Botschaft an die gegnerischen Fans. Somit hätte die FIFA in diesem Fall den Artikel 54 anwenden müssen, der politische Propaganda mit Spielsperren sanktioniert. Dass die Anhänger der serbischen Nationalmannschaft beschämende und rassistische Parolen von den Tribünen gerufen haben, ist ebenfalls nicht zu entschuldigen. Die politische Entgleisung des serbischen Trainers bei der Pressekonferenz am Tag nach dem Match ist gleichfalls unentschuldbar. Dass auch in diesem Fall lediglich Geldstrafen verhängt wurden, kann somit nur als Ausgleich für die sehr milde Bestrafung der Schweizer Nationalspieler gewertet werden.

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