Dr. Gniffkes Macht um Acht: Alles eine Soße - Banker, Gauner, Journalisten

Dr. Gniffkes Macht um Acht: Alles eine Soße - Banker, Gauner, Journalisten
Doktor Kai G. - Der berüchtigte Chefredakteur der ARD-Tagesschau - Quelle: Screenshot ard.de
In den Nachrichten über Massenentlassungen bei der Deutschen Bank spielt das Schicksal der Betroffenen keine Rolle. Auch über Proteste am Rande der Aktionärsversammlung wird kein Wort verloren. Eine Abrechnung mit ARD-Chefredakteur Dr. Gniffke und der Tagesschau.

von Friedhelm Klinkhammer und Volker Bräutigam

Die Tagesschau meldet:

Bei der Deutschen Bank ist ein massiver Stellenabbau angelaufen. Die Zahl der Vollzeitstellen soll vom jetzigen Stand um mehr als 97.000 auf deutlich unter 90.000 verringert werden. Konzernchef Sewing kündigte an, vor allem Jobs beim Aktienhandel und im Investment-Banking zu streichen. Viele Aktionäre zeigten sich [...] unzufrieden...

Die Stellenzahl wird also "verringert". Bloß nicht aussprechen und melden, was Sache ist: Weit mehr als 7.000 Menschen werden ihre Arbeitsplätze verlieren. Sie werden arbeitslos oder auf ungeliebte Posten verschoben, weil einem alerten Banker vom Typ Jungdynamiker nichts Besseres dazu einfällt, wie die Profite der Bank wieder so gesteigert werden könnten, als dass die Aktionäre den Hals vollkriegen. Der Mann verdient mehrere Millionen Euro pro Jahr. Die Tagesschau, wichtigster Nachrichtenanbieter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, berichtet aus seinem und dem Blickwinkel von Aktionären und Managern, vulgo: Beutelschneidern. Das Schicksal von tausenden Lohnabhängigen interessiert sie einen Dreck. Kein wahrscheinlich Betroffener kommt hier zu Wort.

Kai Gniffke: Seit 2006 Chefredakteur von ARD-aktuell und somit auch von Tagesschau und der Tagesthemen - Quelle: Screenshot tagesschau.de

Dass die Deutsche Bank aus Sicht nicht weniger Menschen einem Gangster-Syndikat ähnelt, ist keine neue Erkenntnis. Ihre fiesen Geschäfte im Investment-Banking haben zu diesem Ruf beigetragen. 20 Milliarden Euro an Aktienwert haben die Boni-Raffer des Direktoriums in ihrer Gier in jüngster Zeit "verbrannt". Um den Abwärtstrend zu stoppen, greifen sie nun zum probatesten Mittel eines kapitalistischen Wirtschaftssystems: Sie drangsalieren Arbeitnehmer, verschlechtern deren soziale Existenz und vernichten Arbeitsplätze. 

"Hälfte der Arbeitsplätze überflüssig"

Dass ARD-aktuell darüber berichtet, dass fast zehn Prozent des Personals der Deutschen Bank zu Lückenbüßern eines unfähigen Bankmanagements gemacht werden sollen, versteht sich von selbst. Entscheidend ist nur die Perspektive der Berichterstattung, aus der Chefredakteur Dr. Gniffke seine ARD-aktuell-Qualitätsjournalisten über den rigide asozialen Kurs der Bank informieren lässt. 

Das Schicksal der für überflüssig erklärten Arbeitnehmer wird in ihren Nachrichten abgehandelt nach Maßgabe von Bilanzregeln und Kostenfaktoren:

Was nach einem Umbau mit der Brechstange klingt, scheint bitter nötig zu sein, denn die Bank hat vor allem ein Kostenproblem.

Kein Wort verliert die Tagesschau darüber, dass die jetzt diskutierte Massenentlassung mutmaßlich nur die Spitze des Eisberges ist. Im Dezember 2017 sagte der vorige Vorstandschef John Cryan der Financial Times, seiner Ansicht nach sei bei der Deutschen Bank die Hälfte der 97.000 Arbeitsplätze "überflüssig". Verschwiegen wird auch, dass die Aktionäre der Deutschen Bank in diesem Jahr immerhin noch rund 1,5 Prozent Dividende einsacken, das Siebenfache dessen, was derzeit ein Sparbuchbesitzer zu erwarten hat.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk, eine demokratische Errungenschaft, Einrichtung des Volkes für das Volk? Von wegen: In seinen Nachrichten, auch in denen der Tagesschau, kommt das Schicksal der gekündigten Arbeitnehmer nicht vor, es dominieren die Interessen der Kapitaleigner. Ausgiebig darf Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz seine Kritik am Management der Bank äußern. Eine Minute Maulen und Labern aus der Sicht von Pfennigfuchsern, ehe die Tagesschau-Reporterin ihn allen Ernstes fragt: "7.000 Stellen streichen, ist das der richtige Weg?" 

Mit den Arbeitnehmervertretern abgestimmt

Diese schlicht daherkommende Frage macht wasserklar, dass sich in solchen Nachrichtensendungen alles um kapitalistische Methodik dreht, nicht um soziale und humanitäre Anliegen. Die Antwort des Lobbyisten enthält das bekannte neoliberale Lamento: Zum Arbeitsplatzabbau bestehe keine Alternative, vergleichbare Banken kämen mit der Hälfte der Beschäftigten aus... Es folgt seine Eloge auf den neuen Bankchef und Arbeitsplatzvernichter Sewing. Journalisten der ARD-aktuell halten solchen Typen bereitwillig das Mikrofon hin und stören sie nicht mit lästig-kritischen Nachfragen. Der Nachrichtenjournalismus steht nicht im Dienste der Aufklärung, sondern im Dienst der wirtschaftlichen Eliten.

Quelle: Screenshot tagesschau.de

Bei Dr. Gniffkes Qualitätsjournalisten reichte es nicht einmal dazu, eine Stellungnahme der Gewerkschaft ver.di einzuholen, der zuständigen Arbeitnehmerorganisation für die Beschäftigten des Bankengewerbes. Wundern darf man sich darüber nicht. Die ver.di-Verantwortlichen waren mutmaßlich in die Pläne der Deutschen Bank eingeweiht und tragen diese mit. Das geht aus der Aussage des Vorstandschefs Christian Sewing hervor: "Konkrete Maßnahmen zum Mitarbeiterabbau kommunizieren wir immer dann, wenn wir ein Etappenziel erreicht und es mit den Arbeitnehmervertretern abgestimmt haben."

Verdi-Chef Bsirske, Mitglied im Aufsichtsrat der Bank mit weiteren sieben Gewerkschaftsvertetern, lobte Bankenchef Sewing als "ausgezeichnete Wahl", noch bevor dieser sein Amt angetreten hatte. Alles eine Soße: Banker, Lobbyisten, Gewerkschaftsfunktionäre, Journalisten. Man kennt sich, man sieht sich, man versteht sich. Auch bei der ärgsten Lumperei, die Menschen ins Unglück stürzt. 

Kritiklose Berichterstattung wird zum System

Vollends aus dem Blick bleibt schmutzige Geschäft, in dem auch die Deutsche-Bank-Manager bis zum Stehkragen stecken. "Ich krieg' die Krise. Raus aus Kohle, Waffen und Steueroasen!", forderte die Bürgerinitiative Attac während der Hauptversammlung der Deutschen Bank. attac verlangt ein Ende des das Gemeinwohl schädigenden Geschäftsmodells der Bank: mehr als fünf Milliarden Euro in die Rüstungswirtschaft investiert; Spitzenreiter bei der weltweiten Finanzierung des Atomwaffenbaus; Drehkreuz zumindest illegitimer Finanzströme; Steuertrickser mit Niederlassungen in Steueroasen wie Luxemburg und den britischen Jungferninseln; Dienstleister und Hilfesteller einer Kundschaft, die sich mit Steuerhinterziehung und Geldwäsche bereichert. 

Wer attac ist und welche Informationen diese Organisation bereithält über die dunkle Seite der Deutschen Bank, weiß man natürlich bei der Tagesschau. Darum erscheint nur konsequent, dass dieses transatlantisch-kapitalistisches Doping verbreitende Propaganda-Institut kein Wort über die Gegendemonstration der attac gegen die Aktionärsversammlung der Deutschen Bank verlor. Kritiklosigkeit gegenüber den Mächtigen hierzulande ist ein Markenzeichen der Tagesschau.

Quellen: 

https://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts-25733.html

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/deutsche-bank-263.html

https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-406669.html

http://www.attac.de/index.php?id=394&no_cache=1&tx_ttnews%5Btt_news%5D=9611

Das Autoren-Team: 

Friedhelm Klinkhammer, Jahrgang 1944, Jurist. 1975 bis 2008 Mitarbeiter des NDR, zeitweise Vorsitzender des NDR-Gesamtpersonalrats und des ver.di-Betriebsverbandes sowie Referent einer Funkhausdirektorin. 

Volker Bräutigam, Jahrgang 1941, Redakteur. 1975 bis 1996 im NDR, zunächst in der Tagesschau, von 1985 an in der Kulturredaktion für N3. Danach Lehr- und Forschungsauftrag an der Fu-Jen-Uni in Taipeh. 

Anmerkung der Autoren: Unsere Beiträge stehen zur freien Verfügung. Wir schreiben nicht für Honorar, sondern gegen die "mediale Massenverblödung" (in memoriam Peter Scholl-Latour). Die Texte werden zumeist auf der Seite http://forum.publikumskonferenz.de/ dokumentiert.

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

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