Clinton-Researcher trägt Aluhut: "Juden als Bindeglied zwischen Putin und Trump"

Clinton-Researcher trägt Aluhut: "Juden als Bindeglied zwischen Putin und Trump"
Die "Russiagate"-Legende der Trump-Gegner in den USA hat eine neue Facette. Ein bedeutender "Feindbeobachter" im Auftrag des Clinton-Lagers will die jüdische Organisation Chabad als "Machtinstrument Putins" erkannt haben. Kritiker wittern Antisemitismus.

von Reinhard Werner

Es gibt Menschen, die zeigen ihr wahres Gesicht erst, wenn sie es verlieren. Die letzten Jahre, in denen der so genannte demokratische Konsens, den der politisch-mediale Mainstream Westeuropa und Nordamerika verordnet hat, zunehmend bröckelt, haben uns allen wie selten zuvor die Chance gegeben, die Richtigkeit dieses Ausspruchs zu verifizieren.

Ein aktuelles und besonders pikantes Beispiel dafür, wie schnell so genannte liberale Demokraten ihre vermeintlich tolerante und aufgeklärte Maske fallen lassen, sobald sie ihre unumschränkte Macht und Definitionshoheit schwinden sehen, ist die "Russiagate"-Legende mit Blick auf den US-Präsidenten Donald J. Trump.

Wie die jüngst veröffentlichten FISA-Memos zeigen, ist das Gerede von der großen russischen Verschwörung, die US-Präsident Donald Trump gegen den Willen aller billig und gerecht Denkenden ins Amt gebracht hätte, nicht erst eine Kurzschlussreaktion schlechter Verlierer gewiesen, die das Kunststück geschafft hatten, eine Wahl zu verlieren, die nach allen finanziellen, organisatorischen und medialen Möglichkeiten gleichsam unmöglich zu verschenken war.  

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Vielmehr hatte es das Polit-Establishment bereits im Vorfeld darauf abgesehen gehabt, notfalls unter Missbrauch exekutiver Befugnisse und der staatlichen Justiz zu verhindern, dass der missliebige Underdog auch nur die geringste Chance hätte, den sicher geglaubten Sieg der Eliten-Favoritin zu vereiteln.

Transkript aus Geheimdienstausschuss legt Abgründe offen

Als würden der politische Missbrauch von Geheimdiensten und Justiz oder die gefährliche Konfrontationspolitik gegen eine Atommacht, nur weil man eine Niederlage nicht akzeptieren kann, nicht ausreichen, schrecken die Trump-Jäger offenbar nicht einmal mehr vor manifest antisemitischen Verschwörungstheorien zurück, wenn es darum geht, ihre im Platzen begriffene eigene Propagandablase noch weiter zu nähren.

Vor zwei Wochen wurde, wie das Newsportal Breitbart News berichtet, das Transkript der Sitzung des Geheimdienstausschusses des Repräsentantenhauses vom 14. November des Vorjahres veröffentlicht, dem der Mitgründer des Unternehmens "Fusion GPS", Glenn R. Simpson, Rede und Antwort stand. Fusion GPS ist bekannt als so genannte Opposition-Research-Firma, die im Auftrag linksliberaler Organisationen Dossiers über politische Gegner anfertigt. Dazu gehörte auch ein 35-seitiges, mittlerweile weitestgehend zusammengebrochenes Konvolut über das angebliche schädliche Zusammenwirken zwischen Donald Trumps Wahlkampfteam und der Regierung der Russischen Föderation.

Da sich diese Behauptung immer mehr als Luftschloss entpuppt und zu nicht mehr gereicht zu haben scheint als zu einem vermeintlichen Enthüllungsbuch eines Klatschspaltenreporters, der darin so bahnbrechende Erkenntnisse liefert wie "Donald Trump isst aus Angst vor Vergiftungen bei McDonald's", trat Simpson die Flucht nach vorne an. Wohl weil doppelt genäht besser hält, hat er sein Konstrukt von der angeblichen russischen Weltverschwörung jetzt um jenes von der jüdischen ergänzt - und damit einen wahren Evergreen unter den verschwörungsideologischen Wahngebilden wiederaufbereitet.

Vor dem Kongress erläuterte Simpson, dass der russische Präsident Wladimir Putin in seinem angeblichen Weltherrschaftsstreben neben Handelsagenturen, Medien oder den viel zitierten russischen Hackern vor allem die jüdische Diaspora als Verbündeten ausersehen hätte.

Chabad Lubawitsch als Instrument Putins

Insbesondere das orthodoxe, ultrareligiöse und konservative Judentum sei es, das Putin zu umgarnen trachte. Der russische Präsident habe erst die jüdische Community in Russland selbst übernommen und dort die Führung eingesetzt. Nun ziele er auf jüdische US-Bürger mit russischen Wurzeln, die Geschäftsreisen nach Russland unternehmen - und auf die chassidische Bildungs- und Wohltätigkeitsorganisation Chabad Lubawitsch, die immerhin mehr als 3.500 Einrichtungen in mehr als 1.000 Städten und mehr als 100 Ländern betreibt. In den USA unterhält die Organisation in jedem der 50 Bundesstaaten ein Begegnungszentrum.

Bereits im letzten April hatte das linksliberale Blog Politico die Lubawitscher als "Bindeglied zwischen Trump und Putin" dargestellt und dies mit einzelnen vermeintlichen oder tatsächlichen Geschäftskontakten begründet, die Trump oder sein Schwiegersohn Jared Kushner mit Personen pflegten, die ihrerseits eine Verbindung zu Chabad aufwiesen.

Dass zahlreiche Geschäftsleute wie auch x-beliebige andere Personen aus der jüdischen Community der USA, Kanadas, aber auch anderer Länder wie Frankreich Verbindungen zu Chabad pflegen, die gleichzeitig auch die größte jüdische Organisation in Russland darstellt, hat jedoch nichts mit einer Verschwörung oder irgendwelchen obskuren Umtrieben zu tun. Es liegt schlicht und einfach daran, dass diese Organisation auf eine lange Geschichte positiven Wirkens auf das religiöse Leben jüdischer Gemeinden in aller Welt zurückblicken kann.

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Vor allem aber hat es damit zu tun, dass die Ziele Chabads in jüdischen Communitys weltweit auf starken Zuspruch stoßen. Für viele identitätsbewusste Juden sind die Lehren der Lubawitscher attraktiv, weil diese sich um einen traditionsbejahenden und frommen Mittelweg bemühen. Sie grenzen sich ab von einem liberalen Reformjudentum, das oft in vollständiger Assimilation endet, auf der einen, und den streng orthodoxen Spielarten, die oft mit den Sachzwängen des Alltagslebens kollidieren, auf der anderen Seite. Die Lehre der Lubawitscher lautet grob gefasst: "Kannst Du nicht alle Gebote halten, halte zumindest so viele, wie Du halten kannst."

Harte Arbeit und Frömmigkeit als Erfolgsfaktoren

Das Hauptanliegen Chabads, dessen Hauptquartier in New York City beheimatet ist, besteht darin, die Bindung des jüdischen Volkes zur jüdischen Religion zu erhalten und zu stärken. Politisch engagiert sich die Organisation grundsätzlich nicht. Anders als viele andere jüdische Verbände, die sich regelmäßig auch zu aktuellen politischen Themen von der Einwanderung bis hin zur Besetzung von Botschafterposten mit Presseerklärungen zu Wort melden, ist Chabad betont zurückhaltend, wenn es um tagespolitische Fragen geht.

In vielen Ländern hat das trotzdem die Politik ihrerseits nicht davon abgehalten, sich mit Chabad zu beschäftigen. Zu Sowjetzeiten litten die Lubawitscher Verfolgung und bemühten sich im Untergrund darum, das jüdische Gemeindeleben in den Republiken aufrechtzuerhalten. Verhaftungen, Gefängnisstrafen und Folter waren nicht selten der Preis, den sie dafür zu bezahlen hatten.

Die mutige Arbeit während der Sowjetära kam Chabad nach deren Zusammenbruch zugute. Die Autorität, die sich die Organisation in den jüdischen Gemeinschaften erworben hatte, half den Lubawitschern dabei, in der Russischen Föderation das Gemeindeleben zu organisieren. Das Verhältnis zur Regierung war sowohl unter Jelzin als auch später unter Putin und Medwedew ein durchaus konstruktives. Gleichzeitig bemüht sich Chabad auch in jedem anderen Land, in dem man vertreten ist, um ein positives Verhältnis zu den dortigen staatlichen Autoritäten.

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Für die Trump-Jäger und Russlandhasser in den USA scheint es jedoch kein Recht darauf zu geben, unpolitisch zu sein oder Pragmatismus über Ideologie zu stellen. Dass sich Chabad nicht für politische Kampagnen gegen andere Länder instrumentalisieren lässt, ist für diese Leute offenbar Grund genug, diese Organisation selbst ebenfalls als feindliches Element zu brandmarken.

Der Mythos von der aufgeklärten Gesellschaft

Lee Smith schrieb im Tablet-Magazin, dass die nunmehrige Erweiterung der Russiagate-Verschwörungstheorie auf Juden nicht unerwartet komme:

Also sollen wir davon ausgehen, dass Juden gegen Geld helfen, Amerika auszuspionieren. Ist es eine Überraschung, dass Russiagate auch Juden in seinen Narrativ integrieren würde? Nein. Es gab von vornherein keine Chance, dass ein Verschwörungsideologe wie Simpson in seinem großen Narrativ einer Trump-Russland-Kabale nicht auch Platz für die Juden finden würde."

Donald Trump betet beim Nationalen Gebetsfrühstück in Washington, D.C., USA, 2. Februar 2017.

In unserem angeblich so aufgeklärten und vernunftbetonten Zeitalter rümpft man gerne die Nase über Gesellschaften früherer Jahrhunderte, die auf der Basis bizarrer Schauermärchen über Hostienschändungen oder Brunnenvergiftungen blutige Judenverfolgungen durchführten oder auf Grund ähnlich wirrer Wahnvorstellungen Frauen als Hexen verbrannten.

Dabei ist es ist nicht einmal ein Jahrhundert her, seit auch in einem hoch industrialisierten, säkularisierten Europa Ideen wie Eugenik, Schädelvermessung oder die einer "jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung" konsensfähig wurden.

Und auch heute, im Zeitalter einer global vernetzten Informationsgesellschaft, glauben politische Führungsriegen und mediale Wortführer an eine Reihe absonderlicher Dinge, nur weil sie aus weltanschaulichen Gründen daran glauben wollen. Aber wer davon zu überzeugen ist, dass es mehrere Dutzend Geschlechter gibt, dass der Minimalstanteil menschengemachten CO2s in der Atmosphäre eine Menschheitskatastrophe bewirken kann oder dass unbeschränkte Einwanderung in die Industrieländer die Armut in der Welt beseitigt, der lässt sich bei Bedarf wohl auch einreden, es gäbe ein Komplott zwischen Juden und Russen, um die Demokratie in den USA zu untergraben.

Wäre das alles nicht so gefährlich, wäre es glatt ein Stoff für schwarze Komödien, wie so genannte Fortschrittliche beständig ihren eigenen Mythos untergraben.

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