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Trump, Israel und evangelikale Zionisten

Trump, Israel und evangelikale Zionisten
Der israelische Ministerpräsident Benjamnin Netanjahu (l) und US-Präsident Donald Trump (r)
Die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump Jerusalem als Hauptstadt von Israel anzuerkennen, hat für einen weltweiten Aufschrei gesorgt. Oft wird behauptet, dies sei ein zynischer außenpolitischer Zug von Trump. Doch das vordergründige Motiv ist ein ganz anderes.

von Zlatko Percinic

Wie ich bereits in meinem Artikel vom 28. Januar 2017 geschrieben habe, hat "mit der Ankunft von Donald Trump an die Macht im fernen Washington für die Menschen in Israel/Palästina eine neue Zeitrechnung begonnen". Der amerikanische Präsident hat nichts Neues getan, er hat das Rad nicht noch einmal neu erfunden. Mit dem Entschluss, Jerusalem als Hauptstadt von Israel anzuerkennen und die US-Botschaft zu verlegen, hat er sein Wahlversprechen erfüllt. Bereits 1995 verabschiedete der US-Kongress eine von den zionistischen Organisationen ZOA und AIPAC diktierte Resolution, dass die Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegt wird.

Benjamin Netanjahu besucht den neuen US-Präsidenten Donald Trump.

Die letzte Entscheidung dafür wurde damals aber noch in die Hände des Präsidenten gelegt, der im Rahmen der "Anforderungen an die nationale Sicherheit" solch eine Entscheidung treffen sollte. Alle Präsidenten von 1995 bis 2017 - Bill Clinton, George W. Bush, Barack Obama - mochten sich nicht dazu durchringen. Stattdessen spielten sie alle auf Zeit und versuchten mal mehr, mal weniger einen "Friedensprozess" als parteiischer Mediator zu erzwingen. Neun der letzten elf US-Botschafter in Israel finden diese Entscheidung nicht gut.

Donald Trump bereitete dieser Scharade nun schließlich ein Ende. Ob diese Entscheidung gut war oder nicht, ob es einen erneuten palästinensischen oder sogar arabischen Aufstand gegen Israel und Amerika geben wird oder nicht, wird sich erst noch zeigen müssen. Das einzig Positive an dieser Entwicklung ist, dass die USA die Maske haben fallen lassen. Die farcenhaften "Friedensverhandlungen", an denen sich zuletzt Ex-Außenminister John Kerry die Finger verbrannt hatte und üble Beschimpfungen aus Israel über sich ergehen lassen musste, gehören nach über vier Jahrzehnten fruchtlosen Verhandelns endgültig der Vergangenheit an.

Nur die Europäische Union, beziehungsweise deren Vertreter, haben das noch nicht begriffen. Sie würden noch gerne weiter bis zum Sankt Nimmerleinstag verhandeln, währenddessen Israel stets weitere Fakten schafft und es überhaupt nichts mehr gibt, worüber man verhandeln könnte.

Dass jetzt in den arabischen Ländern sowie in der Türkei, im Iran und Pakistan die Emotionen hochkochen, ist verständlich. Ebenso die Reaktionen der politischen Führer dieser Länder. Man muss sich aber vor Augen halten, dass diese Reaktionen primär heiße Luft sind, nichts weiter als Rhetorik zur Beruhigung der Massen. Niemand von ihnen möchte, dass die Lage weiter eskaliert und es zu unkontrollierbaren Handlungen kommt. Einzig und allein Israel würde es begrüßen, wenn es zu einem erneuten Aufstand der Palästinenser und eventueller Unterstützung der libanesischen Hezbollah käme, um endlich einen geeigneten Vorwand zu haben, die lange vorbereiteten Militärpläne in die Realität umzusetzen.

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Ein potenzielles Blutbad durch die Hand Israels ist auch genau das, was Millionen von evangelikalen Christen erwarten. Nicht, weil sie etwa die Träume von manchen jüdischen Extremisten eines Groß-Israel teilen, sondern weil sie darin die Erfüllung einer der letzten Prophezeiungen für Christi Wiederkehr und das Tausendjährige Reich sehen: Armageddon.

Armageddon und die Wiederkehr von Jesus Christus

Die meisten kennen Armageddon als Begriff für das "Jüngste Gericht", als Beschreibung einer Katastrophe oder einfach nur als einen Hollywoodfilm mit Bruce Willis. Für Millionen von christlichen Evangelikalen in den USA, auch Dispensationalisten genannt, stellt Armageddon das Zentrum ihres christlichen Glaubens dar. In der biblischen Offenbarung des Johannes (Kapitel 16) wird der Begriff Harmageddon das erste und einzige Mal in der Bibel erwähnt. Es ist der Ort, wo "die falschen Propheten die Könige zu Harmageddon zum Kampf am Großen Tag Gottes" führen werden.

Gemeint ist damit der Berg von Megiddo, har megiddo auf Hebräisch, in der Jesreelebene im nördlichen Israel. Es ist eine uralte und mythische Ebene, die sich an der Kreuzung der alten Handelsstraße von Syrien nach Ägypten und der Straße von der Hafenstadt Akko nach Jerusalem. befindet. In Megiddo wurden zahlreiche antike Schlachten geschlagen, jedoch gehörte die Stadt im Verlauf ihrer langen Geschichte nur für kurze Zeit zu Israel unter König Salomo.

Nun soll just hier die Prophezeiung des tausendjährigen Friedens in Erfüllung gehen, mit Jesus als Messias an der Spitze des endzeitlichen Kampfes gegen den Antichristen. Dieses "Zweite Kommen" Jesu wird, laut einer repräsentativen Pew-Umfrage aus dem Jahr 2010, von 58 Prozent der weißen Evangelikalen in den Vereinigten Staaten von Amerika geglaubt. Von 245 Millionen erwachsenen Personen (Zahlen aus der großen 2014 Studie zur religiösen Landschaft) bekennen sich etwas über 25 Prozent zum Evangelikalismus, also rund 61,5 Millionen Menschen. Und davon sagen fast 36 Millionen (14,7 Prozent aller Erwachsenen in den USA), dass das Zweite Kommen "definitiv oder wahrscheinlich" innerhalb der nächsten vierzig Jahre geschehen wird!

Damit dieser Glaube oder diese Prophezeiung in Erfüllung gehen kann, müssen einige "Zeichen" eintreffen, die je nach Untergruppierung der Evangelikalen etwas differieren können. Um dennoch eine Idee zu erhalten, wieso Millionen von Amerikanerinnen und Amerikaner davon überzeugt sind, dass die Endzeit naht und Jesus ein zweites Mal als Messias zur Erde zurückkehrt, benutze ich hier die wichtigsten Zeichen, wie sie von Pastor John Hagee (Pastor Hagee ist Gründer der größten christlich-zionistischen Organisationen der USA, der Christians United for Israel, CUFI) gepredigt werden. Seine Predigten in der Cornerstone Church in San Antonia,Texas, werden jeweils über die eigenen TV-Sender in weit über 100 Millionen Haushalte Amerikas ausgestrahlt (Quelle: John Hagee, Can America Survive?):

Die Wiedergeburt der hebräischen Sprache am Ende der Zeit - nach Prophet Zephania.

Die Wiedergeburt von Israel - nach Propheten Ezechiel und Jesaja und der Genesisgeschichte

Plage im Nahen Osten durch radioaktive Verstrahlung - nach Prophet Sacharja.

Der Zweite Exodus (interpretiert als massive Auswanderung von russischen Juden) - nach Prophet Jeremias.

Das große Erdbeben ("Und es wird Hungersnöte, Seuchen und Erdbeben in verschiedenen Orten geben" - Matthäus 24:7), dass das Meer in Blut verwandeln wird (Offenbarung des Johannes 16:3).

Jerusalem ist nicht mehr unter der Herrschaft von Nichtjuden - nach dem Lukasevangelium.

Einige dieser "Zeichen", die laut der evangelikalen Überzeugung das Ende der Zeit einläuten, wurden bereits erfüllt. Die "Wiedergeburt der hebräischen Sprache" erfolgte im 19. und 20. Jahrhundert durch den Zionismus und der massenweisen Einwanderung von Juden nach Palästina. Da sie aus unterschiedlichsten Ländern kamen und verschiedene Sprachen sprachen, sollte Hebräisch das einigende Band werden, um die Verständigung in der neuen Heimat zu vereinfachen. Die "Wiedergeburt von Israel" folgte mit der Gründung des modernen Staates Israel im Mai 1948 auf dem Fuße. Auch der "Zweite Exodus" von über einer Million russischen Juden fand bereits nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion statt.

Was noch fehlt, ist die "Plage durch radioaktive Verstrahlung" und das große Erdbeben, wobei die Verwandlung des Meeres in Blut laut Pastor Hagee bereits stattgefunden hat. Die Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko von 2010 durch die Ölbohrplattform Deepwater Horizon des britischen Ölkonzerns BP führte tatsächlich zu vielen Bildern, wonach sich das Blau des Meeres in Blutrot verfärbte. Das große Erdbeben, "The Big One" wie es in Amerika heißt, ist das laut Wissenschaftlern erwartete Beben entlang der amerikanischen Westküste.

Die "Plage" durch radioaktive Verstrahlung ist eigentlich selbsterklärend. Es schildert die Situation nach einem Atomkrieg oder atomaren Unfall. Wobei für alle, die an diese Prophezeiung glauben oder der israelischen Politik Glauben schenken, klar ist, wer für diese Katastrophe verantwortlich sein wird: der Iran. Pastor Hagee hält sich auch wenig bedeckt, wenn es um die Frage geht, weshalb Seuchen ausbrechen. Als es vor drei Jahren zu einer begrenzten Ebola-Hysterie in Amerika kam, war der Schuldige schnell ausgemacht:

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Ebola ist (die) Strafe Gottes, weil Obama Israel aufteilen will.

Die wichtigste Voraussetzung für die "Endzeit" ist laut Bibel (Buch Daniel 7:17-28) das Erscheinen von vier Königen. Diese "Könige" kämpfen um die Herrschaft der Welt und bringen im Zuge dessen unvorstellbare Zerstörung, Tod und Leid mit. Obwohl das Buch Daniel von einem König des Nordens und einem König des Südens spricht und dabei auch klar Stellung zu den Königen von Persien nimmt, haben die modernen Künder der Endzeit wie Pastor John Hagee eine eigene Interpretation dieser vier Könige:

Der König des Nordens ist Russland, das mit dem Iran und der Türkei eine Allianz bilden wird, um Israel anzugreifen. (Eine erstaunliche "Prophezeiung", da Hagee schon lange vor dem Krieg in Syrien die Allianz zwischen diesen drei Ländern vorausgesagt hat.)

Der König des Südens ist die Ummah, die islamische Weltgemeinschaft, die laut Hagee die ganze Welt der Scharia unterjochen will.

Der König des Ostens ist China mit östlichen Alliierten.

Der König des Westens sind Amerika und Europa, die durch den Antichristen zur endzeitlichen Schlacht von Armageddon geführt werden.

Sie denken jetzt, dass das alles nur ein Hirngespinst von einem religiösen Eiferer ist und nichts mit der großen Politik zu tun haben kann? Ich wünschte es wäre so!

Bei einer Veranstaltung der Republikaner in Pensacola (Florida) vergangene Woche hielt der republikanische Senator Douglas Broxson die Eröffnungsrede und auch ein Loblied auf Präsident Donald Trump, der sich ebenfalls die Ehre gab. Natürlich war auch Trumps Entscheidung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, ein großes Thema. Dabei entpuppte sich Senator Broxson ebenfalls als ein Künder der Endzeit und fand tosenden Beifall bei den versammelten Menschen:

Demonstranten protestieren vor dem Kanzleramt in Berlin gegen die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, Jerusalem als Haiptstadt Israels anzuerkennen.

Also, ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber als ich (das) über Jerusalem hörte, wo der König der Könige, wo unser bald kommender König nach Jerusalem zurückkehrt, weil Präsident Trump Jerusalem zur Hauptstadt Israels deklariert hat.

Diana Butler Bass, Historikerin und Autorin, fasste diese Entwicklung sehr gut zusammen:

Ich vermute, die meisten säkularen Kommentatoren verstehen die religiöse Dimension dieser Story nicht. Seit Jahrzehnten haben sich konservative Evangelikale nach dieser Anerkennung (von Jerusalem/Anm.) gesehnt. (...) Sie haben darauf gewartet, sie haben dafür gebetet. Sie wollen Krieg im Mittleren Osten, die Schlacht von Armageddon, wo Jesus Christus zur Erde zurückkehren und sämtliche Feinde Gottes vernichten wird. Für gewisse Evangelikale ist das der Gipfel der Geschichte. Und Trump bringt sie dahin. Zum versprochenen Strafgericht, zu ihrem sicheren Sieg. Die Gerechten werden in den Himmel geführt, die Verdammten ins Höllenfeuer verbannt. Die Menschen glauben das. Glauben das wirklich. Sie haben ihre Leben für diese Ideen gegeben, singen darüber in ihren Kirchen, missionieren, lehren es in den Sonntagsschulen.

Und um diese Tatsache noch zu unterstreichen, lud Präsident Trump dutzende evangelikale Führer und prominente Zionisten zum jüdischen Lichterfest Chanukka ins Weiße Haus ein. Unter ihnen war auch Sheldon Adelson, einer der wichtigsten finanziellen Unterstützer von Trumps Präsidentschaftswahlkampf. Derselbe Adelson, der vor wenigen Jahren bei einer Rede vor der Jüdischen Universität in New York meinte, dass die einzig richtige Verhandlungstaktik mit dem Iran wäre, "eine Atombombe auf Teheran abzuwerfen" und dafür Applaus erntete.

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