Fake News – Pentagon brüstet sich mit Sieg über ISIS (II)

Fake News – Pentagon brüstet sich mit Sieg über ISIS (II)
Im ersten Jahr der US-Angriffe in Syrien flog die US-Luftwaffe eigenen Angaben zufolge über 10.000 Einsätze gegen ISIS-Ziele, jedoch ohne Erfolg. Die Schwächung der Terrororganisation in Syrien blieb aus.
Im ersten Teil dieser Miniserie wurde deutlich, dass die islamistische Terrororganisation ISIS von US-Geheimdiensten als nützlicher Feind geschaffen wurde. Dass die Bekämpfung des „Islamischen Staats“ von Washington nur vorgetäuscht war, wird unwiderlegbar im aktuellen Teil II klar.

Von Rainer Rupp

ISIS erlaubte dem US-Militär und der US-Politik die Rückkehr in den Irak, um dort die bereits verloren geglaubte reiche Beute in Form der Kontrolle über das geostrategisch wichtige Zweistromland und dessen großen Bodenschätze wieder fester unter US-Kontrolle zu bekommen. Als Nächstes lieferten die ISIS-Aktivitäten in Syrien den Kriegsverbrechern in Washington den Vorwand, um die Bombeneinsätze von US-Kampfjets und auch die Entsendung von Tausenden von US-Bodentruppen auf das Territorium Syriens zu rechtfertigen.

Im ersten Jahr der US-Angriffe in Syrien flog die US-Luftwaffe eigenen Angaben zufolge über 10.000 Einsätze gegen ISIS-Ziele, jedoch ohne Erfolg. Die Schwächung der Terrororganisation in Syrien blieb aus. Während die ISIS-Bekämpfung von Washington nur vorgetäuscht war, wurden der Islamische Staat und sein Nimbus der Unbesiegbarkeit immer stärker.

Washington hatte dem „Islamischen Staat“ als stärkster und militärisch anscheinend unaufhaltbarer Faktor die Aufgabe des Sturzes der Assad-Regierung zugedacht. So lange dieser Auftrag nicht erfüllt war, wurde ISIS in Syrien nur rhetorisch in politischen Erklärungen und Medienberichten bekämpft, zugleich aber militärisch mit größtmöglicher Zurückhaltung behandelt. Mit der Zeit wurde dieser Schwindel immer deutlicher. Aber erst mit dem Eingreifen der russischen Luftwaffe auf Seiten der Assad Regierung wurde die Täuschung offensichtlich. Folgerichtig rangierte Russland als die „größte Gefahr“ für Washington in offiziellen Stellungnahmen von Obamas Weißem Hauses, weit vor den ISIS-Terroristen.

In Syrien wurde der

Zur Erinnerung: im Sommer 2015 wunderten sich sogar die handzahmen US-Main-Stream-Medien darüber, dass nach über 10.000 Bombeneinsätzen der US-Luftwaffe immer noch kein nennenswerter Erfolg gegen ISIS zu verzeichnen war. Die offizielle Erklärung des Pentagon damals war, dass die ISIS-Ziele nur sehr schwer zu identifizieren seien und die US-Luftwaffe daher aus Rücksicht auf Zivilisten sehr vorsichtig vorgehen müsse.

In einem als Analyse daherkommenden Artikel der New York Times vom 27. Mai 2015 unter dem Titel: „US-Rücksichtnahme bei Luftangriffen gibt ISIS einen Vorteil, so sagen viele Iraker“ heißt es zum Beispiel:

Amerikanische Geheimdienstanalysten haben sieben Gebäude in der Innenstadt [der ISIS-Hochburg] Raqqa im Osten Syriens als Hauptquartier des Islamischen Staates identifiziert. Aber die Gebäude sind während des 10-monatigen Luftkriegs der US-geführten Koalition unberührt geblieben. Und erst letzte Woche paradierten Konvois schwer bewaffneter Kämpfer des Islamischen Staates triumphal durch die Straßen der Provinzhauptstadt Ramadi im Westen des Irak [an der Grenze zu Syrien]. Sie sind von den Jagdbombern der US-Koalition nicht angerührt worden. Dabei sind amerikanische und alliierte Kampfflugzeuge mit dem präzisesten Luftwaffenarsenal ausgerüstet, das jemals eingesetzt wurde. Aber amerikanische Beamte sagen, dass sie keine bedeutenden und offensichtlichen Ziele des Islamischen Staats bombardieren wollen, aus Angst, dass bei den Angriffen versehentlich Zivilisten getötet werden.

Als ob die Amis in ihren Kriegen je auf Zivilisten Rücksicht genommen hätten?

Wenige Monate später, im Herbst 2015, hatten sogar amerikanische Medien erneut das Gefühl, dass bei der US-Bekämpfung von ISIS etwas nicht stimmte. Anhand der veröffentlichten Videos von russischen Lufteinsätzen in Syrien war nämlich der ganzen Welt inzwischen klar geworden, dass die Russen bereits nach ein paar Monaten mit nur einem Bruchteil der US-Lufteinsätze weitaus mehr gegen ISIS erreicht hatten als die USA in über einem Jahr. Dank der systematischen Bombardierung der ISIS-Öltanker-Konvois hatte der „Islamische Staat“ in kürzester Zeit bereits 80 Prozent seiner Haupteinnahmequelle verloren.

Die ISIS-Tankerkonvois, die sich auf dem Weg in die Türkei gut sichtbar oft Kilometer lang hinstreckten, waren bis dahin von der US-Luftwaffe konsequent ignoriert worden. In den USA dagegen wurde jeder Bürger strafverfolgt, der auch nur eine kleine Geldüberweisung an eine islamische „Wohlfahrtsorganisation“ getätigt hatte, wenn diese im auch nur im entfernten Verdacht stand, islamistischen Terrorgruppen nahezustehenden. Die ISIS-Öltanklaster, die dem „Terrorstaat“ allmonatlich Hunderte von Millionen Dollar einbrachten, hatte Washington jedoch nicht im Visier. Warum nicht?

Dieser Frage gingen in der Tat auch einige US-Journalisten nach. Michael Morell, bis 2013 langjähriger stellvertretender CIA-Chef – ja, es ist derselbe Mr. Morell, der öffentlich empfohlen hatte, russische Offiziere in Syrien vom CIA ermorden zu lassen – gab daraufhin  im populären "Charlie Rose"-TV-Programm eine in ihrer Absurdität nicht mehr zu übertreffende Antwort:

Wir haben keine Ölquellen ins Visier genommen. Tatsächlich haben wir auch Ölbohrlöcher bombardiert, die von ISIS kontrolliert wurden, weil wir keine Umweltschäden machen wollten.

Als ob die Amis in ihren Kriegen je auf die Umwelt Rücksicht genommen hätten?

Nach dem Terrorangriff in Paris am 13. November 2015 mit weit über hundert Toten wuchs der Druck auf Washington, mehr gegen ISIS zu tun. Von einem Pentagon-Sprecher war daraufhin zu hören, dass die US-geführte Koalition in Syrien „die Ölverteilungsfähigkeiten“ des Islamischen Staates "verkrüppeln" werde. Aber „die Öl-Infrastruktur“, von der ISIS profitiert, wolle man nicht zerstören, denn diese würde noch „von den Einwohnern benötigt“, wenn erst einmal der Islamische Staat besiegt sei.

Als ob die Amis in ihren Kriegen je auf die Infrastruktur der lokalen Einwohner Rücksicht genommen hätten?

Mit diesen und anderen fadenscheinigen Argumenten versuchte Washington – und versucht weiterhin – seine außerordentliche Rücksichtnahme gegenüber ISIS zu erklären. Auch aktuell, nachdem Russland den „Islamischen Staat“ als funktionierende Organisation in Syrien ausgelöscht zerstört hat, tun Spezialkräfte des Pentagon, aller Wahrscheinlichkeit in Zusammenarbeit mit oder unter dem Kommando der CIA, alles Mögliche, um ISIS-Kommandeure vor dem Zugriff der Syrisch-Arabischen Armee oder der Russen zu schützen und in „sichere Häfen“ zu bringen. Zur möglichen späteren Verwendung?

Ein dritter Beitrag wird in Kürze diese Zusammenhänge beleuchten.

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