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Verschwörungstheorie zur besten Sendezeit: ARD bezichtigt russische Nationalelf des Dopings

Verschwörungstheorie zur besten Sendezeit: ARD bezichtigt russische Nationalelf des Dopings
Während der Fußball-WM in Russland ist der ARD die Aufmerksamkeit eines Millionenpublikums sicher. Diese nutzt sie, um die russische Nationalmannschaft des Dopings zu bezichtigen. Doch mehr als eine faktenfreie Verschwörungstheorie hat der Sender nicht zu bieten.

von Gert Ewen Ungar

Eine Definition von Wahnsinn lautet, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erhoffen. Der “ARD-Dopingexperte” Hajo Seppelt erfüllt mit jedem Tag ein bisschen mehr diese Definition.

Eher Faktenfilter  als Faktenfinder - Screenshot: faktenfinder.tagesschau.de

Schon mit seiner These vom russischen Staatsdoping bei den Winterspielen 2014 in Sotschi legte Seppelt ganz objektiv betrachtet eine ziemliche Bruchlandung hin. Die Anschuldigungen hielten einer Überprüfung kaum stand, sein damaliger Kronzeuge Rodtschenkow brach weg, denn er widerrief seine Aussagen. Die Anschuldigungen gegen zahlreiche russische Sportler hatten vor Gericht keinen Bestand, der Internationale Sportgerichtshof hat sie daher rehabilitiert.

Nun ist es genau dieser Kronzeuge, den Seppelt jetzt wieder bemüht. Die “ARD-Dopingredaktion” (wer hat sich eigentlich diese selten dämliche Bezeichnung ausgedacht?) berichtet exklusiv.

Wovon sie nicht berichtet: Bei ihrem Kronzeugen Rodtschenkow wurde vor einigen Jahren eine schizotype Persönlichkeitsstörung festgestellt. Mit diesem Wissen ergeben seine “Kronzeugenberichte” genannten Anschuldigungen gegenüber Russland auch Sinn. Allerdings keinen, der sich im Faktischen aufhält, sondern einen pathologischen. Es ist doch alles offenkundig völlig Wirres Zeug, was Seppelt unter Berufung auf Rodtschenkow da dem ARD-Publikum als angeblich investigativen Sport-Journalismus auftischt.

Man lese sich nur diesen Absatz durch:

Er brachte an jenem Juni-Tag, so das Tagebuch, die ‘Zauberkünstler’ mit, die ‘Vier Kunststücke’ vollbrachten. ‘Gott sei Dank lief alles gut’, schreibt Rodschenkow. Auf ARD-Anfrage zu Kambolov erklärt Rodschenkow weiter, man habe Tarnbegriffe wie diese für die Manipulation benutzt.

Eine besseres Beispiel für Schizophrenie findet sich vermutlich auch in einem medizinischen Lehrbuch nicht. Oder kann jemand erklären, warum hier “Tarnbegriffe” benutzt werden? Die ganze Schilderung ist von peinlicher Lächerlichkeit. Es ist schon erstaunlich, was man für 17,50 GEZ-Haushaltsabgabe an schlechtem Journalismus geboten bekommt.

Grigori Rodtschenkow

Auch eine Antwort auf die sich automatisch stellende Frage, was ein Cortison-Präparat wie das von Seppelt genannte Dexmethason im Fußball für herausragend leistungssteigernde Wirkung entfalten sollte, sucht man im Text vergebens. Es wirkt gegen Allergien, ist entzündungshemmend und beugt Hirnödemen vor. Macht man russische Fußballer so fit für den Kopfstoß oder was will Seppelt damit sagen?

Es ist insgesamt einfach erschreckend flach, was Seppelt an “Beweisen” präsentiert. Es ist nichts weiter als eine Aneinanderreihung von Mutmaßungen. Man kann es daher auch mit Fug und Recht eine Verschwörungstheorie nennen, was die ARD ihren Zuschauern präsentiert. Darüber hinaus wird jeder journalistische Standard verletzt. Das fängt schon im Anreißer an. Dort heißt es:

Die Vertuschung positiver Dopingproben per Urinaustausch, wie sie während der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi im großen Stil stattgefunden hat, gab es offenbar auch im Fußball.

Journalistisch richtig muss es heißen: “Die Vertuschung positiver Dopingproben per Urinaustausch, wie sie während der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi im großen Stil stattgefunden haben soll, gab es offenbar auch im Fußball.” Wenn man sich anmaßt, wie Seppelt das ja im Hinblick auf eine russische Journalistin tat, Wächter über die Standards der Zunft zu sein, muss man selbst erst einmal in der Lage sein, sich an diese halten zu können. Das kann Seppelt offensichtlich nicht und der “ARD-Dopingredaktion” rutscht das auch noch durch. Qualität sucht man im deutschen Qualitätsjournalismus ja vielfach vergebens.

Der Verdacht drängt sich automatisch auf: So lange es gegen Russland geht, sind alle Mittel recht. Warum es ständig gegen Russland geht, ist jedoch die eigentliche Frage. Gemessen an tatsächlichen Fakten hat Seppelt wenig zu bieten. Gemessen an dem Wind den er macht, ist er natürlich ganz weit vorneweg.

So ist das Wenige, was an der ganzen Berichterstattung um und von Seppelt stimmt, die Tatsache, dass er in Russland bekannt ist wie ein bunter Hund. Hier kennt tatsächlich jeder Hajo Seppelt. Er genießt hier in Russland einen ähnlichen Bekanntheitsgrad wie die Russlandhasserinnen Rebecca Harms und Marieluise Beck (beide Bündnis 90/Die Grünen). Es ist übrigens ganz erstaunlich, wie gut Russen darüber informiert sind, über was und wie in Deutschland diskutiert wird, wir aber in Deutschland ganz schlecht darüber informiert sind, über was und wie in Russland diskutiert wird. Das mag als weiterer Hinweis auf die durchaus bescheidene Qualität des deutschen Qualitätsjournalismus gelten.

Daher ist die von der “ARD-Dopingredaktion” und dem Moskauer ARD-Korrespondenten Lielischkies beschworene Gefahr, Seppelt könnte erkannt werden und dann eins auf die Mütze bekommen, nicht von der Hand zu weisen. Warum er deswegen nicht nach Russland reist, bleibt jedoch sein Geheimnis. Aus Angst vor dieser Eventualität? Dass er sich in Russland keiner großen Beliebtheit erfreut, wusste er auch schon vorher. Wieso dann das ganze Theater um sein Visum?

Die Frage bleibt: Warum die ganze Hetze gegen Russland? Die Erklärung ist ganz einfach: Folge der Spur des Geldes. Was sagte Präsident Wladimir Putin in seiner Regierungserklärung, was in den nächsten Jahren passieren soll? Es soll eine Entwicklungsoffensive geben. Die Mittelschicht soll (weiter) wachsen, die Infrastruktur soll (weiter) ausgebaut werden, die Ausgaben für Soziales sollen (weiter) erhöht werden. Eingespart werden soll bei den Ausgaben für Rüstung und Militär. Zudem soll die demokratische Beteiligung und Teilhabe ausgebaut werden.

Das ist nun ganz genau das Gegenteil von dem, was im Westen passiert. Dann sind wir bei einem alten Konflikt, nämlich dem, wer in welcher Weise und in welchem Umfang vom gemeinsam erwirtschafteten Wohlstand profitieren soll. Russland beantwortet die Frage darauf anders als der Westen. Bei uns soll der Wohlstand von den Reichen auf die Ärmeren heruntertropfen, weshalb die Reichen erst einmal reich und reicher gemacht werden müssen. In Russland soll er einfach gerecht zum Wohle aller verteilt werden. Wer weiß, mit welcher Härte das neoliberale Konzept gegen jeden Sachverstand in Europa und der westlichen Hemisphäre durchgesetzt wird, der versteht auch die Aggression gegen Russland. Gerade Deutschland tut sich hier besonders hervor.

IOC-Präsident Thomas Bach und der IOC-Generaldirektor Christophe de Kepper auf der 126. Tagung des Internationalen Olympischen Komitees am 5. Februar 2014 in Sotschi.

Von diesem unterschiedlichen ökonomischen Ansatz hört man in den deutschen Qualitätsmedien freilich wenig. Aus gutem Grund, schließlich könnte das eine Diskussion darüber auslösen, wie alternativlos die deutsche und europäische Wirtschaftspolitik tatsächlich ist.  

Deutsche Medien kümmern sich lieber um irgendwelche Urinproben, betreiben Hetze in großem Umfang und machen sich zum Instrument einer aggressiven Politik gegen Russland.  

Seppelt jedenfalls, das wurde in den vergangenen Jahren überdeutlich, geht es nicht oder nur am Rande um sauberen Sport. Seppelt und mit ihm die ARD verfolgen offenkundig eine politische Agenda. Und diese Agenda richtet sich nicht nur gegen Russland, sondern auch gegen die wirtschaftlichen und politischen Interessen der Mehrheit der Zuschauer. Das allerdings ist der eigentliche Wahnsinn.

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

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