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Der Fall Babtschenko: Bis auf die Knochen blamiert

Der Fall Babtschenko: Bis auf die Knochen blamiert
Der russische Journalist Arkadi Babtschenko während eines Interviews in Kiew, 31. Mai 2018.
Das große Fressen für Medien und Politiker blieb diesmal aus. Nachdem die Messer schon gewetzt worden waren und man sich in Stellung gebracht hat, um ja den größten Bissen vom russischen Schmaus abzubekommen, vermieste ihnen ausgerechnet die Ukraine den Appetit.

von Zlatko Percinic

Kiew zog ein Schauspiel allererster Güte ab, von dem selbst Hollywood noch etwas lernen kann. Dabei waren die Zutaten wie aus einem perfekten Kochbuch: Man nehme einen unbedeutenden "Kremlkritiker", zum Beispiel Arkadi Babtschenko, der aus dem gemeingefährlichen Russland wegen seiner ständigen Kremlkritik in die Ukraine fliehen musste. Dieser wird ermordet und erklimmt posthum die europäische Werteleiter, um die sich alle Köche wie vor einem Hexenkessel sammeln, und fertig ist die fette Keule, die man den Russen mit sabbernden Mündern um die Ohren schlagen will.

Ukrainische Panzer bei einem Großmanöver - Die Regierung in Moskau hat bereits angekündigt, dass man

Und dann geschieht das Unmögliche: Das vermeintliche Mordopfer feiert seine Wiederauferstehung, noch bevor eiligst zusammengerufene Krisensitzungen in Brüssel, Washington, Berlin und London tagen konnten, um sich zu überlegen, welche Maßnahmen man gegen Moskau einleiten will. Es geht ja immerhin um Solidarität mit Kiew, das unsere europäischen Werte teilt. Und der bis dahin noch gültige Mord an Arkadi Babtschenko war schließlich ein Angriff auf unser aller Sicherheit hierzulande.

Was haben wir nicht alles gehört. Ina Ruck, WDR-Korrespondentin für Außen- und Sicherheitspolitik und ehemalige ARD-Studioleiterin in Moskau, twitterte:

 Ein Wunder, dass es überhaupt noch mutige Journalisten in Russland gibt.

Julian Röpcke, Bild-Redakteur und freundlicher Unterstützer von Dschihadisten in Syrien und Neonazis in der Ukraine, formulierte es in seiner gewohnt sachlichen Sprache und sprach eigentlich das aus, was auch Ina Ruck meinte:

 Putins Regime mordet und mordet und mordet.

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Andernfalls müsste sich Frau Ruck ja nicht darüber wundern, "dass es überhaupt noch mutige Journalisten in Russland gibt."

WM-Boykott!: Deutscher Journalisten-Verband greift Ermittlungsergebnissen vorweg

Der Deutsche Journalisten-Verband(DJV) musste sich natürlich ebenfalls äußern, ganz klar. Und weil der DJV seit neuestem auch Verbrechen aufklärt, war der Täter schon ausfindig gemacht, bevor die Polizei in Kiew den Tatort überhaupt untersucht hat:

Auch, wenn - natürlich - noch nicht klar ist, wer konkret die Ermordung Babtschenkos kurz vor der Fußball-WM in Russland veranlasst hat, so deutet doch alles in eine Richtung. Die Fußball-WM findet trotzdem statt. In einem Land, das auf der weltweiten Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 148 von 180 Staaten steht. Konsequent wäre, wenn alle EU-Staaten nach dem Giftgasanschlag von Salisbury und jetzt der Ermordung von Babtschenko endlich ernsthaft über einen Boykott der Fußball-WM nachdenken würden.

Vor lauter Hetze gegen Russland ist dem DJV eine der wichtigsten Fragen bei der Verbrechensaufklärung entgangen: Was war das Motiv? Wieso sollte Russland kurz vor der WM (wenn es überhaupt von der Regierung beauftrage Morde gibt, welche zu verurteilen wären) im eigenen Land so einen Blödsinn machen, und dann ausgerechnet noch in der Ukraine?

Petro Poroschenko bei den ukrainischen Kommunalwahlen 2015

Ach, und da war ja dann auch der "Osteuropa-Experte" Boris Reitschuster, wie ihn der DJV nennt, der sich als guter Freund vom vermeintlichen Opfer Babtschenko versteht (weil er seine Frau kennt) und wohl eine gemeinsame Leidenschaft teilt ("einer der lautstarksten Putin-Kritiker"). Er hat einen ganz besonders rührenden Nachruf verfasst:

Arkadi Batschenko ist tot. Erschossen. Einer der lautstarksten Putin-Kritiker. 'In Russland kommen Leute in den Knast, weil sie meine Posts teilen, hat er mir im März erzählt. Ich kenne seine Frau. Seine kleine Tochter. Ich habe keine Worte mehr. Nur Tränen. Leb Wohl, Arkadi!

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Nun, auch mir fehlen die Worte, nicht nur dem Boris. Mir fehlen die Worte darüber, wie einfach sich eigentlich intelligente Menschen veräppeln lassen und jede sich bietende Möglichkeit nutzen, um ihrer Ideologie Ausdruck zu verleihen. Sie schämen sich dann nicht einmal dafür, dass sie zu Unrecht ein ganzes Land für einen Mord beschuldigen, der sich dann schließlich als eine astreine Seifenoper entpuppte. Diese Leute besitzen dann nicht einmal den Anstand, sich öffentlich für ihre falschen Beschuldigungen zu entschuldigen. Stattdessen hört man zwar den Ärger und auch Erleichterung heraus, dass Babtschenko am Leben ist, am Ende bleibt der Russe aber immer noch an allem schuld.

Wer ist Arkadi Babtschenko? Dieser Frage ging die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) nach. Eine eigentlich sehr wichtige Frage, angesichts der plötzlichen Solidarität, die ihm hierzulande zuteil wurde. Der NZZ-Artikel kratzte aber nur leicht an Babtschenkos Oberfläche und ließ wichtige Details aus. Details, die die WDR-Korrespondentin Ina Ruck nicht glauben mag, ganz im Gegensatz zum vorgetäuschten Mord. Dass der russische Journalist als Kriegsreporter bei der Novaya Gazeta und beim Moskowski Komsomolez aufgrund seiner Radikalisierung und mangelnder Selbstdisziplin rausflog und sich dann fortan über Crowdfunding für seinen Blog und Auftritten in einer kaukasischen TV-Show finanzierte, wird nicht erwähnt. Solange er aber Dinge wie "ich tanze auf Putins Grab" sagt, ist ihm die Unterstützung unserer Medien und Politiker jedoch gewiss.

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