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RT Deutsch-Interview: Fukushimas wahres Leid ist die falsche Berichterstattung

RT Deutsch-Interview: Fukushimas wahres Leid ist die falsche Berichterstattung
Eine Frau wird auf radioaktive Strahlung getestet, Fukushima, Japan, 28. März 2011.
RT Deutsch sprach mit einem singapurianisch-japanischen Dokumentarfilmer, der über Jahre die Entwicklungen in der Unglücksregion Fukushima mit der Kamera begleitete. Das wahre Leid für die Menschen, so Yusei Watanabe, sei nicht die Katastrophe selbst, sondern die Sensationspresse des Auslands.

Yusei Watanabe ist Dokumentarfilmer, seine Mutter stammt aus Fukushima. In Fukushima löste ein Erdbeben im März 2011 einen Tsunami (eine Flutwelle) und eine Unfallserie aus. Die Reaktorblöcke 1 bis 4 im Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi wurden stark beschädigt. Für die Schäden, des am Pazifik gelegenen Kernkraftwerks in der Präfektur Fukushima, wurde auf der siebenstufigen INES-Skala die höchste Stufe gemessen, eine 7. Rund 18.500 Menschen kamen durch das Erdbeben und den Tsunami ums Leben. Bis heute klafft in der japanischen Gesellschaft eine tiefe Wunde, die sich durch eine veränderte Berichterstattung heilen lassen könnte, so Yusei Watanabe im Gespräch mit RT Deutsch. 

Yusei Watanabe: 

Innerhalb der vergangenen Jahre bin ich fast jedes Jahr nach Fukushima gereist und habe die Veränderungen dokumentiert. Zuletzt habe ich einen Beitrag für Discovery Channel [Regie, Kamera und Schnitt] gemacht. In zwei Episoden besuchten wir das Tepco-Kernkraftwerk und verbrachten dort Zeit, um die Entwicklungen zu beobachten. Fukushima ist ein weites Gebiet. Die weniger bewohnten Gebiete sind am meisten getroffen worden. 

Die Motivation zu "Fukushima Diaries" entstand aus der falschen Berichterstattung über die Region Fukushima. Was waren und sind die Fehler der Presse?

Die meisten Menschen wissen nicht, dass Fukushima sicher ist. Es ist nur eineinhalb Stunden von Tokio entfernt. Der Film soll Menschen dazu bewegen, nach Fukushima zu reisen. Meine Motivation ist, Touristen zurück nach Fukushima zu bringen. Die hergestellten Lebensmittel, die Produkte aus der Region, sind nicht durch Radioaktivität betroffen. Der beste Reis, das beste Wasser stammen aus Fukushima. Wenn die Menschen noch immer Angst haben und es Falschinformationen zu Fukushima gibt, dann werden die Menschen keinen Fisch und keinen Reis aus Fukushima erwerben. Fukushima ist ländlicher Raum. Wann immer sich eine Katastrophe auf dem Land Japans ereignet, wird es schwierig. Die Landwirtschaft nimmt Schaden.

Der größte Fehler ist nicht die Unwissenheit darüber, ob Fukushima sicher oder nicht sicher ist, es ist die Tatsache, dass Radioaktivität falsch verstanden wird. 

In diesem Dokumentarfilm begleitete uns Michael Shellenberger. Er wurde vom Time Magazin als Umweltheld gekürt. Er berät Regierungsführer zur Nuklearpolitik. Ein Fehlverständnis laut Shellenberger zu Fukushima ist, dass es unmittelbar nach der Explosion im Kernkraftwerk Partikel gibt, die das Kernkraftwerk verlassen und ins Meer gelangen. Da dies mein dritter Film zu dem Thema ist, weiß ich das von vielen Experten: Wenn es ins Meer übergeht ist es in Ordnung, es wird verwaschen. Aber die Nachrichten berichten anders darüber. Die Fischerei der Region wurde sehr durch die negative Berichterstattung getroffen. 

Nach dem Atomunfall infolge der Tsunamikatastrophe vom März 2011 in Fukushima entwickeln sich die Folgekosten in einem Ausmaß, das weit über die ursprünglichen Annahmen hinausreicht.

Was ist mit den Berichten über mutierte Fische und Strahlungen bis zur amerikanischen Westküste?

Auf der Karte Fukushimas werden die roten Zonen mit hoher radioaktiver Strahlung angezeigt, weiter draußen wird diese gelb und so weiter. Sofort denkt man, dass es so gefährlich ist, dass es die amerikanische Westküste erreichen könnte. Aber die Höhe der Strahlung gibt dies nicht her. Es sieht nur gefährlich aus. Wenn man viel mit dem Flugzeug reist, ist man höherer Strahlung ausgesetzt als in Fukushima. Die vorhandene Strahlung ist weitaus geringer, als in Großstädten. Colorado, die Heimat Shellenbergers hat eine viermal höhere Strahlung als Fukushima. Strahlung gibt es überall auf dem Planeten. Wenn man ein traditionelles Onzen [japanisches Bad in natürlichen, heißen Quellen] besucht, dann ist dies Strahlung. Ein bisschen ist gut für den Körper. Die Menschen aus Fukushima werden nicht krank, sie erkranken keineswegs häufiger an Krebs. Wir reden hier von Falschmeldungen. Mutierte Fische gibt es überall. Aber wenn man diese in Fukushima findet, dann führt man es auf Strahlungen zurück. Es macht den Menschen Angst.

In Nagasaki und Hiroshima, nach dem Atombombenabwurf, wird noch die heutige Generation diskriminiert. Wenn man von dort kommt, schmälert es die Chancen, einen Job zu finden und einen Lebenspartner. Für meinen Film interviewte ich auch einen Universitätsprofessor aus Tokio. Er versucht den Menschen beizubringen, dass es kein Problem in Fukushima gibt. Es ist ihm wichtig, denn sonst werden auch die jungen Menschen aus Fukushima in der Gesellschaft stigmatisiert. 

Wie anders ist Fukushima heute?

Im Jahr 2015 gelang es mir, Zutritt zur Nuklearanlage zu erhalten. Die Filmcrew musste Masken tragen und Ganzkörperschutzanzüge. Ein Jahr danach war dies nicht mehr notwendig. In diesem Jahr ist es sehr sicher. Es ist eine Normalität eingekehrt, die nahezu erschreckend ist. Auch die Behörden waren sehr hilfsbereit. Es gab keine Restriktionen beim Filmen. 

Kehren die Menschen nach Fukushima zurück? 

Für das unmittelbare Umfeld der Fukushima-Anlage gibt es noch immer Beschränkungen. Die Regierung hat die Erde ausgetauscht. Radioaktive Strahlung lässt sich nicht aufhalten, man kann nur die Partikel beseitigen. Die Partikel flogen über Fukushima hinweg. Nach sechs Jahren der Anstrengung haben sie die gesamte Oberfläche ausgetauscht. Nur ein Teil des unmittelbaren Umfelds wird genutzt, um die abgetragene Erde und Oberflächen wie Asphalt aufzubewahren. In diese Gebiete können die Menschen nicht zurückkehren. Das war aber von Beginn an keine brummende Stadt. Nuklearanlagen werden immer in abgeschiedenen Gegenden errichtet. Die Regierung hat Anwohner aufgefordert, zurückzukehren, da es nun sicher ist. Sie haben sogar die Bäume besprüht und gesäubert. Das war völlig unnötig. Viele Aktionen der japanischen Regierungen waren nicht nötig. Aber sie haben es getan, um sich um die Menschen zu kümmern und zu zeigen, dass sie das können. Aber der Hauptgrund, warum viele Menschen nicht mehr zurückkommen ist, dass schon sechs Jahre vergangen sind. Sie haben sich woanders ihr Leben neu aufgebaut. 

Arbeiter der Firma TEPCO im Unglücksreaktor Nummer 4 der TEPCO's Fukushima Daiichi Nuklearanlage, Japan, 7. November 2013.

Was wird unternommen, um das Interesse an Fukushima zu wecken?

Fukushima hat ein neues Forschungszentrum, in dem sie die Nuklearanlage nachgebaut haben und sie schicken Roboter hinein, um Informationen zu sammeln. Sie testen Roboter. Das ist weltweit einzigartig. Japan ist einzigartig in der Roboterherstellung und hier testen sie Roboter für den Katastrophen-Einsatz. Auch die Kinder erhalten eine spezielle Ausbildung. Jede Woche haben sie praktische Unterrichtseinheiten, die sich mit der Situation beschäftigen, in der sie aufwachsen und ihren Erfahrungen durch die Katastrophe.

Welches Umdenken muss bei der Presse geschehen?

Es geht um Nuklearenergie, nicht um Nuklearwaffen. Nuklearenergie ist die einzige Energie, die den menschlichen Hunger an Energie decken kann. Der Unfall im Daiichi hat keinem Menschen das Leben gekostet. Jeder der starb, starb in Verbindung mit dem Tsunami, dem Erdbeben oder aus Panik. Es entstand eine regelrechte Massenhysterie in Verbindung mit Fukushima. Der Professor William Mc Michael der Fukushima Universität lädt Studenten von überall ein, um die Nuklearanlage zu besuchen und sich selbst ein Bild von der Gefahrenlage zu machen. Dies ist ein guter Ausgangspunkt für ausländische Medien. Ich weiß nicht, ob ich das hier sagen kann: In der Anlage gibt es wilde Tiere, die sich dort ungehindert bewegen.

Wir bedanken uns für das Gespräch. 

Das Interview führte RT Deutsch-Redakteurin Olga Banach. 

Trailer zu Fukushima Diaries: 

Ab dem 10. Dezember ist der Film über folgenden Link zu sehen: Fukushima Diaries

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