Amtseinführung Putin: Kampagnenjournalismus in der taz

Amtseinführung Putin: Kampagnenjournalismus in der taz
Die taz ist eine Zeitung, derer sich mittlerweile sogar einige ihrer Gründer schämen. Von einer linksalternativen Tageszeitung hat sie so weit gewandelt, dass sie mit einigen Beiträgen zu geopolitischen Themen sogar noch aggressiver als FAZ und "Welt" agiert.

von Gert-Ewen Ungar

Die taz wurde mit den Jahren ein wichtiges Instrument für die Feindbilderzeugung, erreicht sie doch eine Leserschaft, die sich immer noch für links hält, die jedoch mittlerweile infolge propagandistischer Dauerberieselung mit Vokabeln wie "Schutzverantwortung" und "humanitäre Verpflichtung" bereit ist, jeden Völkerrechtsbruch des Westens mitzutragen. Geht ja schließlich um die gute Sache.

Wer die taz liest, begreift mit anhaltender Dauer seines Abonnements immer besser: Man darf sich links nennen - und dennoch inbrünstig hassen. Schwule und Ausländer natürlich nicht, das wäre rechts. Aber Russland schon. Das geht, gehört inzwischen sogar zum guten Ton in bestimmten sich für links haltenden Kreisen.  

"Putin-Protz" aus dem 19. Jahrhundert

Zur Genese des Feindbildes Russland trägt nicht zuletzt taz-Kommentator Klaus-Helge Donath gerne bei. Aktuell mit einem Beitrag zur Amtseinsetzung Putins. Schon die Unterschrift des Bildes, auf dem man Putin auf dem Weg in den Georgssaal sieht, macht dem taz-Leser deutlich, was er zu denken hat. "Putin-Protz" steht da. Dabei entstand der Putin-Protz bereits im 19. Jahrhundert unter Zar Nikolai I. Der Mann hatte offenbar Weitblick.

Natürlich fällt es auch Klaus-Helge Donath schwer, die hohe Zustimmung zu Putin kleinzureden. Bei 76,8 Prozent Ja-Stimmen hilft es auch nicht, von Wahlfälschungen zu sprechen, zumal die OECD nichts zu beanstanden hatte. Es muss also an etwas anderem liegen. Und Donath sagt uns auch, was da grundsätzlich falsch läuft in Russland. Es ist ganz einfach: Es ist der Russe selbst. Der hat es nämlich gerne autoritär und kann mit Demokratie und Freiheit wenig anfangen.

Bevor man jetzt allerdings die Rassismuskeule zückt, um auf Klaus-Helge Donath draufzuhauen, wozu es an dieser Stelle einige Berechtigung gäbe, sollte man sich einige Passagen des Kommentars von Donath genauer ansehen. Da steht zum Beispiel:

Putins Russland ist ein autoritäres System wie fast alle vorangegangenen russischen Regime. Öffnet es sich, setzt es sich dem Risiko aus, den Zugriff auf die Gesellschaft und das außenpolitische Erpressungspotenzial zu verlieren. Das würde der Herrschaft der Geheimdienste im Innern ein Ende bereiten. Den Reifegrad hat Russland jedoch noch nicht erreicht.

Mal abgesehen davon, dass, wenn eine Gesellschaft gerade nicht den Reifegrad hat, die Herrschaft der Geheimdienste zu begrenzen, dies wohl eher die westliche Gesellschaft ist, klingt die These vom mangelnden Reifegrad der russischen Gesellschaft irgendwie bekannt.

Geistige Inzucht der Schickeria in Berlin-Mitte

Es war der russische Ex-Oligarch, Liebling zahlreicher Grünen-Politiker und vor allem Politikerinnen Michail Chodorkowski, der sie begründete. Er sah und sieht sich selbst wohl immer noch gern in der Rolle des Diktators, der Russland und den Russen den Weg in den Neoliberalismus aufzwingen wird. Folgt man dieser Spur, wird man auch in der Wortwahl Donaths fündig und kann den Kommentar einordnen als das, was er tatsächlich ist.

Berlin, Dezember 2016: Die Grünen-Politikerin Marieluise Beck demonstriert vor der Russischen Botschaft gegen die Beteiligung des russischen Militärs an der Befreiung der syrischen Stadt Aleppo.

Putin ist nur aufzuhalten, wenn er eine rote Linie erkennt und deren Überschreiten auch umgehend geahndet wird.

Auch das hat man schon mal gehört. Aus dem Munde von Frau von der Leyen ebenso wie aus dem Munde der grünen Ex-Bundestagsabgeordneten und selbst erkorenen Think-Tankerin Marieluise Beck. Und damit erschließt sich auch dieser unglaubliche Kommentar schon fast städtegeografisch. Da schlendert Donath auf der Suche nach Inspiration in Berlin-Mitte ein bisschen durchs Viertel. Raus aus der taz macht er einen kleinen Bogen vorbei am Springer-Verlagshaus, grüßt die Kollegen von der Welt, plaudert ein bisschen, was die gerade so über Russland schreiben (dürfen), biegt dann ein in die Charlottenstraße, überquert Unter den Linden, vielleicht auf einen kleinen Wodka rein in die Botschaft der Ukraine. Ist ja immer ganz nett da und von Faschismus keine Spur, was die immer alle haben?!

Dann aber auf jeden Fall eine kurzer Besuch beim zwanzig Meter entfernt liegenden Zentrum Liberale Moderne. Ein bisschen reinhören, was da gerade so gedacht wird. Anschließend ein paar Schritte zur Heinrich-Böll-Stiftung, wenn noch Zeit bleibt, ein Abstecher zur Atlantik-Brücke, um dann ausgestattet mit dem aktuellen Hintergrundwissen und dem korrekten Wording zum Thema Russland voller Elan und Inspiration zurück an den Schreibtisch zu finden.

Selbstreferenzieller Meinungsaustausch

So wird auch klar, wie das für den Westen überaus peinliche Thema Skripal Eingang in den Kommentar finden konnte. Das Thema wurde von Mainstream und Politik praktisch aufgegeben. Nur noch ganz hartgesottene Russlandhasser halten die These aufrecht, Russland hätte mit dem Anschlag auf den ehemaligen Doppelagenten Skripal und dessen Tochter überhaupt etwas zu tun. Aber zu diesen ganz hartgesottenen Russlandhassern zählen die genannten Institutionen auf jeden Fall.

Diese zählen auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit nahezu den gleichen Worten das auf, was auch Donath pflichtschuldigst in seinem Kommentar erwähnt: Russische Aggression in der Ostukraine, Unterstützung eines Diktators in Syrien, Cyberattacken auf friedliebende westliche Staaten. Fakten oder in Bezug auf Syrien auch nur die Kenntnisnahme des Völkerrechts? Fehlanzeige.

Ob der Spaziergang tatsächlich stattgefunden hat oder ob der inspirierende Austausch über E-Mail oder Telefon verlief, vermag ich nicht zu sagen, aber insgesamt läuft es in der politischen und medialen Berliner Republik genau so. Leider. Es war gerade der Leiter des ARD-Studios in Moskau, Udo Lielischkies, der darauf hinwies, dass Qualitätsjournalismus exakt auf diese Weise funktioniert und dass dies darüber hinaus zentrales Wesensmerkmal seiner Qualität sei.

Man würde sich regelmäßig mit den Kollegen aus anderen Ländern treffen, austauschen und absprechen, was man so aus und über Russland berichte. Dass ihm daraufhin Rudeljournalismus vorgeworfen wurde, hat er bis heute nicht verstanden.

NATO-Symbol in Brüssel

Jedenfalls, und das muss wohl nicht extra erwähnt werden, haben die jeweiligen Ergebnisse, mit welch hehrem qualitätsjournalistischem Anspruch sie dann auch daherkommen mögen, mit der jeweiligen Filterblase ganz viel, mit dem realen Russland aber praktisch nichts zu tun. Würde Donath seine journalistische Profession ernst nehmen, würde er sich bemühen, seine Filterblase zu verlassen.

Was man in Russland denkt

Dann hätte er die Möglichkeit, zur Kenntnis zu nehmen, was man in Russland tatsächlich so denkt. Da denkt man nämlich, dass der Fall Skripal den totalen Gesichtsverlust einiger westlicher Regierungen und deren Medien bedeutet. Eine absolute Lachnummer, was Großbritannien da abgeliefert hat und was westliche Medien da befördert haben.

Da denkt man auch, dass das Sanktionsregime der westlichen Länder völlig willkürlich ist und jeden völkerrechtlichen und diplomatischen Standard untergräbt. Da glaubt man auch, dass Deutschland zu zentralen geopolitischen Themen ohnehin nicht gefragt wird, sondern sich auch dann in Vasallengehorsam üben muss, wenn es sich damit ins eigene Fleisch schneidet. Man kann über diese russische Position sicherlich diskutieren.

Man könnte der russischen Meinung allerdings auch noch hinzufügen, dass den deutschen Medien dabei die Aufgabe zukommt, ökonomisch und diplomatisch völlig irrationale, ausschließlich machtpolitischen Überlegungen geschuldete Entscheidungen als das Ergebnis eines politischen Diskurses auf höchster Ebene zu verkaufen, die im allgemeinen Interesse seien. Man könnte mit anderen Worten hinzufügen, dass der deutsche Journalismus in weiten Teilen auf das Niveau von PR herabgesunken ist und mit journalistischen Standards kaum noch etwas zu tun hat, da er immer häufiger einfach nur noch Kampagnen umsetzt.

Damit wäre diese russische Meinung bedeutend näher an den Fakten als das Geschreibsel von Klaus-Helge Donath, der sich mit seinem Kommentar zum Erfüllungsgehilfen einer aggressiven westlichen Außenpolitik macht, Ressentiments züchtet und eskaliert, wo eigentlich Bemühen um Verständigung angebracht wäre. Und wo findet das alles statt? In der taz. Wo auch sonst.

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

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